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Dresden: Am Wochenende bleibt es frostig

Minusgrade und Sonnenschein - der Winter zeigt sich in der Landeshauptstadt von der schönsten Seite. Warum der Winterdienst trotzdem keine Pause macht.

Knackig kalt, Sonnenschein, wenig Neuschnee - so soll das Wetter am Wochenende in Dresden werden.
Knackig kalt, Sonnenschein, wenig Neuschnee - so soll das Wetter am Wochenende in Dresden werden. © Sven Ellger

Dresden. Der Frost hat Dresden weiter fest im Griff - und daran soll sich auch am Wochenende nichts ändern. Zwar fiel zuletzt nur sehr wenig Neuschnee, doch der Winterdienst hat mit Blick auf den Schul- und Kita-Start am Montag weiter gut zu tun. Das knackig kalte Wetter lockt aber auch Hartgesottene zu besonderen Erlebnissen.

Update, 12. Februar, 9 Uhr: In der Nacht zum Freitag gab es keine große Wetteränderung – knackiger Frost, kaum Verwehungen, ein wenig Neuschnee. Allerdings hatten die Prognosen für das Stadtgebiet weiteren Schneefall vorhergesagt, sodass der Winterdienst am Freitagmorgen bereits seit 2 Uhr mit voller Besetzung im Einsatz ist.

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HOLDER aus Dresden sucht ab sofort Mitarbeiter im Telefon- und Innendienstvertrieb (m/w/d).

53 Mitarbeiter sind mit 45 Fahrzeugen unterwegs. Sie streuten wieder zuerst im Hauptstreckennetz, konzentrierten sich dabei auf die Höhenlagen, Bergstraßen, Buslinien und Brücken. Inzwischen arbeiten sie weiter im Nebenstreckennetz, wo immer noch geräumt und gestreut wird.

Tagsüber bleibt es frostig, wenn auch am Freitag und Sonnabend die Sonne durchkommt. Der Winterdienst plant zum Ende der Woche Einsätze bis 21 Uhr. Auch am Wochenende wird er mit Blick auf die Wetterentwicklung weiter arbeiten.

Ziel ist es, die Straßen im Nebennetz zu beräumen, damit Müllfahrzeuge, Rettungsdienste und Lieferanten freie Fahrt haben. Ab Montag wird es auch aufgrund der Schul- und Kita-Öffnung wieder voller sein auf den Dresdner Straßen.

Update, 10. Februar, 9 Uhr: Weil in der Nacht zum Mittwoch nur sehr wenig Neuschnee gefallen ist, musste der Winterdienst am Morgen nur dafür sorgen, dass glatte Straßen abgestumpft werden. Es gebe kaum noch Schneeverwehungen, "die Arbeiten gingen gut voran", meldet die Stadtverwaltung. "Der Berufsverkehr rollt auf den wichtigsten Verkehrsadern der Stadt." Jetzt haben die 53 Mitarbeiter einen neuen Auftrag bekommen. Mit ihren 45 Fahrzeugen sollen sie ab sofort im sogenannten Nebennetz dafür sorgen, dass die Straßen besser befahren werden können. Dabei handelt es sich um etwa die Hälfte des rund 1.500 Kilometer langen Dresdner Straßennetzes.

Tagsüber bleibt es bei Frost, in der nächsten Nacht könnte es sogar noch kälter werden. Minus 15 Grad prognostiziert der Deutsche Wetterdienst (DWD).

Das Winterwetter sorgt nicht nur für viel Arbeit auf den Straßen, es lockt auch zu sehr speziellen Vergnügungen ins Freie. Den See der Kiesgrube Leuben bedeckt eine Eisschicht. Doch nicht überall ist sie komplett geschlossen. Eisbader haben sich einen Zugang zum Wasser verschafft. Mattes Brähmig ist einer von ihnen. Der 35-jährige ist Extremsportler und hat unter anderem bereits in Großbritannien an Rennen teilgenommen, bei denen brennende Hindernisse überwunden werden, durch Matsch gerobbt und in Eiswasser geschwommen wird. "Leider finden auf Grund der aktuellen Coronalage keine Wettkämpfe statt, ich wäre jetzt wieder nach England zum Tough Guy Race geflogen“ erzählt der 35-jährige. „Nun heißt es die Motivation hochhalten, das ist nicht immer leicht. Ich trainiere bis zu zehn Stunden die Woche, dazu zählen Ausdauertraining, Kraftsport und eben auch Baden gehen.“ Am Dienstagmittag ist der ehrenamtliche Sanitäter Baden gegangen. Für kurze Zeit im eiskalten Wasser.

