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Anstehen für Corona-Schnelltests in Dresden

Die Johanniter sind bis Weihnachten ausgebucht, vor der Dresdner Messe stehen die Menschen am Mittwoch Schlange. Erstmals testet auch eine Apotheke.

Vor der Dresdner Messe hatte sich am Mittwochvormittag eine Schlange an Menschen gebildet, die sich noch vor dem Fest freiwillig auf eine Coronavirus-Infektion testen lassen wollen.
Vor der Dresdner Messe hatte sich am Mittwochvormittag eine Schlange an Menschen gebildet, die sich noch vor dem Fest freiwillig auf eine Coronavirus-Infektion testen lassen wollen. © Tino Plunert

Dresden. Ein bisschen ist es wie bei einem Schwangerschaftstest. Ein kleiner Teststreifen verfärbt sich binnen 15 Minuten dunkel, wenn die Testperson mit Covid-19 infiziert ist. Elf Mitarbeiter der Firma Hectas Sicherheitsdienste - eigentlich alles betriebsinterne Sanitäter und Feuerwehrmänner - stehen am Dienstagvormittag eingehüllt in blaue und grüne Infektionsschutz-Overalls im Eingangsbereich der Dresdner Messehalle und erwarten Patienten.

Nachdem am Dienstag nur wenige Patienten in die Messe kamen, um sich testen zu lassen, hat sich das Bild am Mittwochvormittag gewendet: "Wir mussten heute eine halbe Stunde früher anfangen, weil die Leute quer über den Parkplatz Schlange standen", berichtet Alexander de Blois, der für die Firma das Testzentrum betreut. 600 bis 800 Tests seien insgesamt verfügbar, momentan werde geprüft, ob weitere Tests beschafft werden könnten. Sollten die Tests frühzeitig aufgebraucht sein, müsse im schlimmsten Fall schon vor 15 Uhr dicht gemacht werden.

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Auch SZ-Reporter Christoph Springer stand am Mittwochmorgen in der Schlange aus etwa 30 Personen. Trotzdem habe er nur etwa zehn Minuten gewartet, berichtet er, der Test selbst dauerte keine fünf Minuten.

Der linke Test zeigt ein negatives Testergebnis an (kein Strich), der rechte Test weist auf eine Infektion mit dem Coronavirus hin.
Der linke Test zeigt ein negatives Testergebnis an (kein Strich), der rechte Test weist auf eine Infektion mit dem Coronavirus hin. © Marion Doering

Sich kurz vor Weihnachten noch einmal auf Corona testen lassen, bevor es zu Eltern und Großeltern geht - das treibt die Menschen hierher ins provisorisch errichtete Testzentrum. Zum Beispiel die 36-jährige Magdalena Wagner, deren Oma 90 Jahre alt ist und damit in die Corona-Risikogruppe fällt. Oder die 43-jährige Susan Gutzeit, die sich vom Schnelltest ein freieres Gefühl für die Feiertage wünscht.

Schnelltests zuverlässig, aber kein Freifahrtsschein

Freier, aber nicht frei. Denn die Zuverlässigkeit der Antigen-Tests wird immer wieder kritisiert. "Der Nutzen des Einsatzes von Antigen-Schnelltests liegt im Wesentlichen in der schnellen Verfügbarkeit der Testergebnisse", erklärte der Ärztliche Pandemierat der Bundesärztekammer am Montag. Negative Testergebnisse dürften keinesfalls zu einer Scheinsicherheit führen und zu einem sorglosen Umgang mit den Gefahren des Virus verleiten.

Mitarbeiterin Lea Kürth nimmt einen Abstrich von Magdalena Wagner, die Eltern und Großeltern über Weihnachten besuchen will.
Mitarbeiterin Lea Kürth nimmt einen Abstrich von Magdalena Wagner, die Eltern und Großeltern über Weihnachten besuchen will. © Marion Doering

Die Testergebnisse in der Dresdner Messe seien aber zuverlässig, versichert Alexander de Blois, der die von der Wuppertaler Sicherheitsfirma durchgeführten Tests beaufsichtigt. Für die betriebseigenen Tests hatte er Schnelltests der Firma "nal von minden" aus Moers bestellt. Ein Forscherteam der Berliner Charité um den Virologen Christian Drosten hatte dem Test eine Zuverlässigkeit von 99,26 Prozent bestätigt. Damit gehöre er zu den drei zuverlässigsten deutschen Schnelltests. Diese Testmöglichkeit wollte er dann auch der Öffentlichkeit anbieten.

