merken
PLUS Dresden

Die königliche Neustadt

76 Jahre nach der Zerstörung ist das historische Dresden wieder da – schön zu sehen im Barockviertel in der Neustadt.

Am Neustädter Markt lebt das barocke Dresden weiter, unter anderem in Form des Blockhauses.
Am Neustädter Markt lebt das barocke Dresden weiter, unter anderem in Form des Blockhauses. © Montage: Lars Kühl/SZ-Bildstelle

Dresden. München glänzt mit der Maximilianstraße, Berlin mit dem Kurfürstendamm, Düsseldorf mit der Königsallee und Hamburg mit dem Neuen Wall. Diese Straßen sind den Deutschen lieb und vor allem teuer. Dresden besitzt gleich ein ganzes Viertel voller Exklusivität: das Barockviertel in der Neustadt, im Dreieck zwischen dem Goldenen Reiter, der Königstraße und dem Albertplatz. Jenseits der Elbe winden sich enge Straßen um verwinkelte Hinterhöfe und Passagen. Das kleinteilige Stadtbild erinnert daran, was einst weite Teile der Innenstadt des alten Dresdens prägte.

Das Viertel war nach 1945 in Teilen zerstört, bis 1990 vernachlässigt und heruntergekommen, aber es entstand wieder neu. Schon zu DDR-Zeiten wurden einzelne exklusive Gebäude saniert, so zum Beispiel das 1723 erbaute Gebäude „Die Regierung“, auf der Großen Meißner Straße 15. Der barocke Altbau wurde zwischen 1982 und 1985 in den Neubau des Hotels Bellevue integriert.

Anzeige
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit

Einfach, bequem und flexibel in die Zukunft investieren. Langfristig gute Chancen bietet der Anlage-Assistent MeinInvest.

Die Königstraße im Barockviertel
Die Königstraße im Barockviertel © Christian Juppe

Kern des Barockviertels ist die Königstraße, die als Promenade nach Entwürfen von Matthäus Daniel Pöppelmann in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand. Fast alle Gebäude sind hier noch erhaltene barocke Originale. Die rund 340 Meter lange Straße ist Teil des sternförmigen Grundrisses der Inneren Neustadt und versteht sich als optischer Auftakt zum Japanischen Palais. Die noble, zurückhaltende Gestaltung der einzelnen Häuser beruht auf den strengen Reglementierungen des barocken Bebauungsplans. Dieser regelte Höhe und Anzahl der Geschosse und schrieb zudem die „himmeloffenen“ Innenhöfe vor.

Der Stadtteil war in den vergangenen 80 Jahren mindestens zweimal ernsthaft in Gefahr. Der Denkmalschützer Fritz Löffler schrieb in seinem Buch „Das Alte Dresden“, das erstmals 1955 im Sachsenverlag und bis 2006 in insgesamt 16 Auflagen erschien von der Zerstörung im Jahr 1945: „Nach einem weiteren Luftangriff im März fielen Teile der Straßenzüge um den Neustädter Markt sowie die östliche Seite der Hauptstraße bis zum Albertplatz mit dem Viertel zwischen Obergraben und Großer Klostergasse.“

Die Hauptstraße mit Blick zum Goldenen Reiter
Die Hauptstraße mit Blick zum Goldenen Reiter © Archiv: René Meinig

Ein Teil des Neustädter Viertels blieb erhalten. Seine Zerstörung fand nach 1945 statt, da hieß die Königstraße Friedrich-Engels-Straße. Der Verein Dresdner Barockviertel weist darauf hin, dass für die Erhaltung des Gebietes nach dem Zweiten Weltkrieg kaum Mittel zur Verfügung gestellt worden seien.

Immer mehr Hausbesitzer kapitulierten angesichts der zunehmenden Verödung. Ihr Eigentum ging zum großen Teil in das der volkseigenen Kommunalverwaltung über. Das Dresdner Barockviertel war zu DDR-Zeiten zum Abriss vorgesehen. Anfang der 1990er-Jahre war es schwer beschädigt, viele Wohnungen nicht mehr bewohnbar. Ganze Dächer fielen ein, der Schwamm fraß sich durch die wertvolle Architektur, die Häuser wurden einfach verriegelt.

DDR-Plattenbauten an der Hauptstraße
DDR-Plattenbauten an der Hauptstraße © Sven Ellger

Doch das alte Dresden entstand auch hier wieder. 1994 wurde die Königstraße 5a, das Lippertsche Haus als eines der ersten Gebäude nach dem Mauerfall fertiggestellt. An jenen Stellen, wo Altes nicht mehr zu retten war, entstanden neue Anlagen wie die Priscopassage oder die Passage Königstraße.