"Der erste Schritt kostet immer Überwindung", sagt Mattes Brähmig.
"Der erste Schritt kostet immer Überwindung", sagt Mattes Brähmig. © Tino Plunert

Neuschnee zum Wochenbeginn

Heizung hochdrehen, Schnee schippen, am Auto die Scheiben freikratzen und auf mehr Zeit für alle Wege einstellen: Der Dienstag fing in Dresden an, wie der Montag aufgehört hat. In der Nacht ist wieder Schnee gefallen, auch am Morgen schneite es in Teilen der Stadt. Doch es war längst nicht soviel wie am Montagmorgen.

Trotzdem war der Winterdienst bereits seit 3 Uhr im Einsatz, teilte die Stadtverwaltung mit. Minus fünf bis minus neun Grad meldete das Rathaus in Dresden. Ursache für den strengen Frost seien stabile Tiefs mit Luft aus dem Osten und kalter Polarluft. So soll es auch in den nächsten Tagen bleiben.

DVB schalten Anzeigen aus - Fahrplan außer Kraft

Der Winterdienst arbeitete mit voller Besetzung - 54 Arbeitskräfte sind mit 45 Fahrzeugen unterwegs. Schwerpunkte seien noch einige Verwehungen in den Höhenlagen, Gefällestrecken, Buslinien und Brücken. Laut Plan sollen die Räumfahrzeuge im Laufe des Tages auch auf Nebenstraßen auftauchen.

Die Busse und Bahnen waren am Montag - anders als in Leipzig - zu jeder Zeit unterwegs. Allerdings war der Fahrplan nicht einzuhalten. Auch an diesem Dienstag rollt der Linienverkehr, so die DVB.

Der Fahrplan war vorerst weiter außer Kraft, die Anzeigen an den Haltestellen blieben deshalb am Morgen ausgeschaltet, teilte das Nahverkehrsunternehmen mit. Kurz vor 10 Uhr gingen sie dann in Betrieb.

Die DVB hatten in der Nacht vorgesorgt. Unter anderem waren zwei Schneepflüge im Konvoi unterwegs, um den Schnee von den Gleisen auf die Straßen und danach an die Straßenränder zu schieben.

Auch die Schneepflug-Straßenbahn haben die Verkehrsbetriebe eingesetzt.

Zwei Schneepflüge waren in der Nacht zum Dienstag unter anderem auf der Bürgerstraße in Pieschen im Einsatz, um die Straßenbahngleise freizuschieben.
Zwei Schneepflüge waren in der Nacht zum Dienstag unter anderem auf der Bürgerstraße in Pieschen im Einsatz, um die Straßenbahngleise freizuschieben. © DVB

Behinderungen auf A4 und A17 - Autobahnen weiter glatt

Auf den Straßen war es vielerorts weiter gefährlich glatt. Auf der A4 Richtung Chemnitz blockierten am Dienstagmorgen nahe der Raststätte Dresdner Tor mehrere defekte Laster den rechten Fahrstreifen, meldete die Polizei.

In gleicher Fahrtrichtung staute es sich weiterhin zwischen der Ausfahrt Dresden-Altstadt und dem Dreieck Nossen. Grund waren unter anderem zwei Unfälle auf dem rechten und dem mittleren Fahrstreifen. Auch auf der A17 Prag Richtung Dresden staute es sich zwischen der Ausfahrt Dresden-Südvorstadt und dem Dreieck Dresden-West.

