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Der große Dresdner Stau-Report 2020

Der Navigationsgeräte-Hersteller Tomtom hat die Staus in Dresden ausgewertet – und einen klaren Tipp für weniger nervige Autominuten am Tag.

Staus sieht man in Corona-Zeiten seltener in Dresden. Wird das nach dem Lockdown so weitergehen?
Staus sieht man in Corona-Zeiten seltener in Dresden. Wird das nach dem Lockdown so weitergehen? © Rene Meinig (Archiv)

Dresden. Rote Ampeln, Unfälle, viel Verkehr: Wer auf dem Weg zur Arbeit täglich 15 Minuten im Stau steht, büßt im Jahr zwei volle Tage ein.

Zeit, die man mit Sicherheit sinnvoller verbringen könnte. Die gute Nachricht für Dresden ist aber: Das zweite Jahr in Folge ist das Stau-Niveau in der Stadt gesunken. Warum das so ist, wie man Staus in Zukunft noch besser umgehen kann und was der Trend für die Luftqualität bedeutet – das sind die wichtigsten Fakten zum Stau-Report 2020.

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Wie lange standen Autofahrer in Dresden vergangenes Jahr im Stau?

Dresdner Autofahrer waren 2020 im Schnitt 23 Prozent länger unterwegs, als sie gebraucht hätten, wären die Straßen frei gewesen. Ein Beispiel: Wer im Idealfall einen Arbeitsweg von 30 Minuten hat, saß etwa 37 Minuten im Auto.

Das Stau-Niveau drückt also den Zeitverlust durch Verkehrsbehinderungen aus. Ermittelt wird dieser Verlust jedes Jahr durch den Verkehrsdienstleister Tomtom, der dafür die übermittelten Echtzeit-Verkehrsdaten seiner Navigationsgeräte auswertet.

Das Stau-Niveau ist nun das zweite Jahr in Folge gefallen - trotz steigender Einwohner- und Autozahl in Dresden. 2018 lag es noch bei 26 Prozent, 2019 bei 25 Prozent. Insgesamt gab es 33 Tage, an denen das Stau-Level deutlich unter dem des Vorjahres-Tages lag.

Wie kommt es zu dem Rückgang?

Hauptgrund für das niedrige Stau-Level im vergangenen Jahr ist die Corona-Pandemie. Etwa vier Monate Lockdown mit geschlossenen Geschäften, harten Kontaktbeschränkungen und vielen Arbeitnehmern im Homeoffice sorgten für mehr Ruhe auf Dresdens Straßen.

Der Verkehrsmenge sei auf das ganze Jahr gesehen um acht Prozent zurückgegangen, teilt Tomtom mit. Eine weitere mögliche Erklärung liefert die repräsentative Verkehrsbefragung der TU Dresden. Demnach wird das Auto in der Stadt weniger für Erledigungen genutzt als noch vor zehn Jahren. Aufgeholt hat insbesondere das Fahrrad als Fortbewegungsmittel.

Standen Autofahrer an allen Tagen im vergangenen Jahr weniger im Stau?

Nein. Beim Stau-Niveau handelt es sich um einen Durchschnittswert aller Tage. Tatsächlich gab es viele Tage, an denen Autofahrer länger im Stau standen, und Tage, an denen weniger Geduld gefragt war.

Zu den besseren Tagen gehörten jene im Lockdown – von Mitte März bis Mitte April und von Mitte Dezember bis zum Jahresende. Richtig, erst im Dezember sank das Verkehrsaufkommen so stark, dass es deutlich messbare Unterschiede zu denselben Tagen im Vorjahr gab.

Und das, obwohl Deutschland bereits Anfang November in den Lockdown light ging und die Bundesregierung alle Menschen im Land aufgerufen hatte, die Kontakte zu reduzieren.

Am 15. Oktober zum Beispiel, als sich die zweite Corona-Welle bereits aufbaute, war der staureichste Tag in der Stadt. Autofahrer waren laut Tomtom im Schnitt 59 Prozent länger unterwegs.

Und wie sah es im Berufsverkehr aus?

Trotz Pandemie lag das Stau-Niveau am Morgen und am Abend auch in Dresden über dem Durchschnitt. Zeitaufschlag am Morgen: 36 Prozent. Am Abend waren es sogar 40 Prozent.

Das macht für einen 30-Minuten-Trip früh elf zusätzliche Minuten und abends zwölf. Wer seine Arbeitszeiten in Zukunft flexibel gestalten kann, für den hat Tomtom einen Tipp: Wer insbesondere den staureichen Donnerstagnachmittag meidet, vor allem zwischen 16 und 17 Uhr, spart für seinen 30-Minuten-Weg im Jahr bis zu zwei Stunden Extra-Zeit in seinem Wagen

Wie steht Dresden im Vergleich mit anderen Städten da?

Natürlich ist der Corona-Effekt nicht nur in Dresden zu spüren gewesen. Deutschlandweit gab es keine Großstadt, in der das Stau-Niveau zugenommen hat. Trotzdem gibt es noch recht große Unterschiede bei der Zeit, die man wartend auf der Straße verbringt.

Dresden liegt deutschlandweit auf Platz 8, zwei Plätze vor Leipzig. Spitzenreiter ist Berlin (plus 30 Prozent Stau-Zeit). Wer einen neuen Wohnort sucht, an dem es flüssiger vorangeht, sollte in den Westen Deutschlands ziehen. In Wuppertal liegt das Stau-Niveau bei 16 Prozent.

Welchen Effekt hat der rückläufige Verkehr auf die Umwelt?

Das sächsische Landesumweltamt hat für 2020 eine erste Luftqualität-Bilanz gezogen. Demnach ist die Stickstoffdioxid-Konzentration an der Messstation Dresden-Bergstraße auf einen Jahresmittelwert von 29 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gefallen. Vergangenes Jahr lag dieser noch bei 35 Mikrogramm, 2018 bei 40 Mikrogramm.

Welchen Anteil die Lockdowns daran habe, ist noch nicht ganz klar. Vorläufige Auswertungen zum ersten Corona-Lockdown im Frühjahr hatten gezeigt, dass insbesondere an verkehrsnahen Messstationen wie der Bergstraße geringere Luftschadstoffkonzentrationen aufgetreten sind.

Allerdings hängt die Luftqualität auch stark von der Wetterlage ab. Eine ausführliche Bewertung, wie sich die Corona-Pandemie auf die Luftqualität auswirkt, verspricht das Landesumweltamt für den Sommer.

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

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