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So vielen Dresdnern wurde der Strom abgedreht

Wegen unbezahlter Rechnungen wird vielen Dresdnern die Versorgung gekappt. Doch es gibt Hilfe in Coronazeiten.

Manchen Dresdnern wurde wegen Zahlungsrückständen der Strom abgestellt.
Manchen Dresdnern wurde wegen Zahlungsrückständen der Strom abgestellt. © dpa/Karl-Josef Hildebrand (Symbolbild)

Dresden. Seit Monaten ohne Job oder in Kurzarbeit. Die Mahnungen stapeln sich im Briefkasten und dann plötzlich wird der Strom oder das Wasser abgestellt. Das müssen manche Dresdner derzeit erleben - nicht nur in der Pandemie.

Über 2.000 Stromzähler im vergangenen Jahr gesperrt

Im Januar wurden neun Stromzähler gesperrt, im Februar waren es zwölf und ein Gaszähler. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. 2020 wurden in Privathaushalten insgesamt 2.004 Stromzähler, 19 Gaszähler und 19 Wasserzähler gesperrt. Das antwortet Oberbürgermeister Dirk Hilbert auf eine Anfrage von Linken-Stadtrat Christopher Colditz. 2019 waren es 2.193 Stromzähler, 21 Gaszähler und elf Wasserzähler.

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Ein Hauptgrund für die Sperrungen sei ein Zahlungsrückstand der Kunden. "Neben Zahlungsrückständen kann beim Wasser die Leitung auch wegen fehlender Abnahme gesperrt werden, um ein Verkeimen der Leitungen infolge des stehenden Wassers zu verhindern", erklärt SachsenEnergie-Sprecherin Nora Weinhold. Strom wird je nach Anlage mit Sperrbanderole, Sperrsicherung oder auch technisch gesperrt. Bei Gas und Wasser wird der Anschluss geschlossen und plombiert.

Sperren coronabedingt ausgesetzt

In Coronazeiten fehlte vielen schlicht das Geld, um die Rechnungen zu zahlen. "Bei Privatkunden ist es uns vereinzelt von Soloselbstständigen bekannt, die durch fehlende Einnahmen auch die laufenden Kosten für die Wohnung nicht mehr in vollem Umfang bezahlen konnten", sagt Weinhold.

Um den Menschen zu helfen, wurden im ersten Lockdown von Mitte März 2020 bis Juni 2020 keine Sperrungen durchgeführt. Seit Beginn des zweiten harten Lockdowns im Dezember werden erneut Sperrungen im Haushaltskundensegment weitestgehend ausgesetzt, so Hilbert. Außenstände werden weiterhin gemahnt, so die Stadt.

"Primäres Ziel ist es dabei, nicht nur die Zahlung zu erreichen, sondern vor allem auch gerade mit den Schuldnern, die eben nicht sofort oder nicht vollständig zahlen können, ins Gespräch zu kommen, um gemeinsam eine Lösung für die Tilgung der Zahlungsrückstände zu finden", so Hilbert.

Kunden sollen nicht bis zur Sperrung warten

Linken-Stadtrat Colditz betont: "Die Aussetzung der Sperren während des Lockdown ist ein guter erster Schritt. Die Energieversorgung ist ein Teil des menschenwürdigen Existenzminimums, wie auch das Bundesverfassungsgericht bestätigt hat."

Meistens finden bereits vorab Beratungen statt, um Stromsperren zu vermeiden, so SachsenEnergie-Sprecherin Weinhold. "Viele Kunden melden sich bereits nach Erhalt ihrer Rechnung schriftlich, telefonisch oder persönlich, wenn sie Schwierigkeiten mit der Zahlung haben." Der Versorger muss beim Strom mindestens zweimal auf eine drohende Unterbrechung hinweisen und mahnen. Beim Wasser schreibt das Gesetz eine Mahnung und die Ankündigung der Sperrung vor.

Wichtig sei es, dass der Kunde sich meldet und nicht wartet, bis der Strom gesperrt ist. Denn dann fallen zusätzliche, vermeidbare Kosten an. Eine Öffnung erfolgt erst wieder, wenn alles bezahlt wurde. "Nach der Pandemie ist es wichtig, dass die Energieunternehmen mit den Menschen ins Gespräch kommen und unbürokratisch Ratenzahlungen oder Stundungen anbieten. Hier sehe ich vor allem die städtischen Unternehmen in der Pflicht, soziale Lösungen zu finden", sagt SPD-Stadtrat Vincent Drews.

2020 wurden 2.158 Strom-, 25 Gas- und 21 Wassersperrungen aufgehoben. 2021 wurden im Januar und Februar 183 Strom-, vier Gas- und eine Wassersperrung aufgehoben. Hauptgrund dafür war die Zahlung der Außenstände. Weitere Gründe können Mieterwechsel oder Rückgabe der Wohnung an den Eigentümer sein.

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