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Den Schulalltag meistern - mit einer App aus Dresden

Viele Eltern haben dieses Jahr den Schulstress der Kinder live mitbekommen. Die Dresdner App Scoolio verschafft Abhilfe - und ermittelt sogar den passenden Beruf.

Danny Roller, Gründer und CEO der Schul-App "Scoolio" aus Dresden.
Danny Roller, Gründer und CEO der Schul-App "Scoolio" aus Dresden. © Christian Juppe

Dresden. Danny Roller hat große Visionen. Vor fünf Jahren lag der Dresdner sonntagmorgens im Bett und dachte: "Wir brauchen eine Schülerapp!" Die hat er inzwischen längst entwickelt, rund jeder achte Schüler in Deutschland nutzt sie bereits. Nicht genug, findet der 33-Jährige. "In Europa gibt es 42 Millionen Schüler. Jeder einzelne von ihnen soll unsere App nutzen."

Bislang ist er auf einem guten Weg. Seine App "Scoolio" wurde Anfang Dezember von Huawei zur "besten App Europas" gekürt, vor allem für das Wachstumspotential und die Idee hinter der App.

Und die lautet so: Schüler sollen ihren ganzen Schulalltag in einer App organisieren können, von Stunden- und Vertretungsplänen über Erinnerungen an die Hausaufgaben bis zur Übersicht über die eigenen Noten. Außerdem können sie über die Chatfunktion miteinander schreiben, neue Freunde finden oder die eigene Klasse besser kennenlernen - und das in einem geschützten, abgegrenzten Raum.

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"Wir haben uns mal einen Klassenchat von Schülern auf WhatsApp angeschaut. Da kamen 120 Nachrichten pro Tag, total ungefiltert, Bilder neben Fragen zu Hausaufgaben", sagt Roller. Seine App gebe den Schülern eine Struktur vor, ein Ordnungssystem, in das Schüler zielgerichtet Informationen speichern können.

Neue Features für die Coronazeit

Soweit der Grundgedanke der App, doch inzwischen ist Roller mit seinem 18-köpfigen Team schon viel weiter. In diesem Jahr ist ein "digitaler Schulhof" dazugekommen, eine Tausch- und Verkaufsbörse zwischen Schülern. Jedes einzelne Angebot wird von der Software - oder im Zweifelsfall von einem Mitarbeiter - vor der Veröffentlichung geprüft. Besonders beliebt sind Nachhilfeangebote.

Hinter der App steckt eine ganze Community. Gemeinsam erarbeitete Referate können gepostet werden, damit auch Schüler anderer Schulen von den erarbeiteten Inhalten profitieren können. Roller sieht ein, dass die Konkurrenz von Milliardenkonzernen wie Ebay, Google oder Facebook riesig ist. "Aber ich sitze hier, um Herausforderungen anzunehmen. Träume können wahr werden."

Und mindestens ein Teil seines Traumes ist bereits wahr geworden. Mehr als 1,3 Millionen Nutzer haben die App schon auf ihrem Handy - Anfang des Jahres waren es noch 800.000. Noch nie haben so viele Nutzer die App heruntergeladen wie in diesem Jahr. Und das, obwohl die klassischen Features, wie das Eintragen von Noten, bedingt durch den häufigen Heimunterricht eigentlich gar nicht so stark genutzt wurden.

Doch Roller und sein Team haben reagiert. Ein tägliches Allgemeinwissen-Quiz soll die Schüler bei Laune halten und auch mal an etwas anderes denken lassen als Schule - sowohl im Heimunterricht als auch in den Pausen vor Ort. Das führte dazu, dass die Nutzerzahlen sogar trotz Corona stiegen.

Dafür musste Roller noch nicht einmal an Schulen Werbung machen - die Nachricht der neuen App verbreitete sich unter den Schülern wie ein Lauffeuer. Für 2021 hat er sich das Ziel gesteckt, die Zahl der "Scoolio" nutzenden Schüler noch einmal zu verdoppeln - dann würde jeder vierte deutsche Schüler die App nutzen.

Auch Eltern, Schulen und Ausbilder profitieren von der App

Die App versteht sich als Netzwerk unter Schülern. Lehrer, Eltern und allgemein Erwachsene haben dort nichts verloren. Dennoch können auch Schulen "Scoolio" nutzen. Seit Kurzem gibt es dafür "Scoolio Web". Dort können Dateien in der Klasse ausgetauscht oder Hausaufgaben direkt an den Lehrer eingereicht werden. Dafür muss sich die Schule nur registrieren - kostenlos, wie jeder Bestandteil der App. Bisher sind deutschlandweit nur zehn Schulen dabei, sagt Roller, das Feature sei noch sehr neu. Interessierte Schulen können sich unter schulen.scoolio.de informieren.

Roller will die größere Idee eines Kommunikationsdreiecks zwischen Schülern, Lehrern und Eltern in den nächsten Jahren verstärkt ausbauen. Im Frühjahr 2021 soll bereits eine zusätzliche Eltern-App erscheinen, über die Eltern gerade älterer Schüler mehr über deren Persönlichkeitsprofil und Berufswünsche erfahren sollen. Dafür stellt die Schüler-App wiederum entsprechende Tests bereit. "Eltern und Kinder sollen wieder mehr miteinander sprechen", sagt Roller, "und dafür dient die App als Hilfsmittel."

Im "Futurespace" lassen sich verschiedene Berufe erkunden und nach persönlichen Interessen filtern.
Im "Futurespace" lassen sich verschiedene Berufe erkunden und nach persönlichen Interessen filtern. © Scoolio GmbH
Der digitale Schulhof: Ein "Ebay" für Schüler
Der digitale Schulhof: Ein "Ebay" für Schüler © Scoolio GmbH
Dokumente wie Arbeitsblätter oder Referate lassen sich in Boxen speichern und teilen
Dokumente wie Arbeitsblätter oder Referate lassen sich in Boxen speichern und teilen © Scoolio GmbH
Logo der App "Scoolio"
Logo der App "Scoolio" © Scoolio GmbH

Zudem vermittelt die App den Schülern auch potenzielle Arbeitgeber. Unter 570 Ausbildungsberufen werden jene Berufe vorgeschlagen, die zu Persönlichkeit und Begabungen des Schülers am besten passen, bis Sommer 2021 sollen auch Studiengänge und duale Ausbildungen integriert sein. "Futurespace" nennt nennt sich das in der App.

Das Problem sei, so Roller, dass Schüler viele Berufe gar nicht auf dem Schirm hätten, wenn sie die Schule verlassen. "Wir versuchen mit der App, den Zugang zu Wissen verfügbar zu machen. Für den Beruf geben wir eine erste Orientierung. Und das schnell und einfach."

Eine tiefergehende Beschäftigung mit dem eigenen Wunschberuf ersetzt die App zwar nicht, dennoch vermittelt sie erste Kontakte. Ausbildern werden Name und E-Mail-Adresse von interessierten Schülern mitgeteilt - diese können dann gezielt passende Schüler als Auszubildende anwerben.

Scoolio will Europas größte Schülercommunity werden. 2025 will Roller Nutzer in jedem Land Europas haben. Ab 2022 sollen dafür strategische Investoren gesucht werden, die Erfahrung mit der Internationalisierung eines digitalen Produkts haben. Verschiedene Büros soll es dann in ganz Europa geben, bis zu 150 Menschen will Roller in fünf Jahren beschäftigen. Dennoch: Die Unternehmenszentrale soll weiterhin in der Königsbrücker Straße in Dresden bleiben.

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Die App "Scoolio" ist verfügbar für Android, iOS und in der Huawei AppGallery.

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