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Sonntag in Dresden: Ist das noch Krise?

Bei sommerlichem Wetter zog es am Sonntag viele Dresdner in Parks und an die Elbe. Wie die Stadt um ein paar Stunden Urlaub von Corona kämpft.

Der sommerlich warme Sonntag lockte viele Menschen ins Grüne, wie hier an den Elbwiesen in Johannstadt.
Der sommerlich warme Sonntag lockte viele Menschen ins Grüne, wie hier an den Elbwiesen in Johannstadt. © René Meinig

Dresden. Auf diesen Tag haben sie lange gewartet. Endlich mal wieder das Leben genießen, unter Menschen sein und Pommes essen. Ausgelassen flitzen die Tauben über das Pflaster der Dresdner Innenstadt. Auch ihnen muss ein solcher Tag wie ein Stück Normalität vorkommen.

Die sommerlichen Temperaturen haben am Sonntag viele Dresdner aus ihrer Corona-Tristesse gerissen und nach draußen gelockt. Ob an den Elbwiesen, im Großen Garten oder im Alaunpark in der Neustadt – überall ließen sich sie sich nieder. Die verliebten Paare, die Familien und die Freundesgruppen. Offiziell natürlich nur die vollständig Durchgeimpften.

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Auf die allgegenwärtigen Diskussionen über das Wort mit C hat bei 26 Grad im Schatten und strahlendem Sonnenschein niemand Lust. Auch Polizei ist nirgends zu sehen, ganz anders als noch am Tag zuvor. Da mussten die Polizisten in Dresden allerdings auch zwei angemeldete Veranstaltungen absichern.

Am Sonntag dagegen kann man fast überall in der Stadt den Eindruck gewinnen, es handele um einen ganz normalen und wunderschönen freien Mai-Tag. Auf dem Elberadweg drängen sich auf beiden Seiten des Flusses Radfahrer, Spaziergänger und Jogger aneinander vorbei. Viele lächeln. Einige lassen Musik aus dem Rucksack dudeln, andere singen selbst.

Als ein Dampfer vorbeikommt, winkt der vierjährige Leon, der mit seinem Papa zum Fußball spielen gekommen ist, den Gästen auf dem Schiff. Einige winken zurück und Leon freut sich.

„Trotzdem sind die Einschränkungen noch groß"

Im Großen Garten konnten sich die Besucher an der Blütenpracht erfreuen.
Im Großen Garten konnten sich die Besucher an der Blütenpracht erfreuen. © René Meinig

Einige hundert Meter weiter ist am Fährgarten Johannstadt das Gewusel groß. Es ist Mittagszeit und die Schlangen werden immer länger. Vor allem Bratwürste und Softeis Heidelbeer-Vanille stehen hoch im Kurs. Um die Massen ein wenig besser zu verteilen, gibt es die Speisen und Getränken zum ersten Mal in diesem Jahr an mehreren auf dem Gelände verteilten Ständen.

Da die Sitzplätze noch abgesperrt sind, lassen sich die Hungrigen auf der Elbwiese nieder. Viele haben Decken mitgebracht, einige sogar Camping-Stühle und Zelte. Vier junge Frauen spielen Volleyball. Einige versuchen sich sogar an Federball, scheitern aber an der immer noch recht steifen Brise. Am Elbufer stehen kleine Kinder bis zu den Knien im Wasser und füllen unentwegt ihre Eimerchen, während ein junges Paar in sein Kanu steigt und lospaddelt.

Eine bierseelige Gruppe stimmt derweil den Klassiker „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ an. Also alles wieder Paletti? Ist das noch Krise?

Fährgarten-Chef Jens Bauermeister rümpft die Nase. „Klar freuen wir uns über das schöne Wetter und den Zuspruch der Leute“, sagt der 56-Jährige. „Trotzdem sind die Einschränkungen noch groß und machen uns das Leben schwer.“ Um das zu sehen, müsse man sich doch nur mal genauer umschauen. „Die Leute schnappen sich ihre Wurst und sind weg. Normalerweise würden wir an so einem Tag jede Menge größere Speisen mit Knödeln und Rotkraut verkaufen.“ Solange das nicht ginge, sei es schon hart, das dürfe bei allen Frühlingsgefühlen nicht vergessen werden.

Leni (3) genießt mit ihren Eltern Stephanie und Florian Floß auf dem Neumarkt das erste Eis des Jahres.
Leni (3) genießt mit ihren Eltern Stephanie und Florian Floß auf dem Neumarkt das erste Eis des Jahres. © René Meinig

Auch im Großen Garten ist die Lust auf Sonne und Unbeschwertheit spür- und sichtbar. Auf die Frage, wie viele Bratwürste sie heute schon rausgegeben hat, grinst die Verkäuferin vor der Wachstube und sagt: „Ich habe aufgehört zu zählen, aber es können nie genug sein.“ Auf der breiten Hauptallee haben wie gewohnt die Roller-Skater und Roller-Fahrer das Sagen. Wohin man links und rechts auch schaut, überall sitzen und liegen Menschen mit Sonnenbrillen auf der Nase.

Die vielen Anzeichen für die immer noch andauernde Pandemie werden so gut es geht ignoriert. Die Parkeisenbahn fährt nicht, die Minigolf-Anlage hinter der Wachstube ist abgesperrt und zumindest beim Anstehen an einem der vielen Imbisse sind auch die Masken wieder zu sehen. Von all dem will sich an diesem Sonntag jedoch niemand die Stimmung verderben lassen.

Direkt in der Innenstadt ist im Vergleich zu den Dresdner Parks und Elbwiesen deutlich weniger los. An der Frauenkirche warten einige auf Einlass, während auf dem Neumarkt davor eine Musikerin „Time to say Goodbye“ auf ihrer Oboe zum Besten gibt. Ein deutliches Signal an das Virus. „Die Leute sind heute sehr spendabel. Ich habe sogar schon einige CDs verkauft“, sagt die Musikerin. Eine Spielerlaubnis hat sie nicht, da Straßenmusik zurzeit auch noch gar nicht gestattet ist. „Ich kann nur hoffen, dass keine Kontrolle vorbeikommt“, sagt sie und lächelt vielsagend.

Wer weiß, wann sie das nächste Mal die Chance zum Spielen bekommen wird. Der Sommer im Frühling wird in Dresden nur ein kurzes Gastspiel geben. Schon ab Dienstag soll es kälter und regnerisch werden. Was das mit der Laune macht, bleibt abzuwarten.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Julio Palomares zeigt an den Elbwiesen sein Können auf der Slackline.
Julio Palomares zeigt an den Elbwiesen sein Können auf der Slackline. © René Meinig

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