In der Uniklinik mussten Patienten nach Stürzen aufgrund des Wetters behandelt werden. Unter anderem meldete das Klinikum Stürze, bedingt durch Glatteis, Handfrakturen und Prellungen des Oberschenkels sowie eine Sprunggelenksfraktur. Zwei Menschen erlitten ein Schädelhirntrauma. In Summe mussten in den letzten Tagen nach Stürzen auch fünf Patienten stationär aufgenommen werden.

Zirkuszelte in Gefahr - Feuerwehrchef mahnt

Jetzt wächst die Gefahr, dass Schneelasten für Dächer zu hoch werden, dass der Schnee abrutscht oder sich schwere Eiszapfen bilden und dann zu Boden fallen. Die Landesdirektion Sachsen warnt davor, ungesichert Schnee von Dächern zu beseitigen.

Verdeckte Fenster könnten dabei besonders gefährlich sein. Wird der Schnee am Dachrand nach unten geworfen, droht die Gefahr, dabei abzurutschen. Wer solche Arbeiten auf einem Dach verrichtet, sollte sich immer sichern, so die Verantwortlichen der Landesdirektion.

Die Feuerwehr kann zwar helfen, ist dazu aber nicht verpflichtet. Das gilt sowohl für Schneelasten als auch für Eiszapfen. "Die Eigentümer*innen der jeweiligen Gebäude sind für die Sicherung des Objektes zuständig", sagt Feuerwehrchef Andreas Rümpel.

Sie könnten Firmen beauftragen, die dann die Gefahr beseitigen. "In Ausnahmefällen kann die Feuerwehr als Ersatzvornahme kostenpflichtig die Beseitigung derartiger Gefahren übernehmen."

Das heißt, erledigt die Feuerwehr solche Aufträge, dann gibt es dafür eine Rechnung. Ohnehin sei das nur dann machbar, wenn die Einsatzbereitschaft im Stadtgebiet davon nicht beeinträchtig wird, erklärt Rümpel. Die Entscheidung treffe die Leitstelle oder der Einsatzleiter vor Ort.

André Sarrasani muss teuer heizen

Gegen einen Hilfseinsatz hat sich die Feuerwehr in der Nacht zum Montag entschieden, nachdem sie aufs Gelände des Alberthafens gerufen wurde. Dort war die Schneelast schon in dieser Zeit zu groß für ein Theaterzelt.

Die Besitzer hatten es aufgebaut, um in der Corona-Auftrittspause wenigstens weiter proben zu können. Nachts hielt das Zelt der Last nicht mehr stand, das Dach brach ein.

Die Feuerwehr sollte helfen, den Rest des Schnees vom Dach zu holen. Die Helfer erklärten, dass das nur auf Rechnung möglich ist. Das konnten sich die Zeltbesitzer aber nicht leisten.

Ähnliche Gefahr könnte jetzt André Sarrasani drohen, dessen Chapiteau nahe dem Elbepark aufgebaut ist. Er hat aktuell das große Zirkuszelt und kleinere und flache Zelte stehen. In den kleineren sind Foyer und Küche untergebracht, sie sind komplett eingerichtet und einsatzfähig.

Im großen Zelt sind nur Fußboden und Bühne. Das große Zelt hat eine Steigung, dadurch rutscht einiges vom Schnee von alleine runter. Die kleineren sind problematischer, da flach.

"Ich sage immer, ab zehn Zentimeter Schnee muss man was tun, weil sonst die Last zu schwer werden kann. Wenn dann zusätzlich schlagartig 20 bis 30 Zentimeter dazukommen, wird es sonst schwierig." Es gibt zwei Methoden gegen den Schnee. Man kann ihn mit Wasser runterspülen.

Allerdings besteht dann die Gefahr, dass es friert - "dann haste nichts gewonnen." Also heizt André Sarrasani, obwohl er ohne Schnee derzeit nicht heizen würde.

"Wir müssen darauf achten, dass kein Schnee auf den Zelten liegenbleibt." Wenn Schnee angesagt ist, heizt er 24 Stunden durch. Dadurch taut alles und läuft herunter, deshalb sind die Zelte jetzt ziemlich frei von Schnee.

