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Pfleger will Krankenhaus Dresden-Neustadt retten

Dresden will sein städtisches Klinikum massiv umstrukturieren. Dies wird heftig diskutiert. Nun gibt es Widerstand gegen den Plan für den Standort Neustadt.

Das Krankenhaus Neustadt von außen.
Das Krankenhaus Neustadt von außen. © Sven Ellger

Dresden. Statt des bisherigen Krankenhauses mit Stationen und Betten soll das Krankenhaus Neustadt zum Notfallzentrum werden. Fast alle stationären Betten sollen in den sogenannten Campus nach Friedrichstadt.

Mit den Umstrukturierungen am Klinikum Dresden sollen Doppelstrukturen abgeschafft und die Defizite verringert werden - bestenfalls sogar gar keines mehr anfallen. Die Kliniken haben seit Jahren Probleme.

Diesen Plan verfolgen der Kaufmännische Direktor Marcus Polle und Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke). Im kommenden Jahr soll der Stadtrat über die zukünftige Strategie des Klinikums entscheiden.

Die Pläne sind seit einigen Wochen öffentlich. Zuvor war durchgesickert, dass die Betten in Neustadt nahezu abgeschafft werden sollen. Genau dagegen richtet sich eine Petition. Initiiert hat diese Jonas Leuwer, der als Pfleger am Standort Friedrichstadt des Klinums Dresden arbeitet.

Umwandlung kommt "perspektivisch einer Schließung gleich"

In der Petition fordert Leuwer das bevorzugte "Campus Konzept" abzulehnen. Denn dadurch würden 97 Prozent der stationären Bereiche am Standort Neustadt geschlossen.

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Die Umwandlung des Standortes Neustadt in einen fast ausschließlich ambulanten Standort komme "perspektivisch einer Krankenhausschließung gleich", argumentiert Leuwer. Deshalb könne der medizinische Versorgungsauftrag an diesem Standort für den Dresdner Nordwesten nicht mehr gewährleistet werden. Zwar sei der wirtschaftliche Erfolg für das Klinikum insgesamt wichtig, entscheidender sei aber die Daseinsfürsorge, also die Versorgung der Dresdner.

In einem Zukunfts-Plan für das Klinikum müsse auch die "qualitative Aufrechterhaltung einer modernen medizinischen wohnortnahen Versorgung der Bevölkerung" mehr Beachtung finden, meint der Pfleger. "Das ist aus unserer Sicht heutzutage bedeutender denn je." Deshalb sei es notwendig, weitere Ansätze zu suchen, die über die drei in dem Gutachten der Wirtschaftsprüfer genannten Szenarien hinausgehen. Denn dieser Aspekt komme darin zu kurz.

"Abwanderung von Fachkräften und Spezialisten entgegenwirken"

Leuwer sieht vielmehr einen anderen Ansatz: "Wir empfehlen zur Stärkung und Stabilisierung aller Klinikstandorte zu prüfen, inwieweit der konstruktive Einsatz von Investitionsmitteln nach dem Sächsische Krankenhausgesetz förderfähig ist." Dann sollten, auf Basis dieser Zahlen, zu erwartende Betriebskostenzuwächse kalkuliert werden. "Erst dann kann eine Beurteilung darüber erfolgen, ob der Betrieb medizinisch erfolgreich beziehungsweise zukunftsfähig ist."

Auch um die beklagten Probleme zu lösen, geeignete Fachleute zu finden und zu binden, hat der Pfleger einen Vorschlag. Das Klinikum solle langfristig an den Tarif des öffentlichen Dienstes und den Marburger Bundes gebunden werden. "So kann einer ohnehin schon dramatisch begonnenen Abwanderung von Fachkräften und Spezialisten entgegengewirkt werden."

Um in Neustadt ein Zentrum für Notfallmedizin zu schaffen, das an sieben Tagen pro Woche jeweils 24 Stunden arbeitsfähig ist, sei am selben Standort ein Krankenhaus mit Stationen und Betten notwendig. Es faktisch zu schließen, ergebe "aus medizinisch-wirtschaftlicher Sicht ohne funktionierendes Krankenhaus im Hintergrund keinen Sinn" und gefährde das Patientenwohl im gesamten Versorgungsgebiet.

Betten- und Stellenabbau im Städtischen Klinikum Dresden verhindern

Notfälle aus dem Dresdner Norden könnten zudem dann in der Notfallambulanz Neustadt nach "anerkannten medizinischen Leitlinien in der Notfallbehandlung" nicht mehr versorgt werden. Sie müssten stattdessen entweder an den Friedrichstädter Standort oder in andere Kliniken gebracht werden. "Somit wird eine sorgsame, medizinisch vertretbare Patientenbehandlung nicht sichergestellt", so Leuwer. Die zusätzliche Zeit, die dann für den erweiterten Patiententransport nötig sei, könne in vielen Fällen lebensbedrohlich für den Patienten sein.

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"Wir sind davon überzeugt, dass nur mit dem Erhalt des Standortes Neustadt/Trachau als stationärer Versorger die Gesundheitsversorgung für die Dresdner Bürger vollumfänglich garantiert wird", schreibt der Pfleger in der Petition. "Das gilt umso mehr im Ausnahme- beziehungsweise Katastrophenfall wie wir es bei Massenanfällen von Verletzten erlebt haben oder mit der derzeitigen Corona-Pandemie erleben. Deshalb sprechen wir uns für den Erhalt aller Stellen und Betten aus."

Der Stadtrat solle das "Campus-Konzept" ablehnen und damit den einhergehenden Betten- und Stellenabbau im Städtischen Klinikum Dresden verhindern. Stattdessen könnten neue Modelle entwickelt werden. Die Petition hat bisher knapp 3.000 Mitzeichner. Sobald die Unterschriftensammlung beendet ist, wird diese im Petitionsausschuss des Stadtrates beraten.

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