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Dresden: Viele Impfungen, wenig Grippe

In diesem Jahr haben sich besonders viele Menschen impfen lassen. Das ist auch im Januar noch möglich.

Von Tim Ruben Weimer
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Diesen Pieks wollen in diesem Jahr besonders viele Dresdner bekommen.
Diesen Pieks wollen in diesem Jahr besonders viele Dresdner bekommen. © dpa-Zentralbild

Dresden. Der Aufruf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) scheint Wirkung zu zeigen: Auf einer Bundespressekonferenz Mitte Oktober hatte er besonders die Risikogruppen aufgefordert, sich gegen Grippe impfen zu lassen, damit das Gesundheitssystem während der Corona-Pandemie nicht überlastet werde. Dem scheinen viele Dresdner gefolgt zu sein.

"Das Interesse an der Grippeschutzimpfung ist in diesem Jahr besonders hoch", teilt das Dresdner Gesundheitsamt mit, das neben den Hausärzten die zweite Anlaufstelle für Impfpatienten ist. Seit dem offiziellen Beginn der Grippesaison Anfang Oktober haben sich dort 2.555 Menschen gegen Influenza impfen lassen, das sind 661 Patienten mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders im Oktober war der Andrang groß, im Dezember dagegen haben sich wie im Vorjahr nur wenige Menschen impfen lassen.

Impftermine sind schwer zu bekommen

Das Gesundheitsamt impft Patienten in diesem Jahr erstmals nur nach voriger Anmeldung. "Durch die Terminvergabe können weniger Personen geimpft werden, als es dem tatsächlichen Bedarf entspricht", so die Behörde. Impftermine seien erst wieder ab Februar 2021 zu bekommen.

Auch bei den Hausarztpraxen herrscht Impfandrang. Die internistische Hausarztpraxis von Dr. Andreas Jenke auf der Königsbrücker Straße vergibt erst im neuen Jahr wieder Impftermine, etwa 200 Leute stehen auf der Warteliste. "Unsere Situation ist sehr angespannt", berichtet Dr. Stefan Pursche, Allgemeinarzt in derselben Praxis. Bislang seien dort im laufenden Jahr etwa 500 Patienten gegen Influenza geimpft worden, im vergangenen Jahr waren es in der gesamten Grippe-Saison, die laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) bis Mitte Mai dauert, nur 415 Impfpatienten.

"Es lassen sich deutlich mehr junge Leute impfen", stellt Pursche fest. Neben dem Aufruf des Gesundheitsministeriums könne dies auch daran liegen, dass mehr Krankenkassen die Impfung bezahlen. Seine Praxis hat wegen dem hohen Andrang spezielle Impfsprechstunden eingerichtet, in der die Patienten gezielt hintereinander weg geimpft werden.

Zeitweise nicht genügend Impfstoff

Auch in der Carus-Hausarztpraxis am Dresdner Uniklinikum ließen sich fast doppelt so viele Menschen impfen wie sonst, berichtet Schwester Bettina. Der Impfstoff, der sonst bis Ende Januar reichte, sei in diesem Jahr bereits Ende Oktober zur Neige gegangen. Die Großhändler, von denen die Praxis den Impfstoff bekommt, hätten etwa vier Wochen lang keinen Impfstoff vorrätig gehabt.

Ähnlich erging es dem Gesundheitsamt: Bis zum Eintreffen der nächsten vereinbarten Lieferung sei der Vorrat des Impfstoffes für etwa zwei Wochen "vermindert" gewesen. Seit der letzten Lieferung am 25. November sei nun aber wieder genügend Impfstoff vorhanden.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte nach eigener Auskunft bundesweit sechs Millionen Dosen Influenzaimpfstoffe zusätzlich beschafft, darunter Impfstoffe in französischer und US-amerikanischer Aufmachung. Zum 27. November hatte das Paul-Ehrlich-Institut insgesamt rund 25 Millionen Impfdosen in Deutschland freigegeben, im Vorjahr waren es zum letzten Zeitpunkt 21,2 Millionen, 2018 sogar nur 15,7 Millionen.

Bisher nur wenige Grippemeldungen

Dementsprechend wenige Influenza-Infektionen wurden in Dresden bisher gemeldet, bisher sind es acht. Was freilich auch daran liegen dürfte, dass viele Menschen ihre Kontakte sehr stark reduziert haben, um sich nicht mit dem Coronavirus zu infizieren.

Im vergangenen Jahr waren dem Gesundheitsamt bis zum 15. Dezember bereits 62 Infektionen gemeldet worden. Auch deutschlandweit stellt das RKI weniger Fälle von Atemwegserkrankungen fest als im Vorjahr.

Die Grippewelle könnte jedoch noch kommen. Das Gesundheitsamt empfiehlt, die Influenzaimpfung für Menschen über 60, Schwangere, chronisch Erkrankte und medizinisches Personal. Die Impfung lohne sich aber generell für Menschen jeden Alters. Das Risiko einer Doppelinfektion mit Influenza- und Sars-Cov-2-Viren könne durch die Impfung verringert werden.

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