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Wo sich die Dresdner am unsichersten fühlen

Mehr als 6.000 Menschen sollten in einer Bürgerbefragung sagen, welche Orte sie in Dresden meiden und warum. Drei Stadtteile werden besonders oft genannt.

Polizeieinsatz in der Alaunstraße. Die gute Nachricht: Die Dresdner fühlen sich in ihrer Stadt generell sicherer als noch vor drei Jahren. Mit manchen Orten hadern sie aber nach wie vor.
Polizeieinsatz in der Alaunstraße. Die gute Nachricht: Die Dresdner fühlen sich in ihrer Stadt generell sicherer als noch vor drei Jahren. Mit manchen Orten hadern sie aber nach wie vor. © Sven Ellger

Dresden. Wo fühlen sich die Dresdner am sichersten? Wie groß sind ihre Ängste, in der Straßenbahn ausgeraubt zu werden? In welchen Stadtteilen halten sie sich nur ungern auf? Die neue Bürgerumfrage offenbart, wie es um das Sicherheitsgefühl der Dresdner bestellt ist. Das sind die wichtigsten Ergebnisse.

Wo fühlen sich die Dresdner am sichersten?

Es ist die eigene Wohnung, in der sich die Dresdner am sichersten fühlen. Etwa 93 Prozent der rund 6.000 Befragten empfinden das so. Etwas mehr als noch zwei Jahre davor. Jüngere fühlen sich in ihrer Wohnung tendenziell geborgener als ältere Menschen. Danach folgen die eigene Wohngegend sowie Dresden am Tage. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel bekommen gute Noten. Tagsüber fühlen sich 87 Prozent der Dresdner in Bussen und Bahnen sicher. Parks schneiden ähnlich gut ab.

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Wie sieht es nachts aus?

In der Dunkelheit nimmt das Sicherheitsgefühl rapide ab, egal wo. Nur 31 Prozent der Befragten gehen nachts bedenkenlos durch die Stadt. In Bussen und Bahnen fühlen sich noch 40 Prozent sicher, in Parks lediglich 19 Prozent.

Welche Wohngegenden werden als sicher bewertet, welche nicht?

Als am sichersten wird die eigene Wohngegend von den Menschen in Klotzsche, Loschwitz, Schönfeld-Weißig, Blasewitz, Striesen, Mockritz, Coschütz, Plauen und Briesnitz bewertet. Mindestens 90 Prozent der Einwohner haben dort keine Bedenken, vor die Tür zu gehen.

Deutlich anders sieht es in Gorbitz, Prohlis und Reick aus. Weniger als die Hälfte der Befragten hält die Gegend für sicher. Wobei für Gorbitz festgestellt werden muss, dass dies ein kleiner Fortschritt ist. Verbessert hat sich das Sicherheitsgefühl auch im Stadtraum Leuben. Etwas schlechter ist es in Cotta, Löbtau und Naußlitz geworden.

Gibt es bestimmte Orte, die von Dresdnern ungern betreten werden?

Tatsächlich hat mehr als die Hälfte einen bestimmten Ort aufgeschrieben, der Unbehagen bereitet. Am häufigsten ist das die Neustadt gewesen. 41 Prozent aller Antwortenden nannte Dresdens Partyviertel. Insbesondere Ältere und Menschen aus Kaditz, Mickten, Trachau, Loschwitz und Schönfeld-Weißig haben mit dem Stadtteil ein Problem. Auf der Liste folgen Gorbitz und Prohlis. Zwar verspüren immerhin noch 22 Prozent der Teilnehmer beim Spaziergang über den Wiener Platz ein ungutes Gefühl. Doch die Bahnhöfe und speziell der Wiener Platz hätten seit der letzten Kommunalen Bürgerumfrage 2018 an Bedeutung verloren, bewerten die Statistiker der Stadtverwaltung das Ergebnis. Damals stufte noch knapp die Hälfte den Wiener Platz als einen unsicheren Ort ein.

