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Dresden: Am Wochenende bleibt es frostig

Minusgrade und Sonnenschein - der Winter zeigt sich in der Landeshauptstadt von der schönsten Seite. Warum der Winterdienst trotzdem keine Pause macht.

Von Henry Berndt & Nora Domschke & Peter Hilbert & Julia Vollmer & Daniel Krüger & Christoph Springer
 17 Min.
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Knackig kalt, Sonnenschein, wenig Neuschnee - so soll das Wetter am Wochenende in Dresden werden.
Knackig kalt, Sonnenschein, wenig Neuschnee - so soll das Wetter am Wochenende in Dresden werden. © Sven Ellger

Dresden. Der Frost hat Dresden weiter fest im Griff - und daran soll sich auch am Wochenende nichts ändern. Zwar fiel zuletzt nur sehr wenig Neuschnee, doch der Winterdienst hat mit Blick auf den Schul- und Kita-Start am Montag weiter gut zu tun. Das knackig kalte Wetter lockt aber auch Hartgesottene zu besonderen Erlebnissen.

Update, 12. Februar, 9 Uhr: In der Nacht zum Freitag gab es keine große Wetteränderung – knackiger Frost, kaum Verwehungen, ein wenig Neuschnee. Allerdings hatten die Prognosen für das Stadtgebiet weiteren Schneefall vorhergesagt, sodass der Winterdienst am Freitagmorgen bereits seit 2 Uhr mit voller Besetzung im Einsatz ist.

53 Mitarbeiter sind mit 45 Fahrzeugen unterwegs. Sie streuten wieder zuerst im Hauptstreckennetz, konzentrierten sich dabei auf die Höhenlagen, Bergstraßen, Buslinien und Brücken. Inzwischen arbeiten sie weiter im Nebenstreckennetz, wo immer noch geräumt und gestreut wird.

Tagsüber bleibt es frostig, wenn auch am Freitag und Sonnabend die Sonne durchkommt. Der Winterdienst plant zum Ende der Woche Einsätze bis 21 Uhr. Auch am Wochenende wird er mit Blick auf die Wetterentwicklung weiter arbeiten.

Ziel ist es, die Straßen im Nebennetz zu beräumen, damit Müllfahrzeuge, Rettungsdienste und Lieferanten freie Fahrt haben. Ab Montag wird es auch aufgrund der Schul- und Kita-Öffnung wieder voller sein auf den Dresdner Straßen.

Update, 10. Februar, 9 Uhr: Weil in der Nacht zum Mittwoch nur sehr wenig Neuschnee gefallen ist, musste der Winterdienst am Morgen nur dafür sorgen, dass glatte Straßen abgestumpft werden. Es gebe kaum noch Schneeverwehungen, "die Arbeiten gingen gut voran", meldet die Stadtverwaltung. "Der Berufsverkehr rollt auf den wichtigsten Verkehrsadern der Stadt." Jetzt haben die 53 Mitarbeiter einen neuen Auftrag bekommen. Mit ihren 45 Fahrzeugen sollen sie ab sofort im sogenannten Nebennetz dafür sorgen, dass die Straßen besser befahren werden können. Dabei handelt es sich um etwa die Hälfte des rund 1.500 Kilometer langen Dresdner Straßennetzes.

Tagsüber bleibt es bei Frost, in der nächsten Nacht könnte es sogar noch kälter werden. Minus 15 Grad prognostiziert der Deutsche Wetterdienst (DWD).

Das Winterwetter sorgt nicht nur für viel Arbeit auf den Straßen, es lockt auch zu sehr speziellen Vergnügungen ins Freie. Den See der Kiesgrube Leuben bedeckt eine Eisschicht. Doch nicht überall ist sie komplett geschlossen. Eisbader haben sich einen Zugang zum Wasser verschafft. Mattes Brähmig ist einer von ihnen. Der 35-jährige ist Extremsportler und hat unter anderem bereits in Großbritannien an Rennen teilgenommen, bei denen brennende Hindernisse überwunden werden, durch Matsch gerobbt und in Eiswasser geschwommen wird. "Leider finden auf Grund der aktuellen Coronalage keine Wettkämpfe statt, ich wäre jetzt wieder nach England zum Tough Guy Race geflogen“ erzählt der 35-jährige. „Nun heißt es die Motivation hochhalten, das ist nicht immer leicht. Ich trainiere bis zu zehn Stunden die Woche, dazu zählen Ausdauertraining, Kraftsport und eben auch Baden gehen.“ Am Dienstagmittag ist der ehrenamtliche Sanitäter Baden gegangen. Für kurze Zeit im eiskalten Wasser.

"Der erste Schritt kostet immer Überwindung", sagt Mattes Brähmig.
"Der erste Schritt kostet immer Überwindung", sagt Mattes Brähmig. © Tino Plunert

Neuschnee zum Wochenbeginn

Heizung hochdrehen, Schnee schippen, am Auto die Scheiben freikratzen und auf mehr Zeit für alle Wege einstellen: Der Dienstag fing in Dresden an, wie der Montag aufgehört hat. In der Nacht ist wieder Schnee gefallen, auch am Morgen schneite es in Teilen der Stadt. Doch es war längst nicht soviel wie am Montagmorgen.