Früher sei das normal gewesen, weil es einfach häufiger geschneit hat. Jetzt sind zwar keine Leute in den Zelten, aber das Material sei teuer und müsse geschützt werden.

Am Montag wurde die Feuerwehr angefordert, weil große Eiszapfen auf den Eingangsbereich und die Zufahrt eines Hauses an der Zirkusstraße zu fallen drohten. Dem Betreiber eines Unternehmens sei es nicht gelungen, eine Fachfirma zu beauftragen, weil diese keine Zeit dafür hatte.

Die Feuerwehr übernahm den Auftrag schließlich. Auch als am Sonntag ein Schneebrett vom Dach eines Hauses auf die Rugestraße zu stürzen drohte, half die Feuerwehr und trug den Schnee von dem Dach ab.

Doch auch für diese Art der "Lawinengefahr" seien grundsätzlich die Eigentümer der Gebäude zuständig, sagt Andreas Rümpel. Die Dresdner sollten sich gegenseitig unterstützen, Hinweisschilder aufstellen, Gefahrenbereiche absperren und die Nachbarn informieren.

Und er empfiehlt: "Beim Bewegen im Freien sollte man achtsam sein und auch mal einen Blick nach oben richten."

Chaos zum Wochenstart am Montag

Der Winterdienst war am Montag seit dem sehr frühen Morgen im Einsatz, teilte die Stadt mit. Die Wetterdienste rechneten unterdessen mit einer Neuschnee-Pause.

In der Nacht zum Montag hatte es weiter geschneit, auch am Montagmorgen fiel ununterbrochen Schnee. Der Winterdienst war seit 4 Uhr im Einsatz, berichtete die Pressestelle der Stadt. Er sollte bis 23 Uhr im Dienst sein, hieß es weiter.

Am Dienstag sollte es demnach bereits um 3 Uhr Nachts losgehen, um die Lage unter Kontrolle zu halten. 53 Arbeitskräfte seien mit 45 Räum- und Streufahrzeugen im Hauptstreckennetz unterwegs - mehr Arbeiter und Maschinen seien nicht verfügbar.

Mehr Winterdienst geht nicht

Für die Stadt gilt dabei die Regelung in Paragraph 51 des Sächsischen Straßengesetzes. Demnach ist sie verpflichtet "entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit" öffentliche Straßen und Wege vom Schnee zu beräumen und bei Glätte zu streuen.

"Die Bereitstellung und Bindung von Mitarbeitern und Einsatzfahrzeugen wurde auf Basis der zu fahrenden Touren und Streckennetzlängen ausgeschrieben und vertraglich gebunden", sagte Simone Prüfer, die Leiterin des Straßen- und Tiefbauamtes. Die eingeplanten Kapazitäten hätten sich in den letzten Jahren so bewährt.

Das Streckennetz des Winterdienstes umfasst rund 750 Kilometer. Das ist etwa die Hälfte des Dresdner Straßennetzes. "In Extremsituationen wie heute arbeiten sowohl der städtische Regiebetrieb Zentrale Technische Dienstleistungen als auch alle externen Dienstleister an ihrer Kapazitätsgrenze", sagte Simone Prüfer.

Problematisch sei gewesen, dass der Großteil des Schnees erst in der zweiten Nachthälfte zum Montag fiel. "Der Winterdienst ist seit 2 Uhr heute morgen im Einsatz", berichtigte die Amtsleiterin die 4-Uhr-Angabe der Stadt aus der Winterdienst-Pressemitteilung vom Vormittag.

Bereits in den vergangenen Tagen seien die Einsatzzeiten ausgeweitet worden. Demnach starteten die Mitarbeiter zum Beispiel am Sonntag bereits um 2 Uhr nachts und fuhren bis 23 Uhr.

Geholfen hatte der Einsatz nicht überall. Selbst ein Fahrzeug des Winterdienstes ist am Montagvormittag steckengeblieben. In Gompitz ging es vorübergehend nicht weiter. "Das Fahrzeug wurde aber schnell wieder befreit", berichtete Simone Prüfer.

