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Markttreiben mit Elbblick

Der Wochenmarkt am Schillerplatz ist dreimal die Woche Treff für viele Dresdner. Direkt am Elberadweg gelegen, kaufen sie hier lokale Produkte. Ein Besuch.

Wochenmarkt mit besonderem Ausblick: Direkt am Blauen Wunder kaufen viele Dresdner regelmäßig frische Lebensmittel ein.
Wochenmarkt mit besonderem Ausblick: Direkt am Blauen Wunder kaufen viele Dresdner regelmäßig frische Lebensmittel ein. © René Meinig

Dresden. Von den zwölf Wochenmärkten in Dresden ist er sicher der idyllischste: Vom Elberadweg sind es nur wenige Meter altes Kopfsteinpflaster, bis man schon mittendrin ist im Trubel des Wochenmarktes am Schillerplatz. Blickt man zurück, muss man unweigerlich sein Handy aus der Tasche ziehen und Fotos machen vom Blauen Wunder, das vor einem emporschießt und beide Elbseiten miteinander verbindet, vom weißen Dampfer, der gerade abgelegt hat, und von der gegenüberliegenden Hanglage Bühlau und Weißer Hirsch mit Villen und Standseilbahn.

Einige Radler steigen an dieser Stelle des Elberadweges ab und schieben ihren Drahtesel mit Gepäckträger Richtung Markttreiben: Jeden Dienstag und Donnerstag von neun Uhr bis 17 Uhr und am Samstag von acht bis zwölf Uhr verwandelt sich die Fläche vor dem Eingang zum Schillergarten in einen Markt, auf dem es alles gibt, das hungrig macht: „Das ist hier einfach hervorragendes Einkaufen“, sagt ein Mann, der auch mit seinem Fahrrad gekommen ist, „hier kennt man sich und mein Stammhändler weiß schon, was ich haben will“, sagt er. Wie immer hat er sich einen großen Becher Quark gekauft am Stand von Holger Tintner. Der Quark ist mit 50 Prozent Fett besonders lecker und cremig, sagt der Mann.

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An drei Tagen in der Woche bauen die Händler unweit des Elberadweges ihre Stände auf. Die Besucherzahlen kennt die Marktgilde nicht, aber der Markt ist bei den Dresdnern sehr beliebt.
An drei Tagen in der Woche bauen die Händler unweit des Elberadweges ihre Stände auf. Die Besucherzahlen kennt die Marktgilde nicht, aber der Markt ist bei den Dresdnern sehr beliebt. © René Meinig

Am Donnerstagmittag ist der Markt voller Menschen, die schnell einen Mittagsimbiss am roten Currywurststand oder am blauen Fischwagen verzehren wollen, der mit der Aufschrift „Piranhas fressen Menschen. Schlagt zurück und esst mehr Fisch“ seine Kunden ködert. Ältere Ehepaare, die finden, dass die Pflaumen nicht genug Wasser bekommen haben, alleinstehende Seniorinnen, die sich nach dem Preis für Honig erkundigen, junge Paare, die Federweißer kaufen, und Touristen, die den Markt zum ersten Mal entdecken, alle treffen sich hier.

Der Wochenmarkt ist traditionell mehr als nur eine Anlaufstelle für Warenhandel und Versorgung, heißt es auf der Internetseite der Deutschen Marktgilde. Er ist Treffpunkt für Freunde, Menschen aus der Nachbarschaft und Touristen und steigert die Attraktivität der Innenstadt: „An guten Markttagen beschicken bis zu 27 Händler den Wochenmarkt am Schillerplatz, der damit komplett ausgelastet ist“, sagt die Leiterin der Wochenmärkte in Dresden, Madeleine Magyesi-Lukaß. Die Händler kommen überwiegend aus dem Dresdner Umland, aus Radebeul und der Lausitz. Außerdem hat jeder Markt einen Marktmeister oder eine Marktmeisterin als lokale Kontaktperson. Wenn der Aufbau des Marktes früh gegen sechs Uhr beginnt, hat er oder sie die Aufsicht.