Die Firma "nal von minden" war in die Kritik gekommen, weil deren Schnelltests illegal in Tankstellen oder Supermärkten verkauft worden waren und bei falschem Gebrauch falsche Ergebnisse lieferten. De Blois versichert dagegen: "Wir erwerben die Tests in versiegelten Originalpackungen aus dem Fachhandel. Die durchführenden Mitarbeiter haben alle eine Sanitätsausbildung und wurden von einer Ärztin speziell für diese Untersuchung geschult. Wir tun alles, um eine höchstmögliche Genauigkeit der Ergebnisse zu erreichen."

Schnelltests in der Messe nur noch am Mittwoch

Auf 300 Tests pro Tag hat sich de Blois eingestellt. Nachdem das Gesundheitsamt ihm eine Testwelle gegen Feierabend prognostizierte, seien auch 450 zu schaffen. Der Ablauf ist simpel: Der Kunde braucht nicht zu reservieren, sondern gibt am Empfangstresen seine Daten an und begibt sich dann zu einem der vier Testteams, die dann einen Rachenabstrich per Stäbchen nehmen.

Die meisten Patienten verdrücken danach kurz eine Träne, "sonst saß er nicht tief genug". Der Ablauf dauert kaum fünf Minuten, nach 15 Minuten erhält der Patient eine E-Mail mit dem Testergebnis. Kostenpunkt: 50 Euro. Am Dienstag hatte es noch so gut wie keine Wartezeiten gegeben, selten waren mal mehr als zwei Teststationen gleichzeitig belegt.

Wenig Andrang in der Dresdner Messe: Nur selten sind mehr als zwei der vier Testteams beschäftigt.
Wenig Andrang in der Dresdner Messe: Nur selten sind mehr als zwei der vier Testteams beschäftigt. © Marion Doering

Die Kapazitäten waren am Dienstag bei Weitem nicht ausgelastet: Etwa 20 bis 30 Patienten seien pro Stunde gekommen, sagte de Blois, damit kommt er pro Tag gerade einmal auf 180 Tests. "Wir sind zu wenig publik gemacht worden." Seine Mitarbeiter hätten nicht die Ressourcen für Pressearbeit gehabt.

Tests bietet er nur noch am Mittwoch vor Weihnachten an, jedoch nicht mehr vor Silvester. "Leichtsinniges Verhalten wollen wir zu Silvester nicht fördern", sagt er.

Für den Patientenansturm am Mittwoch war er gerüstet. Ein Mitarbeiter sei dafür zuständig, die Leute einzeln herein zu bitten. Ein anderer achte auf den Abstand in der Schlange. "Das Virus hat ja eine gewisse Inkubationszeit, da bringt es nichts, wenn die Menschen vor dem Zentrum in Zehner-Gruppen zusammenstehen", erklärte er. "Mit Sicherheit kennen wir uns als Sicherheitsdienst aus."

Bei etwa jedem zehnten Patienten verfärbte sich am Dienstag der Teststreifen, sagte de Blois, im Zweifelsfall telefonieren die Mitarbeiter positiv getesteten Patienten hinterher und geben ihnen Anweisungen. Das Testzentrum ist am Mittwoch noch bis 15 Uhr geöffnet und befindet sich am Tor 2 der Halle 1.

Bei den Johannitern keine Termine mehr vor Weihnachten

Langfristiger eingestellt sind die Johanniter, die in Heidenau in der Zschierener Straße 5 seit November ein Testzentrum betreiben. Seit der vergangenen Woche wurden die Testkapazitäten erhöht, nun werden dort zehn Termine pro Viertelstunde vergeben. Und die werden gut angenommen: Vor Weihnachten sind keine Termine mehr frei, wer möchte, kann sich aber an einem der Weihnachtsfeiertage zwischen 8 und 11.30 Uhr testen lassen.