Trotzdem war der Winterdienst bereits seit 3 Uhr im Einsatz, teilte die Stadtverwaltung mit. Minus fünf bis minus neun Grad meldete das Rathaus in Dresden. Ursache für den strengen Frost seien stabile Tiefs mit Luft aus dem Osten und kalter Polarluft. So soll es auch in den nächsten Tagen bleiben.

DVB schalten Anzeigen aus - Fahrplan außer Kraft

Der Winterdienst arbeitete mit voller Besetzung - 54 Arbeitskräfte sind mit 45 Fahrzeugen unterwegs. Schwerpunkte seien noch einige Verwehungen in den Höhenlagen, Gefällestrecken, Buslinien und Brücken. Laut Plan sollen die Räumfahrzeuge im Laufe des Tages auch auf Nebenstraßen auftauchen.

Die Busse und Bahnen waren am Montag - anders als in Leipzig - zu jeder Zeit unterwegs. Allerdings war der Fahrplan nicht einzuhalten. Auch an diesem Dienstag rollt der Linienverkehr, so die DVB.

Der Fahrplan war vorerst weiter außer Kraft, die Anzeigen an den Haltestellen blieben deshalb am Morgen ausgeschaltet, teilte das Nahverkehrsunternehmen mit. Kurz vor 10 Uhr gingen sie dann in Betrieb.

Die DVB hatten in der Nacht vorgesorgt. Unter anderem waren zwei Schneepflüge im Konvoi unterwegs, um den Schnee von den Gleisen auf die Straßen und danach an die Straßenränder zu schieben.

Auch die Schneepflug-Straßenbahn haben die Verkehrsbetriebe eingesetzt.

Zwei Schneepflüge waren in der Nacht zum Dienstag unter anderem auf der Bürgerstraße in Pieschen im Einsatz, um die Straßenbahngleise freizuschieben.
Zwei Schneepflüge waren in der Nacht zum Dienstag unter anderem auf der Bürgerstraße in Pieschen im Einsatz, um die Straßenbahngleise freizuschieben. © DVB

Behinderungen auf A4 und A17 - Autobahnen weiter glatt

Auf den Straßen war es vielerorts weiter gefährlich glatt. Auf der A4 Richtung Chemnitz blockierten am Dienstagmorgen nahe der Raststätte Dresdner Tor mehrere defekte Laster den rechten Fahrstreifen, meldete die Polizei.

In gleicher Fahrtrichtung staute es sich weiterhin zwischen der Ausfahrt Dresden-Altstadt und dem Dreieck Nossen. Grund waren unter anderem zwei Unfälle auf dem rechten und dem mittleren Fahrstreifen. Auch auf der A17 Prag Richtung Dresden staute es sich zwischen der Ausfahrt Dresden-Südvorstadt und dem Dreieck Dresden-West.

In der Uniklinik mussten Patienten nach Stürzen aufgrund des Wetters behandelt werden. Unter anderem meldete das Klinikum Stürze, bedingt durch Glatteis, Handfrakturen und Prellungen des Oberschenkels sowie eine Sprunggelenksfraktur. Zwei Menschen erlitten ein Schädelhirntrauma. In Summe mussten in den letzten Tagen nach Stürzen auch fünf Patienten stationär aufgenommen werden.

Zirkuszelte in Gefahr - Feuerwehrchef mahnt

Jetzt wächst die Gefahr, dass Schneelasten für Dächer zu hoch werden, dass der Schnee abrutscht oder sich schwere Eiszapfen bilden und dann zu Boden fallen. Die Landesdirektion Sachsen warnt davor, ungesichert Schnee von Dächern zu beseitigen.

Verdeckte Fenster könnten dabei besonders gefährlich sein. Wird der Schnee am Dachrand nach unten geworfen, droht die Gefahr, dabei abzurutschen. Wer solche Arbeiten auf einem Dach verrichtet, sollte sich immer sichern, so die Verantwortlichen der Landesdirektion.

Die Feuerwehr kann zwar helfen, ist dazu aber nicht verpflichtet. Das gilt sowohl für Schneelasten als auch für Eiszapfen. "Die Eigentümer*innen der jeweiligen Gebäude sind für die Sicherung des Objektes zuständig", sagt Feuerwehrchef Andreas Rümpel.

Sie könnten Firmen beauftragen, die dann die Gefahr beseitigen. "In Ausnahmefällen kann die Feuerwehr als Ersatzvornahme kostenpflichtig die Beseitigung derartiger Gefahren übernehmen."

Das heißt, erledigt die Feuerwehr solche Aufträge, dann gibt es dafür eine Rechnung. Ohnehin sei das nur dann machbar, wenn die Einsatzbereitschaft im Stadtgebiet davon nicht beeinträchtig wird, erklärt Rümpel. Die Entscheidung treffe die Leitstelle oder der Einsatzleiter vor Ort.