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Tourismus in Dresden: "95 Prozent weniger Gäste"

Das erste große Hotel hat Insolvenz angemeldet. Manche Hoteliers hoffen nun auf Ostern, andere haben die Hoffnung auf das Frühlingsgeschäft längst aufgegeben.

Dresden wartet auf Touristen. Doch viele Hoteliers haben das Ostergeschäft schon abgeschrieben.
Dresden wartet auf Touristen. Doch viele Hoteliers haben das Ostergeschäft schon abgeschrieben. © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Keine Urlaubsreisen, kaum Gäste, fast leere Hotels: Corona trifft den Dresdner Tourismus hart. Vergangene Woche wurde bekannt, dass das erste große Hotel in Dresden Insolvenz anmelden musste. Das Quality Plaza Hotel auf der Königsbrücker Straße gab diesen Schritt bekannt. Werden weitere Häuser folgen?

Warum genau hat das Quality Plaza aufgegeben?

"Anfang November mussten wir unseren Hotelbetrieb zum zweiten Mal massiv herunterfahren", so das Unternehmen. Öffnungsperspektive: null. So ist am 11. November 2020 ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet worden. "Wir haben lange gehofft, zum gewohnten Hotelalltag zurückkehren zu können", so das Hotel.

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Hintergrund des lnsolvenantrags seien die Beschränkungen des Geschäftsbetriebes durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie. "Während der Umsatz des Hotels deutlich reduziert war, liefen die Kosten, insbesondere für die Pacht des Gebäudes, unverändert weiter. Mit Stellung des lnsolvenzantrages war das Unternehmen zugleich vom Bezug staatlicher Hilfen ausgeschlossen", so Insolvenzverwalter Harald Bußhardt auf SZ-Anfrage.

Wie steht es um die anderen Hotels in Dresden?

"Extrem schwer ist die Situation für uns Hoteliers, unser Beruf wurde uns entzogen. Jeden Tag durch ein leeres Hotel zu laufen ist fast traumatisch", sagt Thomas Gaier, Chef der Dresdner Hotel-Allianz und vom Schloss Eckberg. 2021 und 2020 konnte er in seinem Hotel 95 Prozent weniger Gäste begrüßen. Buchungen für 2021 habe er, aber mit sehr flexiblen Stornomöglichkeiten.

Marc Arendt, Chef vom Ringhotel Alt Dresden, bezeichnet das Jahr als "betriebswirtschaftlich eine Katastrophe. Auch die Unterstützungszahlungen kamen sehr schleppend und verspätet." In Dresden seien die Hotels abhängig von den touristischen Reisezeiten. Ostern sei immer der Startschuss für die Saison.

Lässt sich beziffern, wie stark es alle Hotels getroffen hat?

Klar, je mehr Betten belegt sind, umso mehr Geld verdient ein Hotel. Die Bettenauslastung ist damit ein guter Gradmesser dafür, wie es den Herbergen im ersten Corona-Krisenjahr finanziell ergangen ist.

Besonders schlimm erwischte es die Hotels in den Zeiten, in denen lediglich Geschäftsreisende einchecken durften. Im April 2020 sank die Bettenauslastung auf rund vier Prozent, teilt das Statistische Landesamt auf SZ-Anfrage mit. Zwar durften die Betriebe im Mai auch wieder Urlauber begrüßen. Doch es dauerte bis August, bis die Häuser im Schnitt wieder mehr als die Hälfte ihrer Betten auslasten konnten.

Im weiter andauernden zweiten Lockdown ist die Auslastung zunächst auf acht Prozent (November) gesunken, schließlich auf knapp sechs Prozent (Dezember). Wobei die Zahl der angebotenen Betten generell reduziert wurde.

"2020 konnten wir in unserem Hotel rund 70.000 Gäste begrüßen, das sind 50 Prozent weniger als im Vorjahr", sagt auch Cindy Knoblauch vom Bilderberg-Bellevue in Dresden. Vergleiche man Januar und Februar 2021 mit Januar und Februar 2020, hätte das Hotel rund 90 Prozent weniger Gäste verzeichnet.

Auch für diesen Frühling und Sommer sieht es noch nicht so rosig aus. "Hier muss man unterscheiden zwischen Buchungen von Freizeitgästen und Anfragen für Veranstaltungen. Im ersten Fall sind die Buchungen sehr verhalten", sagt sie.

Bei den Veranstaltungen konzentrierten sich die momentanen Anfragen auf das dritte und vierte Quartal 2021, so Knoblauch. Die aktuelle Situation sei für Hoteliers mit großen Herausforderungen verbunden. "Eine klare Perspektive und eine verlässliche Planbarkeit sind kaum möglich. Nichtsdestotrotz bleiben wir zuversichtlich und bereiten uns auf das Wiederaufleben des Freizeittourismus und unseres Geschäftes vor", so Knoblauch weiter.

Die Bülow Residenz und das Bülow Palais waren seit Dezember 2020 geschlossen und öffnen für nicht touristisch bedingte Reisen ab diesem Montag wieder die Türen, so Hoteldirektor Ralf Kutzner. Die Gastronomie bleibe jedoch weiterhin geschlossen. "Die Reservierungen im Verlauf des Jahres 2021 sind bisher sehr verhalten. Wir haben im Schnitt pro Monat bis zum Jahresende aktuell rund zehn Prozent in den Büchern."

Welche Hotels stehen noch vor einer Insolvenz?