Die Dresdner Verkehrsbetriebe meldeten am Morgen Probleme auf den Busstrecken in den Höhenlagen. Beispiel Linie 61: Zwischen kurz nach 6 Uhr und bis 10.30 Uhr kam die Linie 61 nicht mehr von Bühlau zum Fernsehturm durch.

Glätte auf der Quohrener Straße und Schneeverwehungen auf der Strecke zwischen Gönnsdorf und Pappritz behinderten den Linienverkehr. "Aber wir versuchen noch, alles zu bedienen", sagt Sprecher Falk Lösch.

Allerdings sei der Fahrplan nicht mehr zu halten. Das sei auch an den Haltestellenanzeigen zu lesen. "Besondere Schwierigkeiten haben wir mit Hindernissen auf den Schienen und zugefahrenen Weichen."

Das galt zum Beispiel für einen Laster, der auf der Großenhainer Straße zwischen der Liststraße und dem Bahnhof Neustadt ins abgetrennte Gleisbett gefahren war. "Das dauert dort noch eine Weile, weil für die Bergung ein Kran gebraucht wird", berichtet der DVB-Sprecher. Er behielt Recht, erst am Nachmittag gegen 15 Uhr war die Strecke wieder frei.

Ein festgefahrener LKW blockiert am Montagmorgen die Haltestelle der Linie 3 an der Lößnitzstraße nahe dem Bahnhof Neustadt.
Ein festgefahrener LKW blockiert am Montagmorgen die Haltestelle der Linie 3 an der Lößnitzstraße nahe dem Bahnhof Neustadt. © Tino Plunert

Verkehrsbetriebe planen Notvariante

Keine Weichenheizung könne bei den aktuellen Mengen noch verhindern, dass Schneemehl in Schienen Weichen blockiere, sagte Lösch.

In der Innenstadt hatten die Straßenbahnen gegen 10.30 Uhr genau dieses Problem. Ein Bahnfahrer versuchte, minutenlang vergeblich, eine Weiche an der Wallstraße zum Dr.-Külz-Ring manuell zu bewegen. Mehrere Straßenbahnen bildeten daraufhin eine Warteschlange.

Anders als in Leipzig, wo die Verkehrsbetriebe inzwischen wegen des Winterwetters kapituliert haben und kaum noch etwas fährt, werde das Netz in Dresden noch komplett bedient, sagte Lösch.

Das kann sich allerdings ändern. Die DVB planen für diesen Fall, wenigstens eine stabile Nord-Süd-Verbindung und eine Ost-West-Verbindung abzusichern. Außerdem wollen die DVB in der Nacht zum Dienstag mit zwei Fahrzeugen Schnee von den Gleisen räumen. Der soll zu erst von den Schienen auf die Straße und gleich danach auf der Straße an den Rand geschoben werden. Der Einsatz beginnt laut Plan am Montagabend um 21.30 Uhr.

Positive Nachrichten gab es für den Winterdienst von den Meteorologen. Es bleibt zwar den gesamten Montag bei knackigem Frost, aber wie prognostiziert hörte es am Vormittag auf, zu schneien.

Der nächste Neuschnee kommt in der Nacht zum Dienstag und am Dienstagmorgen, melden der Deutsche Wetterdienst und kachelmannwetter.de.

Chaos auf Dresdens Straßen - zahlreiche Unfälle

Das Wetter machte auch vielen Autofahrern Probleme. Bis zum späten Vormittag registrierte die Polizeidirektion Dresden 37 Unfälle, drei Menschen wurden verletzt. Auf der A4 in Richtung Chemnitz standen mehrere LKWs quer, die Fahrbahn zwischen der Ausfahrt Dresden-Altstadt und dem Dreieck Dresden-West war deshalb auf einen Fahrstreifen verengt.

Auf der B173 in Cotta stadtauswärts zwischen der Gorbitzer Straße und der Reuningstraße blockierten ebenfalls mehrere querstehende LKW den Verkehr. Die Polizei warnte vor glatten Straßen und Schneeverwehungen in Dresden. Auch werde kontrolliert, ob Fahrer die Winterreifen aufgezogen und ihr Auto enteist haben, hieß es.

Prellungen und Knochenbrüche

Selbst Fußgänger hatten Probleme. "Seit Samstag früh mussten wir zehn bis 15 Verletzte nach Stürzen und Unfällen behandeln", so Sabine Hunger, Sprecherin im städtischen Klinikum.

Behandelt wurden Prellungen nach Sturz auf Rücken, Gesäß und Hinterkopf, sowie vereinzelte Frakturen an den Armen und verdrehte Kniegelenke. Zuletzt habe die Zahl der Unfälle und Stürze zugenommen, aber nur in sehr geringem Ausmaß, so Hunger.

Gefahr drohte nicht nur auf den glatten und verschneiten Straßen. Auch auf den Dächern wird der Neuschnee jetzt gefährlich. Am späten Sonntagnachmittag drohte ein etwa acht Meter breites Schneebrett vom Dach eines Hauses an der Rugestraße (Südvorstadt) zu rutschen.

Der Hauseigentümer war nicht zu erreichen, deshalb rückte die Feuerwehr an. Vor dem Einsatz mussten die Helfer erst einmal streuen, damit ihr Fahrzeug nicht wegrutschen konnte. Dann brachten sie eine Drehleiter in Stellung, kletterten nach oben und schoben den Schnee Stück für Stück von dem Dach.

Seinem Prozess gerade so entkommen: Ein Angeklagter stürzt in der Schleuse zum Gerichtssaal in Dresden und wird vom Rettungswagen abtransportiert.
Seinem Prozess gerade so entkommen: Ein Angeklagter stürzt in der Schleuse zum Gerichtssaal in Dresden und wird vom Rettungswagen abtransportiert. © Alexander Schneider

Der Schnee hat in Dresden auch einen Gerichtsprozess platzen lassen. Ein Angeklagter, der sich am Montag im Amtsgericht an der Lothringer Straße verantworten sollte, stürzte in der Schleuse zum Gerichtssaal. Er musste mit einem Krankenwagen abgeholt und in eine Klinik gebracht werden.

So sind Kraftwerke präpariert

Die sechs Dresdner Kraftwerke der SachenEnergie sind gut vorbereitet, um den Dresdner bei der starken Kälte ordentlich einzuheizen. Am Montag lag die Höchstleistung bei 656 Megawatt (MW), teilte Sprecherin Viola Martin-Mönnich mit.

Das sind 68 MW mehr als der bisherige Jahresrekord. In den nächsten beiden Tagen soll die Temperaturen bis auf minus 14 Grad sinken. Erwartet wird, dass die Kraftwerke dann auf eine Leistung von bis zu 700 MW hochgefahren werden müssen.

Ein ähnlicher Wert wurde letztmalig am 28. Februar 2018 mit 693 MW bei minus 13 Grad erreicht, erläutert die Sprecherin. Vor Probleme stellt das die Dresdner Kraftwerke aber nicht. Sie haben eine Gesamtkapazität von 812 MW.

Trotz der eisigen Kälte funktionieren die Anlagen und Leitungsnetze störungsfrei. Auch bei der Trinkwasser-Aufbereitung und der Verteilung im über 2.400 Kilometer langen Leitungsnetz gibt es keinerlei Probleme, so die Sprecherin.

Trotz des derzeitigen Hochwassers können die an der Elbe liegenden Grundwasserwerke Tolkewitz und Hosterwitz weiter reibungslos arbeiten.

Wetterchaos blieb Dresden am Wochenende erspart

Mit Schneehöhen zwischen 10 und 15 Zentimetern war in der Nacht zum Sonntag der Winter nach Dresden zurückgekehrt – und wird so schnell nicht wieder weichen. Das befürchtete Chaos samt Schneestürmen und Eisregen, das andere Städte in Deutschland teilweise lahmlegte, blieb Dresden jedoch erspart.

