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Vier-Tage-Woche im Kampf gegen Personalmangel

Das Dresdner Carolaschlösschen wagt ein neues Modell. Ist das auch für andere Branchen eine Option?

Sie finden die Vier-Tage-Woche in Ordnung: Küchenchef Frank Wiesner, Geschäftsführer Moyd Karrum und Chefkellner Roberto Meissner (v.l.).
Sie finden die Vier-Tage-Woche in Ordnung: Küchenchef Frank Wiesner, Geschäftsführer Moyd Karrum und Chefkellner Roberto Meissner (v.l.). © Marion Doering

Dresden. Beinahe jeder Gastronom in Dresden hat aktuell das gleiche Problem: Es fehlen Köche und Kellner. Jetzt will das Restaurant Carolaschlösschen einen neuen Anreiz für sein Personal setzen. Vier Tage arbeiten bei vollem Gehalt und drei freie Tage in der Woche. "Wir müssen etwas tun, um die Jobs in der Gastro attraktiver zu machen und die Leute zu halten", sagt Carolaschlösschen-Chef Moyd Karrum. Bei seinem neuen Modell arbeiten die Köche und Kellner dann an den Arbeitstagen zehn Stunden und haben dann drei Tage Zeit für Familie und Freunde.

"Das wird im Team sehr gut angenommen", sagt er. Ob einer der 39 Mitarbeiter das Angebot annimmt oder nicht, könne aber jeder frei entscheiden.

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Auch Gerd Kastenmeier bietet seinen Leuten das Modell an. Hier wird es aber nicht so intensiv genutzt, da das Personal lieber auf die Fünf-Tage-Variante zurückgreift. Dass es gerade für Eltern kleiner Kinder oft keine Option sei, zehn Stunden zu arbeiten, weiß auch der Carolaschlösschen-Wirt. "Einige Mitarbeiter bleiben auch in der Elternzeit von beispielsweise 9 bis 16 Uhr", sagt er. Sonst sei das Abholen der Kinder aus Schule und Kita nicht möglich.

Das Thema Gehalt sieht er nicht als Faktor für das in der Gastronomie grassierende Personalproblem. "Der Verdienst ist es nicht, sondern es sind die Arbeitszeiten. Hier müssen wir attraktiver werden als Branche", sagt Karrum. Er zahle "deutlich über Mindestlohn". Weitere Lohnerhöhungen seien, um die Wirtschaftlichkeit zu erhalten, keine Option. "Hier sehen wir eher die Politik hinsichtlich Steuererleichterungen in der Pflicht."

Mehr Freizeit und vielleicht eine bessere Vereinbarkeit mit Job und Familie? Ist das Vier-Tage-Modell auch für andere Branchen eine Option?

Wie regeln das die Krankenhäuser?

Im Städtischen Klinikum gibt es keine Vier-Tage-Woche nach dem Modell vom Carolaschlösschen. "Der Schichtbetrieb eines Krankenhauses mit einer 24-stündigen Verfügbarkeit von einzelnen Leistungen fordert differenzierte Arbeitszeitmodelle", sagt Viviane Piffczyk, Sprecherin des Städtischen Klinikums. Am Klinikum würden Wünsche zum Dienstplan von Mitarbeitenden, wenn möglich, berücksichtigt. "Darüber hinaus bieten wir unterschiedliche Modelle für die Arbeit in Teilzeit", sagt sie.

Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gebe es einen Betriebskindergarten, dessen Öffnungszeiten sich auch an Dienstzeiten für Pflegekräfte und Mediziner orientierten.

Auch an der Uniklinik gibt es das Vier-Tage-Modell nicht. Es gebe aber verschiedene Varianten in Voll- und Teilzeit, wie eine Drei-Tage-Woche in Vollzeit. Zur besseren Job-Familie-Vereinbarkeit gibt es Eltern-Kind-Zimmer mit Arbeitsplatz, eine arbeitgeberfinanzierte Kurzzeit-Kinderbetreuung für dienstliche Notfälle und Kita-Belegplätze in sechs verschiedenen Einrichtungen mit verlängerten Öffnungszeiten, so Sprecher Holger Ostermeyer.

Wie flexibel ist die Stadtverwaltung?

Die Stadtverwaltung ist an die geltenden Regelungen zur Arbeitszeit und zur Vergütung des Tarifvertrages gebunden. "Solange dieser eine Vier-Tage-Woche bei vollem Gehalt nicht zulässt, ist eine Einführung nicht möglich", so das Rathaus. Die Mitarbeiter würden grundsätzlich in Gleitzeit arbeiten. Jeder könne also wählen, je nach Terminlage, wann die Arbeit aufgenommen oder beendet wird. "Zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie besteht außerdem die Möglichkeit der Teilzeitarbeit, auch auf Führungsebene", sagt die Verwaltung. Außerdem habe man seit Corona vereinfachte Möglichkeiten zum Homeoffice geschaffen.

Wie läuft die Arbeitszeitverteilung bei Sachsen-Energie?

Auch der Energieversorger Sachsen-Energie beruft sich auf die Tarifverträge. "Dabei ist auch die Arbeitszeit ein wichtiges Thema, eine Vier-Tage-Woche wird jedoch derzeit nicht thematisiert", sagt Sprecherin Nora Weinhold.

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Die Beschäftigten, die nicht im Schichtdienst tätig sind, würden im Gleitzeitmodell arbeiten, das eine "hohe Zeitflexibilität" sichere. Alle, die nicht an einen festen Arbeitsplatz gebunden seien- etwa die Netzleitstelle, könnten Homeoffice machen.

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