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Radweg am Dresdner Schillerplatz bleibt gefährlich

Radfahrer müssen in der Hüblerstraße in den Gegenverkehr ausweichen. Die angekündigte Lösung wird es vorerst nicht geben. Veränderungen sind aber in Sicht.

Im Sommer dieses Jahres demonstrierten Radfahrer für einen durchgehenden Radweg zwischen Berggartenstraße und Schillerplatz.
Im Sommer dieses Jahres demonstrierten Radfahrer für einen durchgehenden Radweg zwischen Berggartenstraße und Schillerplatz. © Archiv: Christian Juppe

Dresden. Die Hoffnung auf eine sicherere Radwegverbindung von der Berggartenstraße zum Schillerplatz in Dresden hat nun einen erheblichen Dämpfer bekommen. Nachdem die Hüblerstraße im August 2019 entgegen der Einbahnstraßenregelung für Radfahrer freigegeben wurde, war es immer wieder zu brenzligen Situationen zwischen Rad- und Autofahrern gekommen.

Der Grund: Der Radweg in Richtung Schillerplatz ist nicht durchgängig, sondern von Parkplätzen unterbrochen. An diesen Stellen müssen die Radfahrer, die ja ohnehin schon in der Gegenrichtung der Autos unterwegs sind, direkt auf die Fahrbahn wechseln, die für Autos und Radfahrer aber zu schmal ist.

Die Lösung dieses Problems hatte sich der ehemalige Bau- und Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) auf die Fahnen geschrieben und kündigte im Sommer dieses Jahres an, dass die Parkplätze einem durchgehenden Fahrradstreifen weichen sollen. Allerdings räumte er damals ein, dass ein Gespräch mit den ansässigen Händlern noch ausstehe. In seiner Amtszeit ist ihm das nicht mehr gelungen, er verwies stattdessen auf seinen Nachfolger und Parteikollegen Stephan Kühn, der seinen Posten im Oktober übernommen hat.

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Gespräch mit Gewerbetreibenden steht noch aus

Kühn ist das Problem am Schillerplatz zumindest bekannt, wie er auf SZ-Anfrage mitteilt. Demnach habe sein Vorgänger prüfen lassen, ob die Ladezone auf die nördliche Seite der Hüblerstraße verlegt werden kann. Daran war aber eine Bedingung geknüpft: "Eine Umsetzung stand unter dem Vorbehalt, dass das Einvernehmen mit der Polizeidirektion Dresden und der Oberen Straßenbaubehörde herbeigeführt werden kann."

Das Ergebnis dürfte die Radfahrer wenig erfreuen. Denn Kühn teilt weiter mit: "Dieses Einvernehmen liegt nicht vor." Konkreter wird er nicht, wie genau diese Behörden die Situation in der Hüblerstraße einschätzen, bleibt offen.

Dennoch soll es vor Ort Veränderungen geben. "Wir arbeiten weiter an einer Lösung, die die Sicherheit für die Radfahrer erhöht", so Kühn. Vor allem im Bereich der Engstelle in Höhe des Mobi-Punktes gebe es eine Möglichkeit, die Führung des Radverkehrs zu verbessern. "Das werde ich im Januar 2021 mit dem Stadtbezirksbeirat besprechen. Auch mit den Gewerbetreibenden werde ich das Gespräch suchen."

ADFC: "Bürgermeister fehlt der Mut"

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Dresden (ADFC), der sich seit 15 Jahren für eine sichere Verbindung an dieser Stelle einsetzt, kritisiert die Ankündigung von Stephan Kühn scharf. "Der Baubürgermeister muss sich fragen lassen, was ihm wichtiger ist: Sichere Radverbindungen für alle oder ein paar einzelne Parkflächen direkt neben einer nahezu leer stehenden, öffentlichen und barrierefrei zugänglichen Tiefgarage", so Geschäftsführer Edwin Seifert.

Eine Untersuchung der Stadt hatte ergeben, dass die Tiefgarage unter der Schillergalerie selbst in Spitzenzeiten nur zu maximal 40 Prozent ausgelastet ist und demzufolge genug Platz für alle Kunden bietet, die mit dem Auto kommen und ihre Einkäufe erledigen wollen.

Seifert findet, dass es keinen überzeugenden Grund gibt, der gegen einen durchgehenden Radstreifen auf der Hüblerstraße spricht. Die Verbindung sei sehr stark befahren und mit der jetzigen Regelung zur Slalomstrecke für Radfahrer geworden. Auch das Argument der Stadtverwaltung, dass mit einem durchgängigen Radweg Tempo 50 - anstatt wie jetzt Tempo 20 - angeordnet werden müsste, will Seifert nicht gelten lassen.

Das lasse sich - ähnlich wie auf der Wilsdruffer Straße, die als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich eingeordnet ist - auch in der Hüblerstraße mit entsprechenden Verkehrsschildern regeln. Die Wilsdruffer Straße sei ein gelungenes Beispiel, wie eine Straße mit Geschäften, Verkehr und einer separaten Radfahrspur funktionieren könne.

Laut ADFC liege der Stadtverwaltung zudem eine Stellungnahme von Polizei und Landesamt für Straßenbau und Verkehr vor, die aber nicht öffentlich gemacht werde. Seifert vermutet, dass die vorgebrachten Argumente nicht besonders stichhaltig seien. Außerdem, so Seifert weiter, treffe die Stadt selbst die Entscheidung, wie die Hüblerstraße gestaltet wird.

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