Das ist derzeit nicht absehbar. Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzumildern, hatte der Bundestag Ende März 2020 das Insolvenzrecht geändert, die Insolvenzantragspflicht wurde zunächst bis Ende September, dann bis Ende Januar 2021 ausgesetzt und nun noch einmal bis Ende April verlängert.

"Erst nach dieser Frist werden wir genaue Zahlen dazu haben", sagt Axel Klein, Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes Sachsen und Regionalbereichsleiter für Dresden. Bis dahin werde man sehen, was die Konjunkturhilfen von Bund und Land den Gastronomen und Hoteliers in Sachsen gebracht haben.

Vieles sei noch unsicher, was diese Hilfen betrifft. "Wir kennen derzeit nur die Gesamthöhe der Hilfen. Was bei den einzelnen Unternehmen ankommt, ist aber unsicher", so Klein. Weitere Insolvenzen seien ihm derzeit nicht bekannt. Dennoch wisse er, dass viele Hotels im Hintergrund weiter um ihre Existenz kämpfen.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Wie schon im vergangenen Jahr könnten auch 2021 abgesagte Großveranstaltungen wie das Dixieland und die Bunte Republik Neustadt für erhebliche Umsatzeinbußen bei den Hoteliers in Dresden sorgen. Für andere große Veranstaltungen wie das Stadtfest und die Dresdner Filmnächte gibt es zwar noch Hoffnung, aber eine sichere Planung ist im Hotel- und Gastronomiegewerbe derzeit nicht möglich.

Im Dresdner Osten hat eine Traditionsunterkunft den Kampf ums Überleben bereits im vergangenen Jahr verloren. "Wir mussten aufgrund des Coronavirus das Hotel Smetana nach 26 Jahren schließen und werden leider nicht mehr öffnen", war Ende Mai 2020 auf der Internetseite des Hotels zu lesen, die kurz darauf abgeschaltet war. Das Vier-Sterne-Haus an der Schlüterstraße in Gruna wurde seit seiner Eröffnung 1994 privat von einer Pragerin geführt – die Corona-Pandemie bedeutete das Aus für Familie Naderi.

Werden die Hotels zu Ostern öffnen können?

Angesicht dessen, dass immer mehr sächsische Landkreise die kritische Marke von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner reißen und damit in einen erneuten, harten Lockdown steuern, stehen die Chancen für Hotelöffnungen momentan schlecht. Johannes Lohmeyer, Chef des Dresdner Tourismusverbandes und Betreiber von zwei Hotels, macht sich nicht viel Hoffnung auf das Frühjahrgeschäft: "Wir haben Ostern schon abgeschrieben." Dennoch verstehe er nicht, dass vollbesetzte Flieger nach Mallorca wieder möglich seien, während Urlaub in Dresden oder an der Ostsee zu Ostern untersagt bleibt.

Mit Blick auf die Insolvenz des Quality Plaza Hotels bestätigt der Tourismusverbandschef, dass das Problem mit der Pacht bei vielen Hoteliers ein Thema sei, inzwischen aber viele Betreiber mit ihren Vermietern eine Lösung dazu gefunden hätten. "Für die Eigentümer gibt es derzeit ohnehin keine Perspektive auf eine neue Vermietung." Lohmeyer geht davon aus, dass gut ein Drittel der Betriebe in der Hotel- und Gaststättenbranche die Corona-Krise nicht überleben werden.

Auch Dehoga-Chef Axel Klein kann nicht nachvollziehen, dass hier Hotels weiter geschlossen bleiben müssen, während Urlaubsreisen ins Ausland möglich sind. Immerhin hätten die meisten Betriebe gute Hygienekonzepte, ebenso gebe es strenge Regelungen in den öffentlichen Verkehrsmitteln, in Museen und anderen Kultureinrichtungen, die in Dresden ab 26. März wieder öffnen sollen. Mit Blick auf das Ostergeschäft bleibt Klein optimistisch, er geht davon aus, dass Hotels dann öffnen können. "Dafür werde ich weiter kämpfen."

Wie schnell könnte sich der Tourismus wieder erholen?

"Wir hoffen zunächst auf eine baldige Öffnungsstrategie für den Tourismus. Hauptzielmärkte unserer Restart-Kampagne sind neben Deutschland unsere Anrainerstaaten", so Dresdens Tourismuschefin Corinne Miseer. Sie sei optimistisch, mit den Vermarktungsmaßnahmen ebenso wie mit Events vor allem im Sommer viele Besucher nach Dresden und in das Elbland ziehen zu können.

"Grund für Optimismus und Zuversicht geben uns die Erfahrungen aus dem letzten Jahr, wo wir in den Monaten zwischen dem ersten und dem zweiten Lockdown die Nachfrage wieder recht zügig stabilisieren konnten. So konnte Dresden 2020 den geringsten Übernachtungsrückgang und die beste Zimmerauslastung im Vergleich der deutschen Großstädte verzeichnen", so Miseer.

Die Hotels seien aktuell entweder komplett geschlossen oder hätten nur für Geschäftsreisende geöffnet, was sich allerdings auf einem geringen Nachfrageniveau bewege. "Das bedeutet massive monetäre Einbußen und bringt die Hotellerie mehr als an ihre Grenzen. Wichtig ist jetzt, dass die noch ausstehenden staatlichen Ausgleichshilfen gezahlt werden, damit die Liquidität der Unternehmen gesichert ist", sagt die Dresdner Tourismuschefin.

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