Warum werden diese Orte als unsicher bewertet?

Tatsächlich hat die Stadtverwaltung auch nach den Gründen gefragt. Was die Neustadt angeht, so wird die soziale Struktur der Bewohner und Passanten als Hauptgrund genannt. Es folgen Kriminalität und Drogen sowie das Vorhandensein von Ausländern. Anders sieht es auf der Prager Straße aus. Hier sagen die Befragten, die sie die Einkaufsmeile hauptsächlich wegen Kriminalität sowie Drogenhandels und Drogenkonsums nur ungern betreten würden. Auf der Prager Straße ist auch das Unsicherheitsgefühl wegen der Präsenz von Ausländern am stärksten, wie aus der Umfrage hervorgeht.

Fürchten die Befragten, Opfer einer Straftat zu werden?

Soweit gehen die meisten nicht. Das Risiko, in Dresden zum Opfer einer Straftat zu werden, schätzen rund 60 Prozent der Befragten als gering ein. Am ehesten könnten einem selbst Fahrraddiebe, Autoknacker und Vandalen schaden, so die Vermutung. Die Sorge, überfallen und verprügelt zu werden, auch aus Hass, seien laut Stadt gering. Auch fürchteten sich vergleichsweise wenige Dresdner, zum Opfer eines Sexualdelikts zu werden.

Woher rührt die Furcht?

Sechs Prozent der Teilnehmer äußerten Angst, selbst das Opfer einer Straftat zu werden. Sie sind gebeten worden, ihre Furcht zu begründen. Die Hälfte beruft sich auf Berichte in Zeitungen, im Radio sowie Fernsehen. Ebenfalls geben viele an, selbst schon Opfer einer Straf- oder Gewalttat gewesen zu sein. Auch Gespräche mit anderen spielten eine Rolle. Jeder Vierte begründet seine Ängste damit, Zeuge einer Straf- oder Gewalttat gewesen zu sein.

Decken sich die Einschätzungen mit der Kriminalitätsstatistik?

Tendenziell ja. Nach einem Knick 2016 wurde die Sicherheit in Dresden schon 2018 wieder etwas besser bewertet. Dies hat sich nun fortgesetzt und entspricht auch der Kriminalitätsstatistik. So sind 2019 gut 46.000 Straftaten in Dresden erfasst worden. Im Jahr davor waren es noch etwa 49.000, für 2017 werden fast 55.000 angegeben, die Straftaten im Zusammenhang mit dem Infinus-Finanzskandal nicht mitgerechnet.

Auch das angeknackste Sicherheitsgefühl in Gorbitz oder der Äußeren Neustadt entspringt nicht irgendeiner Hysterie. Tatsächlich hat die Zahl der erfassten Straftaten in Gorbitz stark zugenommen. Wurden 2009 noch 7.576 Vergehen je 100.000 Einwohner gezählt, waren es im vergangenen Jahr 9.940. Das liegt über dem Dresden-weiten Schnitt von 8.061 Straftaten. Insbesondere die Gewaltkriminalität ist in Gorbitz häufiger ein Thema als im Rest der Stadt.

In der Äußeren Neustadt liegt die Zahl der Straftaten mit 18.143 Taten sogar doppelt so hoch wie in Gorbitz. Auch hier hat die Gewaltkriminalität in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Lediglich von 2018 zu 2019 ging die Zahl leicht zurück.

Wie kann Dresden aus Sicht der Befragten sicherer werden?

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Mit deutlichem Abstand – fast 70 Prozent – fordern die Befragten mehr Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Straßenbild. Knapp 20 Prozent finden, dass härtere Strafen gegenüber Kriminellen ein geeignetes Mittel sind, um das Sicherheitsgefühl zu stärken. Für mehr Sozialarbeit, Integration und soziale Mischung sprechen sich ebenfalls fast 20 Prozent aus. Am wenigsten halten die Befragten etwas von Verboten oder Videoüberwachung. Jeweils fünf Prozent nannten dies.

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