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Dresden: Doch Wald statt neue Wohnungen?

Das Ringen um eine Baufläche am Leutewitzer Park geht in die nächste Runde. Warum schon Bäume gefällt und welche Details bekannt wurden.

Zwei Bürgerinitiativen wollen die Waldfläche südlich der Häuser an der Schaumbergerstraße unbedingt erhalten. Denn sie sei wichtig für das Stadtklima.
Zwei Bürgerinitiativen wollen die Waldfläche südlich der Häuser an der Schaumbergerstraße unbedingt erhalten. Denn sie sei wichtig für das Stadtklima. © Marion Doering

Dresden. Im Leutewitzer Park in Dresden sind in den vergangenen Tagen mehrere Bäume gefällt worden. Hat das etwas mit dem geplanten und umstrittenen Baugebiet zu tun? Investor Uwe Köhn will die neue Wohnsiedlung, die in den vergangenen Jahren an der Ockerwitzer und Schaumbergerstraße entstanden ist, in Richtung Leutewitzer Park erweitern.

Weil dafür viele Bäume gefällt werden müssten, hat sich unter den Anwohnern eine Bürgerinitiative formiert, die den wild entstandenen Wald auf dem vorgesehenen Baugrundstück unbedingt erhalten will. Dresdner Politiker sind sich indes uneinig darüber, ob an dieser Stelle nun dem Wohnungsbau oder dem Natur- und Klimaschutz Vorrang eingeräumt werden soll.

Allerdings gab es für Investor Köhn nun einen ersten Rückschlag: Der Stadtbezirksbeirat Cotta hat den Bebauungsplan kürzlich mehrheitlich abgelehnt, was aber nur eine Empfehlung für das beschließende Gremium sein wird.

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In der vergangenen Woche verweigerte dann auch der Umweltausschuss dem Projekt seine Zustimmung und lehnte es mit deutlicher Mehrheit ab. Jetzt wird sich der Bauausschuss mit dem Thema befassen. Weil das Interesse der Öffentlichkeit so groß ist, könnte es aber sein, dass die Vorlage in den Stadtrat verwiesen wird.

Fest steht: Die aktuellen Baumfällungen haben nichts mit dem geplanten Baugebiet zu tun. Sie fanden direkt im Leutewitzer Park statt und seien notwendig gewesen, weil die betroffenen Bäume abgestorben waren. Es handelt sich um 25 Bergahorn-Bäume.

"Alle Bergahorne wiesen Symptome der Rußrindenkrankheit auf", teilt eine Stadtsprecherin auf SZ-Anfrage mit. Dabei könnte es nicht bei den 25 Exemplaren bleiben. "Selbst verbliebene Altbäume des Bergahorns zeigen erste Anzeichen, sodass weitere Fällungen nicht ausgeschlossen werden können."

Direkt im Leutewitzer Park wurden kürzlich 25 Bergahorn-Bäume gefällt. Sie waren krank und zum Teil abgestorben. Es könnten weitere Fällung nötig sein, damit Spaziergänger nicht gefährdet werden.
Direkt im Leutewitzer Park wurden kürzlich 25 Bergahorn-Bäume gefällt. Sie waren krank und zum Teil abgestorben. Es könnten weitere Fällung nötig sein, damit Spaziergänger nicht gefährdet werden. © Marion Doering

Allerdings sollen auch neue Bäume gepflanzt werden. "Standorte innerhalb der Alleen werden 2021 an gleicher Stelle gemäß denkmalpflegerischer Zielstellung mit Amberbaum beziehungsweise Rot-Ahorn ersetzt", so die Stadt. Weitere Pflanzungen in den anderen Bereiche werden derzeit mit den Denkmalbehörden abgestimmt.

Wie es mit dem Baugebiet nun weitergeht, ist offen. Projektentwickler Uwe Köhn hatte versichert, dass von der insgesamt 11.000 Quadratmeter großen Fläche nur etwas mehr als 4.000 Quadratmeter bebaut werden sollen. Die restliche Fläche würde er dem Park zuschlagen und der Stadt 500.000 Euro zur Verfügung stellen, um die Anlage schöner zu gestalten. Dennoch seien auch auf seiner Fläche etliche Bäume krank, die ohnehin gefällt werden müssten.

Ein Teil des Waldes südlich der Neubauten an der Schaumbergerstraße müsste für weitere Wohnhäuser abgeholzt werden. Der Investor sagt, dass viele Bäume ohnehin krank seien und gefällt werden müssten.
Ein Teil des Waldes südlich der Neubauten an der Schaumbergerstraße müsste für weitere Wohnhäuser abgeholzt werden. Der Investor sagt, dass viele Bäume ohnehin krank seien und gefällt werden müssten. © Marion Doering

Auf Anfrage von SPD-Stadtrat Stefan Engel teilte die Verwaltung jetzt außerdem einige weitere Details zur Baufläche mit, die bislang öffentlich nicht bekannt waren. So befindet sich ein rund 1.000 Quadratmeter großes Flurstück, das mitten im Baugebiet liegt, im Besitz der Landeshauptstadt. Und das soll sich offenbar auch nicht ändern. So gebe es "keine vertraglichen oder andere verbindlichen Absprachen", die den Verkauf des Grundstücks an den Vorhabenträger vorsehen.

Auf eine andere SPD-Anfrage teilte die Stadt weiterhin mit, dass im Zusammenhang mit der Errichtung der fünf bestehenden Wohnhäuser "widerrechtlich Bodenmaterial im Wald verbracht wurde". Dieser Sachverhalt werde aber aufgrund des laufenden Bebauungsplanverfahrens derzeit nicht weiterverfolgt.

Die SPD-Stadtratsfraktion lehnt das Bauvorhaben ab, so Engel. Und die anhaltenden Diskussionen in den Gremien würden diese Haltung bestätigen. "Eine Bebauung des Waldareals am Leutewitzer Park wäre der falsche Schritt", sagt Engel. An vielen Stellen im Dresdner Westen werden neue Wohnungen gebaut - und das sei gut so. "Für eine lebenswerte Stadt braucht es aber eben auch naturnahe Grünflächen."

Fläche als Wald eingeordnet

Der Landschaftsplan und der neue Flächennutzungsplan sehen an dieser Stelle keine Bebauung vor, seit gut zehn Jahren wird das Areal als Waldfläche eingeordnet. "Dass der Stadt bereits ein Teil des Grünareals gehört, ist eine überraschende, aber sehr positive Nachricht", so Engel weiter. "Wir sehen das Potenzial, hier ein Grüngebiet zusammen mit der Nachbarschaft und Bürgerinitiative behutsam zu entwickeln." Für Engel sei es aber unverständlich, warum eine so wesentliche Information zu den Eigentumsverhältnissen in der Vorlage nicht enthalten ist. "Hier erwarten wir in Zukunft mehr Transparenz."

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Auch die Grünen im Dresdner Stadtrat wollen den Bau der neuen Häuser an diesem Standort verhindern - und zwar aus stadtklimatischen Gründen. "Der Dresdner Westen weist nach Aussage des Grünflächenamtes Dresden eine unterdurchschnittliche Grünflächendichte auf", so Thomas Löser, baupolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Eine Halbierung des vorhandenen Wäldchens würde die ökologische Wirkung als Wald erheblich schmälern.

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