Herbstlich sieht es in diesen Tagen auf dem Markt aus.
Herbstlich sieht es in diesen Tagen auf dem Markt aus. © René Meinig

In den Auslagen sieht es vor allem vor den Obst- und Gemüseständen schon herbstlich aus: Da liegen Kürbisse, Pflaumen, Steinpilze und Pfifferlinge in Körben. Es gibt Stände mit Ölen, Kräutern und Honig, Blumen und Pflanzen, Backwaren, Fleisch- und Wurstwaren, frische Eier, Fisch, Käse- und Milcherzeugnisse. Zu den Besonderheiten des Marktes am Blauen Wunder zählen eine Champignon-Zucht aus der Region, Brote, die nach alten Rezepten gebacken werden, und selbstgemachte Pasta mit saisonaler Füllung.

Holger Tintner ist einer der alten Hasen auf dem Wochenmarkt. Inzwischen kennt er die Essgewohnheiten seiner Kundschaft und ein Stück Käse zum Probieren gibt es bei ihm immer.
Holger Tintner ist einer der alten Hasen auf dem Wochenmarkt. Inzwischen kennt er die Essgewohnheiten seiner Kundschaft und ein Stück Käse zum Probieren gibt es bei ihm immer. © René Meinig

Einer, der schon seit 17 Jahren auf dem Markt steht, ist Holger Tintner: „Ich sage immer, ich fahre in meine Wohnstube, wenn ich zum Schillerplatz fahre“, sagt er. Jede Woche ist er an allen drei Markttagen mit seinem Stand des Sächsisch-Böhmischen Bauernmarktes hier und bietet regional erzeugte Produkte an: Seine Spezialität ist der Käse, den hier auch die meisten Kunden bestellen. Zwei junge Frauen wollen gern einen kräftig-würzigen kaufen und er weiß sofort, was ihnen schmecken könnte: „Probieren Sie mal den Küstenkäse“, sagt er und schneidet einen schmalen Streifen von einem großen Stück ab. Beide Frauen sind begeistert und ordern gleich ein Stück für über sieben Euro.

Gegenüber bei David Španbaum aus Tschechien gibt es handgebackenes Holzofenbrot. Die Regale sind schon fast leergekauft: „Viele Kunden, die das Brot einmal probiert haben, kommen immer wieder“, sagt er. Normalerweise steht seine Frau seit drei Jahren hier auf dem Wochenmarkt. Sein Angebot ist, im Gegensatz zu den Auslagen in den Bäckereien, sehr klein: „Wir haben nur zwei verschiedene Brote“, sagt er, „Roggen- und Mischbrot, die auf traditionelle Weise hergestellt werden.“

Erst seit zwei Monaten hilft David Španbaum seiner Frau im Brotwagen aus. Er kommt aus der Gemeinde Tissa in Tschechien und bietet wenige Sorten, aber ausschließlich in Handarbeit gefertigte Brote an.
Erst seit zwei Monaten hilft David Španbaum seiner Frau im Brotwagen aus. Er kommt aus der Gemeinde Tissa in Tschechien und bietet wenige Sorten, aber ausschließlich in Handarbeit gefertigte Brote an. © René Meinig

Die Händler, die jede Woche am Schillerplatz stehen, leben hauptsächlich von der Kundschaft, die hier wohnt: „Die meisten kommen aus Striesen, Blasewitz, Loschwitz oder von gegenüber“, sagt Holger Tintner und zeigt Richtung Bühlau und Weißer Hirsch. Auch ein emeritierter Professor kommt jede Woche vorbei und kauft bei ihm ein. Holger Tintner kennt inzwischen die Essgewohnheiten des alten Herren, der für das Wochenende immer von seinem Quark bestellt: „Vergessen Sie nicht das Öl, denn das müsste bald wieder alle sein“, sagt Tintner zum Abschied.

Alle Teile der Serie finden Sie hier.

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