Auch am Flughafen und am Uniklinikum werden Corona-Schnelltests angeboten, allerdings unter strengeren Voraussetzungen.

Am Tor 2 der Messehalle 1 in Dresden weist ein Schild zum Corona-Schnelltest
Am Tor 2 der Messehalle 1 in Dresden weist ein Schild zum Corona-Schnelltest © Marion Doering

Schnelltests auch in Apotheken

Schnelltests dürfen ab sofort auch Apotheken in Deutschland durchführen. Noch am Dienstag startete die Dresdner City-Apotheke im Hauptbahnhof damit. Man sei ärztlich unterwiesen worden, wie die Tests durchgeführt werden müssen, versicherte Inhaberin Katja Scarlett Daub. Auch hier handle es sich um Antigen-Schnelltests. Ein Ergebnis liege nach 15 bis 30 Minuten vor.

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„Ausschlaggebender Grund, mich sofort dafür starkzumachen, ist die häufige, fast verzweifelte Nachfrage, Corona-Tests anzubieten“, sagte Daub. Am Montag zum Beispiel sei eine ältere Dame zu ihr in die Bahnhofsapotheke gekommen. Tochter und Enkel seien auf dem Weg zu ihr, um sie zu besuchen. Allerdings hätten beide Kontakt zu einem Infizierten gehabt. Die Frau sei verzweifelt gewesen, ob sie ihre Verwandtschaft überhaupt in die Wohnung lassen solle. Die Apothekerin habe ihr schließlich einen Test für Tochter und Enkel vermitteln können. Nun sei dies direkt vor Ort möglich.

Der Rachenabstrich wird in einer Flüssigkeit gelöst und anschließend auf den Teststreifen gegeben, der sich im Falle einer Infektion verfärbt.
Der Rachenabstrich wird in einer Flüssigkeit gelöst und anschließend auf den Teststreifen gegeben, der sich im Falle einer Infektion verfärbt. © Marion Doering

Um 19 Uhr sollten die Schnelltests am Dienstag in der Apotheke starten, sie kosten 45 Euro. Voraussetzung ist jedoch, dass man vorab über die Internetseite einen Termin bucht. Damit sollen Warteschlangen verhindert werden. In Ausnahefällen könne man auch telefonisch einen Termin vereinbaren. Geöffnet hat die Apotheke im Hauptbahnhof täglich bis 22 Uhr.

Bisher bieten aber nicht alle Apotheken die Schnelltests an. Holger Kromnik, stellvertretender Leiter der Fetscherapotheker betont, dass es für die Durchführung der Tests Sterilräume und Schutzkleidung brauche. Außerdem wisse er nicht, was zu tun sei, wenn ein Patient positiv getestet werde. "Die Rahmenbedingungen sind uns noch nicht klar." Außerdem könne es sein Team personell nicht stemmen, auch noch Tests durchzuführen.

Das bestätigt auch der Vizepräsident der Landesapothekerkammer, Göran Donner: "Ich gehe davon aus, dass noch einige Wochen ins Land ziehen, bis es tatsächlich soweit ist. Außerdem ist es für eine Apotheke mit erheblichem Aufwand verbunden, eigene Tests anzubieten. Ich gehe deshalb nicht davon aus, dass es flächendeckend angeboten wird. Es ist eine freiwillige Leistung."

Das Gesundheitsamt weist darauf hin, dass positiv Getestete sich unverzüglich in Quarantäne zu begeben haben. Antigen-Test-Ergebnisse sollten durch einen PCR-Test bestätigt werden. Dazu wird geraten, sich beim Hausarzt zu melden. Denn auch falsch positive Testergebnisse sind möglich. Wird kein PCR-Test durchgeführt, gilt die volle zehntätige Quarantänezeit in jedem Fall. Außerdem sind (mutmaßlich) Infizierte verpflichtet, schnellstmöglich Kontakte der Kategorie 1 dem Gesundheitsamt zu melden.

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

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