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Hobbykoch mit viel Herz und Blut

Franzl Trommers Nerven liegen nach einem kräftigen Schnitt in den Daumen blank. Was passiert, wenn der Red-Rooster-Kultwirt im Fernsehen um die Wette kocht.

Franz Trommer lässt es sich nie langweilig werden. Wenn auch das "Red Rooster" in Lockdownschlaf gesunken ist, widmet sich der Kultwirt halt seiner Kochleidenschaft.
Franz Trommer lässt es sich nie langweilig werden. Wenn auch das "Red Rooster" in Lockdownschlaf gesunken ist, widmet sich der Kultwirt halt seiner Kochleidenschaft. © René Meinig

Dresden. Gescholten und besungen wurde der Kühlschrank schon. Als die kalorienreiche Verlockung im Homeoffice oder der beste Freund aller Biertrinker. Man scharwenzelt um ihn herum, vertraut ihm sein Liebstes an und kann doch nie sicher sein, "ob das Licht ausgeht, wenn die Tür zuhaut", wie Stoppok singt.

Franz Trommer musste blitzartig ein Licht aufgehen, als er den Kühlschrank öffnete. Gourmetkoch Gerd Kastenmeier hat ihn reichlich gefüllt, und der Kandidat seiner neuen Kochshow bekam die Aufgabe, aus den Lebensmitteln, die er gut gekühlt vorfand, ein Menü zu zaubern - in lediglich 45 Minuten.

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"Wenn ich nicht schon so viele andere Berufe gehabt hätte, wäre ich bestimmt Koch geworden", sagt Trommer, den all seine Freunde und die meisten Gäste des Pubs "The Red Rooster" im Königstraßenviertel liebevoll Franzl nennen. Aber wahrscheinlich habe er als Berufskoch niemals die Ruhe und Muse, die er sich in der Küche wünscht.

Vom Sockenverkäufer zum Kneipier

Von Entspannung kann bei Kastenmeiers Casting auch keine Rede sein. Schließlich ist die Zeit, die seine Bewerber um den Titel "Sachsens bester Hobbykoch" für ihre Gerichte haben, extrem knapp bemessen.

Aber zackig hintereinanderweg zu arbeiten, das ist Franz Trommers Ding. Damit hatte der 65-Jährige im Leben viel Erfolg, ob als Jungspund in seinem Beruf als Dekorationsmaler, als Bassist der Motörhead-Cover-Band "MCB", als Veranstaltungstechniker, Sockenverkäufer oder Kneipenwirt.

"Nach der Wende war Schluss mit Musik. Da wollten die Leute die originalen Bands erleben und nicht mehr die nachgemachten", erzählt er. Mit kleinen Muggen hielt sich Franzl über Wasser, bis er am Rande eines Gigs jemanden kennenlernte, der ihn als Außendienstler anwarb.

"Von heute auf morgen hatte ich ein schickes Auto und fuhr durch den Osten, um Strümpfe und Strumpfhosen zu vertreiben." Klinken zu putzen brauchte er bei seinen Großkunden nicht. "Aber ich bin den Job angegangen, als ob es meine eigene Firma wäre, war schon am Donnerstag fertig und ab dann unausgelastet."

Ein Zustand, der sich selten gut anfühlt. Meistens konnte Franz Trommer etwas gegen Leerlauf tun. Und wenn nicht, dann gehörte er halt zum Job, so wie als Musiker, der vor allem am Wochenende auf der Bühne steht.

Nun aber gibt es kein Podium mehr - weder für Bands, noch für professionelle Köche und Gastronomen. Im Red Rooster auf der Rähnitzgasse stehen die Stühle auf den Tischen. Schon wieder. Die vierte Woche des zweiten Lockdowns.

Blick in den Kühlschrank: Kultwirt Franz Trommer und seine Gegenspielerin, die Dresdner Hobbyköchin Gabriele Heinchen, verschaffen sich einen ersten Eindruck vom Warenkorb, den ihnen der Juror und Showmaster Gerd Kastenmeier bereitgestellt hat.
Blick in den Kühlschrank: Kultwirt Franz Trommer und seine Gegenspielerin, die Dresdner Hobbyköchin Gabriele Heinchen, verschaffen sich einen ersten Eindruck vom Warenkorb, den ihnen der Juror und Showmaster Gerd Kastenmeier bereitgestellt hat. © Sachsen Fernsehen / PR

Dass Franz Trommer dort nicht mehr Chef ist, tröstet ihn nicht. Schließlich trifft es seinen Sohn, der den Laden inzwischen führt, und auch er selbst sieht die Kneipe am liebsten voll.

Sie zu dem zu machen, was sie normalerweise ist - nämlich ein Hort für alle, die sich über zehn verschiedene Biere auf der Karte, rund 150 Whiskeysorten hinterm Tresen und ein uriges Ambiente freuen, war sein Werk.

Das begann, als er sich nach seinem Vertreterjob auf eigene Socken und mit dem Erstellen von gastronomischen Konzepten selbstständig gemacht hat. Der Eigentümer des Hauses, in dem seit 25 Jahren das Red Rooster zuhause ist, wollte ein Lokal im Erdgeschoss haben und engagierte Franz Trommer.

"Bring am besten auch gleich einen Wirt mit, sagte er mir." Das tat er: sich selbst. "Ich hatte zwar andere Vorstellungen als der Besitzer. Der wollte sächsische Küche im grün-weißen Ambiente", erzählt er. Doch Franzl setzte sich durch.

Auftakt mit Kartoffelsalat

Übrigens Jahre später auch gegen rund 30 Bewerber des Kartoffelsalat-Contests im Parkhotel. Dort kommen jedes Jahr Gastronomen zum Familientreffen zusammen, um sich für den besten Kartoffelsalat feiern zu lassen.

Franz Trommer trat zum ersten mal an und räumte den Titel ab. Das gab den Auftakt zur Mitkoch-Show im Sachsen Fernsehen.

Die läuft nun diese Woche täglich und lässt die Zuschauer mit Franz Trommer mit fiebern. Nicht zuletzt, weil er im wahrsten Sinn des Wortes viel Herzblut in sein Menü fließen ließ.

"Ich habe mir während der Dreharbeiten so arg in den linken Daumen geschnitten, dass ich meinen vierten Gang nicht mehr umsetzen konnte." Umso besser gelangen ihm die übrigen drei.

Inzwischen ist die Fingerkuppe zwar fast verheilt. Wirklich Gefühl habe er darin aber nicht mehr. Franz Trommer hat also beim Wettkochen nicht nur sprichwörtlich Nerven gelassen.

Mitmach-Show im Sachsenfernsehen: 24. November, 23 Uhr; 25. November, 21.30 Uhr; 26. November, 18.30 Uhr; 27. November, 23 Uhr im Sachsen Fernsehen

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