merken
PLUS Dresden

St.-Benno-Buchhandlung wird ausgeräumt

Im Oktober wurde bekannt, dass der alteingesessenen St.-Benno-Buchhandlung im Zentrum Dresdens das Aus droht. Warum es tatsächlich so weit kam.

Christiane Königsmann sieht sich gezwungen, die St.-Benno-Buchhandlung aufzugeben.
Christiane Königsmann sieht sich gezwungen, die St.-Benno-Buchhandlung aufzugeben. © Sven Ellger

Dresden. Die meisten Bücherregale sind schon leer. Aber wohin nur mit ihnen? Diese Frage treibt Christiane Königsmann schon seit Wochen um. Im Dezember schien noch viel Zeit, aber jetzt wird das Problem akut. Denn die leeren Regale brauchen einen neuen Platz, sie müssen möglichst bald aus ihrem Laden verschwinden. Denn etwa ab Mitte Januar soll nichts mehr an ihr Geschäft erinnern. Die St.-Benno-Buchhandlung gibt es dann nicht mehr. Sie musste schließen, ausgerechnet im 20. Jahr ihres Jubiläums an der Schloßstraße.

Es ist ein Ende mit Schrecken. Nicht nur für die 48-Jährige selbst, auch für ihre fünf Mitarbeiter. Zwar war das Geschäft mit Büchern, Kalendern, Postkarten, Dresden-Erinnerungen und christlichen Devotionalien nie leicht und schon gar keine Goldgrube, wie man angesichts der Top-Lage ihres Ladens gleich neben dem Georgentor meinen könnte. Doch die Buchhandlung hatte Tradition. Sie galt vielen Dresdnern als verlässlicher Lieferant für Kerzen und Adventssterne, Grußkarten und spezielle Literatur. Vor allem für solche, in der es auch um Glauben, die Kirche und Philosophisches ging. Schluss ist nun, weil die Geschäftsbedingungen aus Sicht der Ladenchefin nicht mehr haltbar waren. Daran haben auch hunderte Briefe und Mails von Kunden an das Bistum nichts ändern können.

Anzeige
Fit und ohne Erkältung durch den Winter
Fit und ohne Erkältung durch den Winter

Nicht nur ein gesunder Lebensstil, auch ein Griff in die Phytothek kann dabei helfen, den Körper zu stärken. Professionelle Beratung gibt es in den StadtApotheken.

"Hier geht mehr kaputt als nur eine Buchhandlung"

Christiane Königsmann steht zwischen leer geräumten Regalen und vollgepackten Kisten. "Es ist schlimm", sagt sie zum Aus und der Aufgabe, die sie und ihre Mitarbeiter nun bewältigen müssen. "So lange man räumt, versucht man, das nicht an sich rankommen zu lassen." Doch er kommt immer wieder ran - der Gedanke, dass sie nun ihr Lebenswerk aufgeben muss.

Vor allem abends, nach acht Stunden Bücher verpacken und an die Verlage zurückschicken, nach der Sichtung der übriggebliebenen Kalender für 2021, nach der Inventur in ihrem kleinen Lager unter der Galerie, das sie und ihre Mitarbeiter wegen seiner niedrigen Deckenhöhe "das Bergwerk" nennen.

Mitarbeiter Konrad Wiehl wird deutlich. "Hier geht mehr kaputt als nur eine Buchhandlung", sagt er. 21 Jahre hat er in dem Geschäft gearbeitet, Wiehl ist selbst katholischer Christ, die katholische Buchhandlung war für ihn deshalb mehr als nur ein Arbeitsplatz. "Es macht fassungslos, dass man sowas hergeben kann", sagt Wiehl mit Blick auf die Vermieter des Ladens. Das ist das Bistum Dresden-Meißen mit Bischof Heinrich Timmerevers.

Zwar habe das Bistum noch einmal ein Angebot gemacht, nachdem die SZ vor reichlich zwei Monaten über das drohende Ende für das Traditionsgeschäft berichtete. Es sei auch noch über dieses Angebot gesprochen worden, berichtet Christiane Königsmann, letztlich sah sie sich aber gezwungen, bei ihrer Entscheidung zu bleiben.

Das neue Mietangebot, bei dem die Miete ab einer bestimmten Umsatzhöhe stets mitwachsen sollte, war ihr zu hoch. "Wir hätten nichts investieren können, auch einen weiteren Mitarbeiter brauchten wir, aber das Geld hätten wir immer für die Miete ausgeben müssen."

Was wird aus dem Eckladen an der Schloßstraße?

Konrad Wiehl hält die Position des Bistums für ein grundlegendes Problem. Die Buchhandlung und ihr Stand in der Hofkirche, den es schon länger nicht mehr gibt, seien immer auch Anlaufpunkte für Menschen gewesen, für die es nicht in erster Linie um Religiöses ging. Das gibt das Bistum nun ohne Not auf, meint Wiehl. "Wenn die uns nicht brauchen, dann brauchen wir die auch nicht."

Er meint damit nicht die Buchhandlung, fügt er hinzu, sondern die Menschen, für die das Geschäft an der Schloßstraße mehr war als nur eine Buchhandlung. "Dann sollen sie sich ein Computerspiel Bistumsmanager 3.0 kaufen, das reicht dann auch", schickt er noch hinterher. Soll heißen: Die Bistumsleitung ist viel zu abgehoben.

Die meisten Bücher sind schon weg. Christiane Königsmann hat sie zurückgeschickt an die Verlage, von denen sie gekommen sind. Das sei keine Selbstverständlichkeit, meint sie, viele Verlage seien ihr da sehr entgegengekommen. Doch was sie mit den geschnitzten Statuen aus Tirol machen soll, die noch in den Vitrinen stehen, mit den hunderten Kalendern und Postkarten, mit Dresden-Mitbringseln, Tauf- und Hochzeitskerzen, mit den übrig gebliebenen Holz- und Glaskreuzen, das weiß sie noch nicht.

Weiterführende Artikel

Hilfsangebote für St.-Benno-Buchhandlung

Hilfsangebote für St.-Benno-Buchhandlung

Die Dresdner Traditionsbuchhandlung steht vor dem Aus. Kunden und eine Pfarrei wollen sie retten.

Aus für Dresdner Traditionsbuchhandlung

Aus für Dresdner Traditionsbuchhandlung

Das Mietverhältnis zwischen dem Bistum Dresden-Meißen und der St.-Benno-Buchhandlung ist zerrüttet. Was die Kirche dazu sagt.

Einlagern, ebenso wie die Ladeneinrichtung, für die sich vielleicht bis zum endgültigen Aus noch kein Käufer gefunden hat? "Da muss ich erst mal einen Ort dafür finden, bei dem auch die Miete passt", sagt sie. Der Gedanke daran macht ihr Mühe. Und danach? Eine Mitarbeiterin hat noch keine neue Arbeit gefunden, für alle anderen ist gesorgt. Was aus dem Eckladen an der Schloßstraße wird, weiß Christiane Königsmann nicht. Sie selbst braucht eine Auszeit. Sie sagt: "Ich glaub', ich muss mich erst mal erholen."

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden