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Blaues Wunder: Poller-Ärger am Markttag

Die Händler berichten am Sonnabend von mehreren neuen Problemen. Eins davon: Sie wissen nicht, wohin mit ihren eigenen Autos.

Die neuen Poller auf dem Schillerplatz halten Kunden vom Einkauf auf dem Wochenmarkt ab, sagen vor allem die Gemüsehändler.
Die neuen Poller auf dem Schillerplatz halten Kunden vom Einkauf auf dem Wochenmarkt ab, sagen vor allem die Gemüsehändler. © Sven Ellger

Dresden. Der freie Platz ist an diesem Tag stark frequentiert. Vier Autos haben nebeneinander Platz, drei stehen fast immer dort. Begrenzt wird er von einem Teil der 20 Poller, die seit reichlich zwei Wochen die Durchfahrt auf den Kopfsteinpflaster-Platz unterhalb des Blauen Wunders in Blasewitz versperren. Der kleine Restparkplatz wirkt wie die Einfahrt zur ehemaligen Stellfläche, zwei herausnehmbare Poller mit Dreikantverschlüssen zeigen: Dort kann - falls nötig - doch durchgefahren werden.

Es ist Sonnabend, Wochenmarkt-Zeit auf dem Schillerplatz, und dort, wo die Durchfahrtssperre eigentlich frei gemacht werden könnte - etwa für Rettungsfahrzeuge, die Feuerwehr oder die Polizei - ist gerade kein Durchkommen. Autos versperren den Platz, sie stehen im Parkverbot. Das reicht eigentlich von der Straße Am Schillergarten bis hinunter zur neuen Pollerreihe, nur gegenüber ist Platz für ein paar Fahrzeuge. Doch viele Autofahrer ignorieren das. Haben sie sich erst mal durch die zugeparkte Nebenstraße und die kleine S-Kurve am Schillerplatz bis vor die Poller gequält, wird dort auch gern geparkt.

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Auch Hartmut Trosien hat seinen Opel dort abgestellt. "Ganz schlimm" findet der Dresdner die neue Absperrung und meint: "Das Parkverbotsschild habe ich gar nicht gesehen." Dabei gibt es davon sogar zwei zwischen der kleinen Zufahrt am Schillergarten und der Pollerreihe. Am Schillerplatz sei seine Bank und für deren Tiefgarage müsse er eine "Hundemarke" ziehen, sagt der Opel-Fahrer. Dem Marke-Ziehen zieht er lieber einen Gratisparkplatz vor.

Weniger Gemüse verkauft

Nicht nur er nutzt an diesem Sonnabend die kleine Stellfläche. Auch ein Händler-Fahrzeug ist dort abgestellt. Keins von einem riesigen Gemüsestand, der morgens auf- und mittags wieder abgebaut werden muss, sondern ein Transporter, der zu einem kleinen Pilze-Stand aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gehört. Der Mann von Petra Rößger hat dagegen richtig geparkt. Er war mit seinem 7,5-Tonner schon am Morgen um 5 Uhr auf dem Schillerplatz, hat alles für den Gemüsestand seiner Frau abgeladen und den Lkw dann in einer der Parkbuchten vor dem Schillergarten abgestellt. "Schön isses nicht", kommentiert Petra Rößger die Pollerreihe, sie habe aber die Hoffnung aufgegeben, dass sich daran noch etwas ändert. Dass der Parkplatz an der Elbe weg ist, sei ganz deutlich an der Kundenfrequenz zu spüren, sagt die Dresdnerin. Sie schätzt, es sind jetzt etwa 30 Prozent weniger. "Die Menschen lieben eben die Bequemlichkeit."

Ein paar Meter weiter steht Andrea Weber unter einem Stoffdach. Wie Petra Rößger verkauft sie Obst und Gemüse. "Ich war heute schon um 4 Uhr hier", sagt sie. Nur, um noch einen Parkplatz in der Nähe zu ergattern. "Früher war 5.30 Uhr meine Zeit." Gerade, wer Gemüse kauft, gehe oft mit vollen Taschen vom Markt. "Jetzt bleiben die Kunden aus, denn wer will das schon mit Bus und Bahn transportieren", stimmt sie ihrer Gemüse-Nachbarin zu.