Beginnend auf der Königstraße 1, folgen heute neun sanierte, elegante barocke Bürgerhäuser. Auf der Rähnitzgasse finden sich vier barocke Bürgerhäuser, an der Dreikönigskirche drei. Dazu gehört das Gebäude des Societaetstheaters, früher ein barockes Gartenhaus. Die Anlage mit Vorderhaus, Gartengebäude und Garten war um 1740 in barockem Stil angelegt worden. Zu den herausragenden barocken Gebäuden der Inneren Neustadt zählen außerdem die Dreikönigskirche, das Blockhaus und das Japanische Palais.

Das Blockhaus
Das Blockhaus © Archiv: René Meinig

Vom Neustädter Markt aus blickt der „Goldene Reiter“, das Standbild Augusts des Starken, seit 1736 auf den Stadtteil. Die 400 Meter lange davor liegende Hauptstraße wirkte nach ihrer Fertigstellung 1732 von der Augustusbrücke aus gesehen wie eine endlose Allee, zweireihig bepflanzt mit Linden, eine Champs-Élysées im Kleinformat. Eines der historisch wichtigsten Gebäude auf dieser Allee ist das Kügelgenhaus.

Von 1697 bis 1699 wurde es als dreigeschossiges Gebäude im Stil des Dresdner Barocks errichtet, später aufgestockt und mit einem Türmchen versehen. Franz Gerhard von Kügelgen lebte von 1772 bis 1820 und war einer der bedeutenden deutschen Porträt- und Historienmaler seiner Zeit, Professor an der Kunstakademie in Dresden. Heute beherbergt das Haus das Museum der Dresdner Romantik.

Blick in einen der Wohnräume der Familie Kügelgen
Blick in einen der Wohnräume der Familie Kügelgen © Archiv: Museen der Stadt Dresden

1945 wurde das Gebäude leicht beschädigt. Seine Renovierung erfolgte im Zuge des Wiederaufbaus der Hauptstraße Ende der 1970er-Jahre. Die Hauptstraße, die von 1951 bis 1991 „Straße der Befreiung“ hieß, wurde in den 1970er-Jahren mit Neubaublöcken und Rekonstruktionen historischer Gebäude als Fußgängerzone mit Wohnungen, Geschäften, Restaurants und Eisbar neu erschlossen.

Nach erfolglosen Forderungen, die Plattenbauten abzureißen, erhielten sie 2014 moderne Fassaden. Von 1978 bis 1982 erfolgte der Wiederaufbau des Blockhauses, das bis 1989 als Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft und in den 1990er-Jahren als Sitz der Sächsischen Akademie der Künste fungierte. Seit 2013 steht es leer und wird für 20 Millionen Euro saniert, um das „Archiv der Avantgarden“ des 20. Jahrhunderts des Kunstsammlers Egidio Marzona aufzunehmen.

Weiterführende Artikel

Die Wunder der Dresdner Altstadt

Die Wunder der Dresdner Altstadt

76 Jahre nach der Zerstörung ist das historische Dresden wieder da – gut zu sehen am Neumarkt.

Neues "altes Dresden" - die Achse des Schönen

Neues "altes Dresden" - die Achse des Schönen

Fritz Löffler setzte mit seinem Buch „Das Alte Dresden“ der Stadt der Vorkriegszeit ein Denkmal. 76 Jahre nach der Zerstörung ist das historische Dresden wieder da.

So geht es am Königsufer in Dresden weiter

So geht es am Königsufer in Dresden weiter

In wenigen Monaten wird der Vorentwurf des Bebauungsplanes vorgestellt. Wie das Areal einmal aussehen und was zum Problem werden könnte.

Neustädter Markt: Schandfleck oder Denkmal?

Neustädter Markt: Schandfleck oder Denkmal?

Gemeinsam mit dem Königsufer soll der zentrale Platz umgestaltet werden. Die Meinungen der Experten dazu gehen allerdings weit auseinander.

Und wenn der viel diskutierte Wiederaufbau des „Narrenhäusels“ an der Augustusbrücke tatsächlich gelingen sollte, entsteht auch hier ein Stück altes Dresden wieder. Erbaut wurde das viergeschossige Gebäude im Jahr 1755. Es brannte im Zweiten Weltkrieg aus und wurde 1950 abgerissen.

Nächster Teil: Die Wunder der Altstadt

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden