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"Die Kleine ist meine größte Motivation"

Juliane ist 27 und schwanger, als ihre Hauptschlagader zu reißen droht. Ärzte des Dresdner Uniklinikums kämpfen um das Leben von Mutter und Kind.

Haben knapp überlebt: Juliane und ihr Töchterchen Holly.
Haben knapp überlebt: Juliane und ihr Töchterchen Holly. ©  Foto: Rene Meinig

Dresden. Diesen Schmerz wird sie nie vergessen. Vom Brustkorb aus schoss er mit einem Mal durch ihren Körper. "Das ist nicht in Worte zu fassen", sagt Juliane, die mit ihrem Töchterchen Holly auf dem Arm im Besucherraum der Chirurgie des Dresdner Uniklinikums sitzt. Oma Sigrun neben ihr lächelt dankbar. Es ist das vorweggenommene Happy End eines medizinischen Dramas, wie es auch die Ärzte hier nur selten erleben.

In ihrer Heimat Hoyerswerda hatte Juliane am 25. August ihre Frauenärztin besucht. Ein Routinetermin in der 36. Schwangerschaftswoche. Dann, mitten in der Untersuchung, der Schmerz. Juliane kommt in die städtische Klinik, wo die Ärzte schnell die Diagnose stellten: Aortendissektion. Eine Schicht der Hauptschlagader hatte sich gelöst. Von einer Sekunde auf die andere ging es für sie und ihr ungeborenes Baby um Leben und Tod. Durchblutungsstörungen drohten, die Organe der 27-Jährigen zu schädigen. Schlimmstenfalls hätte die Aorta platzen können.

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Bis zu 25 Prozent solcher Eingriffe enden tödlich

Mit dem Rettungshubschrauber wurde Juliane kurz darauf ins Herzzentrum nach Dresden geflogen, wo sie nach weiteren Untersuchungen rasch in den Operationssaal gebracht wurde. Zunächst wurde hier per Kaiserschnitt ihr Kind auf die Welt geholt. An dem komplexen Rettungseinsatz waren 20 Mediziner direkt beteiligt, neben den Geburtshilfe-Experten auch Herzchirurgen, Gefäßchirurgen und Anästhesisten.

Glücklich, alles überstanden zu haben: Juliane mit ihrer Mutter und Baby Holly.
Glücklich, alles überstanden zu haben: Juliane mit ihrer Mutter und Baby Holly. ©  Foto: Rene Meinig

Unmittelbar nach dem Kaiserschnitt widmeten sich die Ärzte der Mutter und operierten sie weitere drei Stunden lang, bevor sie in die Chirurgie des Uniklinikums verlegt wurde, wo eine weitere OP folgte. Bis zu einem Viertel vergleichbarer Eingriffe enden für den Patienten tödlich und es ist nicht allzu lange her, da galt schon die Aortendissektion selbst als Todesurteil. "Umso mehr erfreut bin ich, Mutter und Kind jetzt hier so zu sehen", sagt Kardiochirurg Professor Utz Kappert. "Das konnte allerdings nur durch die kurzfristig organisierte Zusammenarbeit der Fachabteilungen gelingen."

Von der OP zeugt äußerlich nur noch eine lange Narbe unterhalb des Halses. Das Sprechen fällt Juliane noch schwer, da bei der Intubation der Stimmnerv in Mitleidenschaft gezogen wurde. Trotzdem bringt sie die für sie wichtigsten Worte über die Lippen: "Ich kann allen Beteiligten nur von Herzen danken." An all die Ereignisse nach dem Frauenarzttermin in Hoyerswerda habe sie nur Erinnerungsfetzen.

Bekannt war zuvor schon, dass Juliane unter einer Bindegewebserkrankung leidet, die sie von ihrer Mutter erbte. Viele Jahre lang hatten sich jedoch keinerlei Symptome gezeigt, auch ihre erste Schwangerschaft und Geburt vor fünf Jahren war ohne Probleme verlaufen.

Dafür traf es die junge Frau nun mit voller Härte. "Es war ein Wink des Schicksals, dass das unter ärztlicher Aufsicht passierte", sagt Professorin Pauline Wimberger, die Leiterin der Geburtshilfeklinik. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn der Schmerz in der Brust für mehrere Stunden oder gar Tage nicht oder falsch gedeutet worden wäre.

Prof. Christian Reeps (l.) und Prof. Utz Kappert waren zwei der Ärzte, die im Herzzentrum und am Uniklinikum die Leben von Juliane und ihrem Töchterchen retteten.
Prof. Christian Reeps (l.) und Prof. Utz Kappert waren zwei der Ärzte, die im Herzzentrum und am Uniklinikum die Leben von Juliane und ihrem Töchterchen retteten. © René Meinig

Holly nimmt zu, der Mutter steht eine Reha bevor

Töchterchen Holly kam zwar durch die Umstände einige Wochen zu früh auf die Welt, hat die Strapazen aber bestens durchgestanden. Sie ist entspannt und hat großen Appetit. Wog Holly bei ihrer Geburt noch 2.120 Gramm, sind es jetzt, vier Wochen später, schon 750 Gramm mehr. 

Julianes Mann und Söhnchen Pepe waren schon häufig zu Besuch, bestreiten aber im heimischen Hoyerswerda ihren Alltag. Oma Sigrun konnte Dank der Dresdner Kinderhilfe bis auf Weiteres im Elternhaus Teddybär untergebracht werden. 

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In ihrem Patientenzimmer wartet Juliane nun zunächst auf einen passenden Reha-Platz. Wie es danach für die gelernte Heilerziehungspflegerin weitergeht, ist noch offen. "Fürs Erste zählt nur die Gesundheit", sagt sie. "Ich muss zu Kräften kommen, aber die Kleine ist dafür meine größte Motivation."

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