merken
PLUS Dresden

Dresden: Schulstart mit Testpflicht

Schüler müssen sich nun zweimal wöchentlich auf das Coronavirus testen lassen. Wie das funktioniert und wie Eltern mit der Regelung umgehen.

Dresdner Schüler werden ab sofort zweimal pro Woche getestet.
Dresdner Schüler werden ab sofort zweimal pro Woche getestet. © Symbolfoto: dpa

Dresden. Öffnen sie oder öffnen sie nicht? Dresdens Schüler und ihre Eltern verfolgten auch in den Osterferien die aktuellen Entwicklungen in ihrer Stadt. Als Ende der Woche klar war, dass der Unterricht in den Schulen an diesem Montag wieder losgeht, war bei vielen die Freude und Erleichterung groß, dass nun weiterhin in den Klassenzimmern gelernt werden kann.

Doch auch die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus dürfte angesichts der stetig steigenden Infektionszahlen in Dresden eine Rolle spielen. Um mögliche Infektionen schnell zu erkennen, müssen sich neben den Lehrern und Erziehern nun auch die Schüler zweimal wöchentlich auf das Virus testen lassen.

LandMAXX - Baumärkte und Baustoffzentren
Mitten in Sachsen, ganz nah am Menschen
Mitten in Sachsen, ganz nah am Menschen

LandMAXX ist der freundliche, kreative und innovative Nahversorger für alle, die in Haus, Hof und Garten gern selbst anpacken.

Wie laufen die Tests in den Schulen ab?

Auch in der 103. Grundschule werden nun zusätzlich zum gesamten Schulpersonal auch alle Schüler zweimal wöchentlich getestet. Am Wochenende habe die Schule die nötigen Testkits erhalten, heißt es in einer Info für die Eltern.

Die Tests sind Selbsttests und werden von den Schülern selbstständig unter Anleitung ihrer Klassenlehrer im Klassenzimmer vorgenommen. Die Eltern müssen vorher eine Einwilligungserklärung unterschreiben, in der steht, dass sich ihr Kind selbst in der Schule testen darf. Allerdings können die Familien auch daheim einen Selbsttest bei ihrem Kind machen und dann per Selbstauskunft bestätigen, dass dieser negativ war.

Wie die Tests ablaufen, organisiert jede Dresdner Schule selbst. Während die Einwilligung der Eltern in der 103. Grundschule schon an diesem Montag abgegeben werden musste und auch die Tests schon gemacht wurden, tun Eltern der 95. Grundschule dies erst am Dienstag. Dann wird dort auch zum ersten Mal getestet. Der zweite Test findet am Donnerstag statt. Künftig wird immer montags und donnerstags in der ersten Unterrichtsstunde getestet.

Am Gymnasium Bürgerwiese wird täglich getestet, so Schulleiter Jens Reichel. "Da wir täglich die Gruppen beim Unterricht wechseln, werden die Schüler, die also jeden zweiten Tag kommen, auch bei jedem Schultag getestet", sagt er. Das laufe bislang gut und diszipliniert ab.

Müssen Schüler eine Maske tragen?

Ja, allerdings gelten hier unterschiedliche Regelungen. Während Grundschüler die Mund-Nasen-Bedeckung nur im Schulhaus, also außerhalb ihrer festen Gruppe im Klassenzimmer, aufsetzen müssen, gilt die Maskenpflicht für Schüler ab der 5. Klasse nun auch im Unterricht.

Dürfen Kinder auch daheim lernen?

Ja, denn der Freistaat hat die Schulbesuchspflicht für alle Schulformen ausgesetzt, das heißt, auch Dresdner Schüler können vom Präsenzunterricht abgemeldet werden. Sie begeben sich damit allerdings in die häusliche Lernzeit und müssen den Unterrichtsstoff zuhause erarbeiten.

"Mit einer vollumfänglichen Betreuung der Schülerinnen und Schüler durch Lehrkräfte wie im Präsenzunterricht kann laut Blog des Kultusministeriums allerdings nicht gerechnet werden", teilt Marcello Meschke, Schulleiter vom Bertolt-Brecht-Gymnasium, den Eltern mit. Wie an den anderen weiterführenden Schulen findet der Unterricht dort nach wie vor im Wechselmodell statt.

Jens Reichel vom Gymnasium Bürgerwiese bestätigt indes, dass Familien diese Möglichkeit durchaus nutzen und ihre Kinder abmelden, das halte sich aber in Grenzen. Die Gründe seien verschieden, oft gehe es aber darum, kranke Familienangehörige vor einer Infektion zu schützen. Wenn Eltern ihr Kind nicht testen lassen wollen, kann es ebenfalls daheim lernen.

Wie gehen Dresdner Eltern mit den neuen Regeln um?

