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Dresden

Dresden: Reizgas nach Vergewaltigung?

Eine junge Frau soll bei der ersten Party nach dem Lockdown im Dresdner "Arteum" Reizgas versprüht haben. Jetzt gibt es einen Hinweis auf den Grund.

Wegen einer Reizgas-Attacke rückten Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei ins Dresdner Arteum an.
Wegen einer Reizgas-Attacke rückten Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei ins Dresdner Arteum an. © Roland Halkasch

Update 5. Juli, 14:28 Uhr: Der Reizgas-Angriff in der Nacht zum Sonntag in der Dresdner Diskothek Arteum passierte nicht ohne Grund. Eine Freundin der 18-Jährigen, die das Gas versprüht hat, soll zuvor in dem Club im Waldschlösschen-Areal vergewaltigt worden sein. Das berichtet ein Arteum-Besucher, der behauptet, die 18-Jährige zu kennen.

Die Polizei erkärte auf SZ-Anfrage, es gebe eine entsprechende Anzeige einer Begleiterin der Tatverdächtigen. "Ob dies im Zusammenhang mit den Einsatzes des Reizstoffes steht, ist Gegenstand der Ermittlungen." Der Arteum-Besucher, der die Attacke offenbar miterlebt hat, berichtet weiter: Die 18-Jährige habe den Täter nach dem Übergriff auf ihre Freundin zur Rede gestellt. Weil dieser keine Einsicht gezeigt habe und sie die Befürchtung hatte, dass andere Gäste in Gefahr seien, habe sie das Reizgas eingesetzt. "Dies war auch nur explizit gegen den Täter gerichtet."

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Ob die Frau das Reizgas überhaupt besitzen durfte, ist noch ungeklärt. Erlaubt sei unter anderem Tierabwehrspray, so die Polizei auf SZ-Nachfrage. Was sie für ein Reizgas einstecken hatte, ist derzeit unklar. Ein Ermittlungsverfahren wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetzt gebe es bisher aber nicht, erklärte ein Polizeisprecher. Das müssten die Beamten einleiten, wenn die 18-Jährige ein Spray versprüht hat, das unter das Waffengesetz fällt.

Zusätzlich gibt es Hinweise darauf, dass die Diskothek an diesem Abend sehr voll war. Das wäre ein Verstoß gegen die Corona-Regeln. Wegen Vergehen im Zusammenhang mit den Pandemie-Schutzmaßnahmen werde derzeit ebenfalls nicht ermittelt, so die Polizei.

So haben wir am Sonntag berichtet

Die Dresdner Disko Arteum musste am frühen Sonntagmorgen nach einem Reizgasangriff geräumt werden. Nach Angaben der Dresdner Polizei soll eine 18-Jährige tatverdächtig sein. Kurz nach 3 Uhr hatten mehrere Besucher plötzlich über Atemwegsreizungen geklagt, daraufhin wurde das Gebäude evakuiert und die Polizei verständigt.

Feuerwehr, Rettungsdienst und die Polizei rückten nach einem Notruf aus dem Club an. Als sie eintrafen, befanden sich etwa 150 Personen vor der Diskothek. Sie hatten den Club bereits verlassen. Die Retter, die bei solchen Veranstaltungen regulär im Einsatz sind, hatten bereits damit angefangen, die Verletzten zu untersuchen.

18-Jährige soll komplette Dose Reizgas versprüht haben

Die 18-Jährige soll eine komplette Dose Reizgas versprüht haben. Der Grund dafür war am Sonntag noch nicht bekannt. Sie habe sich nicht dazu geäußert, sagte Steffen Kühnel, der Polizeiführer im Lagezentrum an der Schießgasse, auf SZ-Anfrage. Die Frau sei zur Tatzeit betrunken gewesen, zwei Promille ergab ein Alkoholtest, teilte die Polizei mit. Gegen die Deutsche werde nun wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Bis in die Morgendämmerung dauerte der Einsatz im Waldschlösschen-Areal.
Bis in die Morgendämmerung dauerte der Einsatz im Waldschlösschen-Areal. © Roland Halkasch
Elf Rettungsdienst-Fahrzeuge waren im Einsatz. Die Schlange reichte bis auf die Waldschlößchenstraße.
Elf Rettungsdienst-Fahrzeuge waren im Einsatz. Die Schlange reichte bis auf die Waldschlößchenstraße. © Feuerwehr Dresden
In diesem Club hat eine 18-Jährige Reizgas versprüht. Der Grund dafür ist noch nicht bekannt.
In diesem Club hat eine 18-Jährige Reizgas versprüht. Der Grund dafür ist noch nicht bekannt. © SZ/Christoph Springer
Die Ruhe nach dem "Sturm": Alles aufgeräumt am Morgen nach der Reizgas-Attacke im Arteum.
Die Ruhe nach dem "Sturm": Alles aufgeräumt am Morgen nach der Reizgas-Attacke im Arteum. © SZ/Christoph Springer

Insgesamt 18 Personen klagten nach der Attacke über Beschwerden, sagte Kühnel. Elf von ihnen wurden vor Ort ambulant behandelt, fünf mussten in Dresdner Krankenhäuser. Dort sollen ihre Augen und ihre Atemwege untersucht werden.

Sechs Polizeibeamte und jede Menge Feuerwehr und Rettungsdienstmitarbeiter waren im Einsatz. Die Feuerwehr rückte nach dem Notruf aus dem Arteum mit 14 Fahrzeugen an, der Rettungsdienst mit elf. Auch drei Notärzte waren vor Ort.

Um 3 Uhr war die Party-Nacht vorbei

Die Party war mit dem Einsatz zu Ende, das Arteum wurde in dieser Nacht in Absprache mit den Verantwortlichen vorzeitig geschlossen, sagte Polizeiführer Steffen Kühnel. Um 6 Uhr, rund drei Stunden nach dem Notruf, war der Einsatz im Waldschlösschen-Areal beendet.

"Awake" war das Motto der Party in der Nacht zum Sonntag, der ersten im Arteum nach dem Corona-Lockdown. Der Club im Waldschlösschen-Areal sollte demnach geweckt werden nach der langen Pause. Um 22 Uhr öffnete die Abendkasse, wer wollte, konnte vor dem Besuch der Disko vor Ort noch einen kostenlosen Corona-Test machen lassen. Bis in die Morgenstunden dauern solche Partys im Arteum in der Regel, doch diese war kurz nach 3 Uhr zu Ende.

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