Trotz Temperaturen um die minus 5 Grad Celsius und eines eisigen Windes machten sich schon am Sonntagvormittag zahlreiche Familien samt Schlitten zu den Rodelhängen auf, die sich im Hinblick auf die aktuell geltenden Corona-Bedingungen teilweise erneut grenzwertig füllten.

Statt auf Hochwasser zu schauen, war am Sonntag an der Elbe Schlittenfahren angesagt.
Statt auf Hochwasser zu schauen, war am Sonntag an der Elbe Schlittenfahren angesagt. © Christian Juppe

Seit dem frühen Sonntagmorgen wurde auf den Fußwegen fleißig geräumt und gestreut. Für Schneemänner in den Vorgärten und ausgiebige Schneeballschlachten war der Schnee allerdings bis auf Weiteres zu pulverig.

Auf dem Hang an der Kaufbacher Straße in Naußlitz versuchten sich dennoch einige Kinder im Bau eines Iglus, bis sie schließlich aufgaben und doch lieber kreischend ihr Po-Rutscher-Rennen fortsetzten.

In höher gelegenen Teilen der Stadt kam es zu beeindruckenden Schneeverwehungen. Vereinzelt fiel dabei auf, dass der Schnee auch in Dresden leicht orange oder rötlich schimmerte. Ein Gruß aus der Sahara.

Der Wind brachte den Wüstenstaub bis nach Sachsen, wobei das Phänomen in Süddeutschland noch weitaus deutlicher zu erleben war.

Auf den Straßen wurden unterdessen nur kleinere Behinderungen und Glätteunfälle in nicht ungewöhnlicher Zahl registriert, die wie Polizei mitteilte. „Die Menschen haben sich inzwischen offenbar auf die winterlichen Verhältnisse eingestellt und lassen das Auto lieber stehen“, sagte ein Polizeisprecher.

Beeindruckende Schneeverwehungen am Sonntagmorgen in Weißig.
Beeindruckende Schneeverwehungen am Sonntagmorgen in Weißig. © Kay Haufe

Seit Sonntag 4 Uhr war der Winterdienst auf den Straßen unterwegs gewesen. Bis zum Mittag konnten so die meisten größeren Straßen geräumt werden, während es auf vielen Nebenstraßen den ganzen Tag über rutschig und glatt blieb. Teilweise ging es hier nur im Schritttempo vorwärts.

Die Polizei patrouillierte vermehrt und winkte immer wieder Autos an den Straßenrand, die nicht vorschriftsmäßig vom Schnee befreit waren.

Am Terrassenufer half ein Polizist sogar selbst mit dem Besen aus, weil die kleine Fahrerin nicht bis auf ihr Autodach langen konnte.

Am Sonntagmorgen mussten Busse der Linie 66 in Coschütz wegen Glatteises umgeleitet werden. Mittags traf es die dann Linie 8 im Bereich Nürnberger Platz. Nach einer Stunde war auch diese Straße wieder frei. „Ansonsten fuhren alle Busse und Bahnen planmäßig“, sagte eine DVB-Sprecherin auf SZ-Anfrage.

Schneefreude und Schneeleid liegen oft nah beieinander.
Schneefreude und Schneeleid liegen oft nah beieinander. © Christian Juppe

In der Altstadt waren am Sonntag kaum Menschen anzutreffen. Noch am Sonnabend hatten dort zahlreiche Schaulustige den bedrohlich gestiegenen Elbpegel aus der Nähe beobachtet. Ihren vorläufigen Höchststand von 4,61 Meter erreichte die Elbe im Verlaufe des Sonnabends.

Teile des Fahrradweges mussten auf Altstädter Seite in Höhe des Landtages vorübergehend gesperrt werden. In der Nähe des Blauen Wunders schwappte der Fluss stellenweise über den Radweg. Im weiteren Verlauf des Sonnabends sank der Pegel dann zentimeterweise.

Am vergangenen Freitag hatte das Dresdner Umweltamt die Hochwasser-Alarmstufe 1 für die Elbe im Stadtgebiet Dresden ausgerufen, die so lange galt, bis sich der Elbpegel wieder unter die Vier-Meter-Marke zurückgezogen hatte.

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