Martin Raschke, Chef des Dresdner Elternrates, beobachtet eine zunehmende Zwei-Lager-Bildung bei den Eltern in der Stadt. "Es gibt nur noch Schwarz-Weiß-Denken bei den Familien. Die einen wollen aufgrund der hohen Zahlen Schulschließungen, die anderen kritisieren die Test-und Maskenpflicht", so Raschke. Er selbst findet, zwei Tests pro Woche sind zu wenig. "Um wirklich sicher zu gehen", wünscht er sich tägliche Tests. "Bei zwei Tests pro Woche rutschen dann wieder infizierte Schüler durch", so Raschke. Außerdem seien langfristige Konzepte aus dem Kultusministerium für die Schulen nötig.

Raschkes Beobachtung bestätigt sich, wenn man sich unter den Dresdner Eltern umhört. "Ich schicke mein Kind mit zunehmend schlechtem Gefühl in die Schule, 28 Kinder in einem Raum bei den hohen Zahlen. Aber ich möchte nicht, dass mein Sohn seine Freunde nicht sieht", sagt eine Mama. Ein Vater dagegen sorgt sich, dass die neue Maskenpflicht, die nun auch im Unterricht gilt, gesundheitliche Folgen für seine Tochter haben könnte.

Vor psychischen Folgen will eine Mutter ihren Viertklässler schützen, indem sie ihn zu Hause testet. Dafür hat sie sich im Sanitätshaus Johannstadt Spucktests besorgt, das negative Ergebnis hat sie am Montagmorgen ihrem Sohn per Selbstauskunft mit in die Schule gegeben. Mit einem Stückpreis von knapp acht Euro ist dieser Weg zwar nicht ganz preiswert, für die Mutter aber jeden Cent wert.

"Ich habe vor allem Sorge, dass ein positives Ergebnis bei einem Schnelltest in der Schule für meinen Sohn ein traumatisches Erlebnis sein könnte." Zum einen, weil die Angst vor der Krankheit ja auch bei den Kindern da sei, zum anderen, weil sich die Mitschüler von ihrem Sohn dann distanzieren könnten. Auch später, wenn er wieder in die Klasse zurückkommt.

Was passiert bei einem positiven Schnelltest-Ergebnis?

Fällt ein Schnelltest in der Schule positiv aus, müssen die Eltern das betroffene Kind von der Schule abholen und das Ergebnis von einem Arzt oder in einem Testzentrum durch einen PCR-Test bestätigen lassen. Außerdem muss der Schüler daheim in Quarantäne bleiben. Das gilt zunächst nur für das positiv getestete Kind, nicht für die ganze Klasse. Das Separieren der positiv getesteten Person sei ein ersterer Schritt, um eine Weiterverbreitung des Virus zu unterbinden, erklärt das Dresdner Gesundheitsamt. "Gleichwohl heißt es nicht, dass sich nicht auch Personen aus dem Klassenverband in Quarantäne begeben müssen."

Das Gesundheitsamt prüft in jedem Fall einzeln, welche engen Kontakte das Kind vor Ort hatte. Deshalb wird nicht pauschal für die ganze Klasse Quarantäne angeordnet. Der positive Fall wird von der Schule an das Gesundheitsamt gemeldet, dann werden weitere Schutzmaßnahmen, wie Abstände, Lüftung und das Tragen eines
Mund-Nasen-Schutzes abgestimmt und außerdem festgelegt, wer noch in Quarantäne muss.

Um diesen Personenkreis möglichst klein zu halten, habe das Kultusministerium die Testungen am Beginn des Schultages vorgesehen, also noch bevor die Kinder sich längere Zeit gemeinsam im Klassenzimmer aufhalten.

Wie viele Schulen und Horte sind zum Schulstart von Infektionen betroffen?

Die Ferien haben geholfen, das Infektionsgeschehen in den Dresdner Horten und Schulen zurückzudrängen. Vor den Ferien befanden sich noch etwa 1.000 Kinder, Lehrer und Erzieher in Quarantäne, weil sie selbst infiziert waren oder engen Kontakt zu einem Infizierten hatten. Mit Stand vom Montagmittag galt nur noch für 112 Personen eine Quarantäne-Anordnung, teilte das Gesundheitsamt mit. Acht Horte und eine Schule sind aktuell von Corona-Infektionen betroffen.

Allerdings muss man damit rechnen, dass nun wieder vermehrt Infektionen in die Einrichtungen getragen werden. Denn in den zwei Ferienwochen konnte die Infektionswelle nicht in allen Altersgruppen gleichmäßig stark gestoppt werden. Das betrifft insbesondere Teenager und Jugendliche, die Oberschulen und Gymnasien besuchen. Bei den 17-Jährigen zum Beispiel lag die Inzidenz vor Ostern schon bei 216 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, für die vergangenen Woche gibt das Robert-Koch-Institut den Wert mit 240 an.

Bei den Grundschülern war dagegen größtenteils ein Rückgang bei den Infektionszahlen festzustellen - bei den Sechsjährigen etwa von 320 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner auf 71 in der zweiten Osterferien-Woche.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden