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Dresdner Kriegsopfer-Gedenkort verwildert

Am Altstädter Kopf der Carolabrücke ist 2011 auf Initiative des Dresden Trust ein Rosengarten entstanden. In ihm wachsen mittlerweile viel mehr als nur Blumen.

Von Kay Haufe
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Der deutsch-britische Rosengarten an der St. Petersburger Straße in Dresden bietet derzeit keinen schönen Anblick.
Der deutsch-britische Rosengarten an der St. Petersburger Straße in Dresden bietet derzeit keinen schönen Anblick. © Sven Ellger

Dresden. Alan Russel hat die Einweihung des Grünen Gewandhauses 2019 auf dem Neumarkt nicht mehr miterlebt. Es war eine der letzten großen Aktionen, die der britische Dresden Trust unterstützt hat, dessen Ehrenpräsident Russel bis zu seinem Tod im Februar 2019 war. Doch Russels Bemühungen um Frieden und Versöhnung reichen ins Jahr 1993 zurück, als er den Dresden Trust zur Unterstützung des Wiederaufbaus der Frauenkirche gründete. Durch seine Bemühungen konnte mehr als eine Million Euro an Spenden für Dresdens bekanntestes Gotteshaus geworben werden.

Der Antrieb dafür waren fruchtbare Erlebnisse. Alan Russell hatte die deutschen Angriffe auf seine Geburtsstadt London miterlebt. Er war tief erschüttert über die verheerende Wirkung von Luftangriffen, auch auf Städte wie Coventry und Dresden. Deshalb warb der promovierte Historiker, Volkswirt und Diplomat zeitlebens für Versöhnung, unter anderem von Städten wie Coventry und Dresden.

Auch nach Fertigstellung der Frauenkirche fördert der Dresden Trust britisch-deutsche Beziehungen, unter anderem den Schüleraustausch. Dank des Engagements Alan Russels entstand 2011 auch ein Gedenkort für die Opfer des Krieges, der Deutsch-britische Rosengarten, auf der Rasenfläche am Brückenkopf der Carolabrücke, in Höhe der Neuen Synagoge in Dresden. Leider kennen ihn die wenigsten Dresdner. Und derzeit bietet die Grünfläche auch ein eher abschreckendes Bild.

Hohe Disteln wachsen im Beet, die Rosen sind von Unkraut überwuchert. Offenbar hat sich schon lange niemand mehr darum gekümmert. Torsten Kulke von der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND) macht das traurig. Er kannte Alan Russel persönlich, hat ihn mehrfach an dessen Wohnort Chichester besucht und war auch bei Russels Beerdigung. "Es tut mir persönlich weh, die Anlage so zu sehen", sagt Kulke.

An diesem Donnerstag soll in der Frauenkirche an Alan Russel erinnert werden. Filmemacher Ernst Hirsch und Hans-Joachim Jäger von der Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche Dresden sprechen ab 19.30 Uhr beim Donnerstagsforum in der Unterkirche über das Engagement Russels für die Frauenkirche und die Stadt. "Es wäre schön, wenn sich die Stadt besser um diesen Gedenkort kümmert", sagt Kulke.

Beim Amt für Stadtgrün ist man über den momentanen Zustand des Rosengartens durchaus im Bilde und nicht erfreut darüber. Für die Pflege ist der Regiebetrieb Zentrale Technische Dienste der Stadt zuständig. "Aufgrund der Nachwirkungen von Corona, erhöhtem Krankenstand und Urlaubszeiten, sowie dem feuchten Sommer sind uns die vielen Rasen- und Wiesenflächen förmlich gewuchert. Ebenso natürlich auch die Beikräuter in unseren Pflanzungen", sagt eine Sprecherin. Die Mitarbeiter seien zwar bemüht, alle Anlagen zu pflegen, kommen aber nicht hinterher.

Die Pflege des Rosengartens umfasst die Mahd der umliegenden Rasenfläche sowie Pflege, Düngung und Wässerung der Stauden und Rosen. Zusätzlich wird Laub beräumt und, wenn nötig, Müll aufgesammelt.

Der Deutsch-britische Rosengarten befinde sich momentan in der Vorbehaltsfläche für die Sanierung des zweiten Brückenzuges der Carolabrücke, sagt die Sprecherin weiter. Deshalb wurde die Pflege des Gartens nicht intensiviert. Zusätzlich laufe aber die Planung, um die Fläche zu erneuern. Dazu soll der Boden ausgetauscht werden, um den Disteln und Winden perspektivisch Herr zu werden.