Seit 20 Jahren stehe sie auf dem Schillerplatz-Wochenmarkt, seit die Poller aufgestellt wurden, seien deutlich weniger Kunden da.

Andrea Weber kommt jetzt an Wochenmarkt-Tagen früher auf dem Schillerplatz, um noch einen Parkplatz in der Nähe zu finden.
Andrea Weber kommt jetzt an Wochenmarkt-Tagen früher auf dem Schillerplatz, um noch einen Parkplatz in der Nähe zu finden. © Sven Ellger

Holger Tintner vom Sächsisch-Böhmischen Bauernmarkt aus Dohna hat es leichter. Er hat einen fahrbaren Verkaufsstand - einen Transporter, der an der Ecke Am Schillergarten/Schillerplatz steht. "Für die Kollegen, die Zugmaschinen haben, hätte man eine Lösung finden müssen", sagt Tintner. Die aktuelle Pollerargumentation mit der Gefahr für die Radfahrer durch querende Autos auf dem Elberadweg könne er nicht verstehen. "Da hätte man eine geistreichere Lösung finden können, zum Beispiel eine Umfahrung für die Radfahrer", meint der Händler aus Dohna. Er selbst spüre an diesem Sonnabend keinen Rückgang der Kundenzahlen, aber bei den Obst- und Gemüsehändlern könne er das nachvollziehen.

Für Sven Hertner, der auch auf dem Schillerplatz zu tun hat, aber kein Händler ist, sind die Poller ebenfalls ein Problem. Er kommt an diesem Sonnabend kurz vor 10 Uhr an und liefert Gemüse, jetzt gerade für den Schillergarten. "Früher bin ich mit einem normalen Lkw gekommen, das geht jetzt nicht mehr", deutet er auf die Einfahrt. Gegenüber stehen jetzt zwei Händler-Lkw, mit seinem Laster komme er nun nicht mehr um die Kurve, sagt der Gemüselieferant. Deshalb muss es nun der Transporter tun.

Gut besucht - aber weniger Kunden als vor der Zeit mit der Pollerreihe am Schillergarten, finden vor allem die Obst- und Gemüsehändler.
Gut besucht - aber weniger Kunden als vor der Zeit mit der Pollerreihe am Schillergarten, finden vor allem die Obst- und Gemüsehändler. © Sven Ellger

Jeder hat eine Meinung zu der neuen Durchfahrtssperre. Auch Stefan Gutsch, der nur ein paar hundert Meter elbaufwärts entfernt wohnt. Er kann zu Fuß zum Schillerplatz und betrachtet die Poller an diesem Sonnabend eingehend. "Ich habe zweierlei Meinungen", sagt der Blasewitzer. "Es nützt der Umwelt, denn was haben Autos so nah am Wasser zu suchen?" Er findet aber, dass die Rücksichtnahme auf die Radfahrer zu weit geht. "Die sind wie kleine Hunde, die dürfen alles." Er wohne ja direkt am Elberadweg, die Situation dort sei "eine Katastrophe".

"Das Beste, was passieren konnte", ist die Pollerreihe dagegen für eine Radfahrerin, die an diesem Sonnabend wie jede Woche auf dem Schillerplatz-Markt einkauft. Sie packt die Waren in ihre Gepäcktasche. "Die Autos haben das Flair kaputt gemacht, ständig kamen sie um die Ecke", deutet sie auf die Zufahrtsstraße zum Schillerplatz. Sie findet die neue Lösung deshalb "sehr gut".

Parken im Parkverbot

Ganz anders als ein Mercedesfahrer, der auch an diesem Sonnabend nicht darauf verzichtet, mit seinem Kombi bis direkt vor den Markt zu fahren. Auch er kommt "um die Ecke", von der die Radfahrerin sprach, und stellt sein Auto gleich am Parkverbotsschild und zur Hälfte auf dem Fußweg vor dem Schillergarten ab.

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Seinen Namen möchte er nicht sagen, aber mit seiner Meinung hält er nicht hinter dem Berg. "Das ist eine absolute Katastrophe", findet er. Wer die Pollerreihe zu verantworten hat, hätte "keine Ahnung von der Wirtschaft". Bevor er davonfährt, fügt er noch hinzu: "Und ich warte darauf, dass jemand mit einer Flex kommt und die Poller wegflext."

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