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Volkshochschule Dresden: "Wir sind noch da"

Zum ersten Mal in ihrer hundertjährigen Geschichte gibt die Dresdner Volkshochschule keinen Katalog heraus. Im Lockdown muss sie sich neu erfinden.

VHS-Direktor Jürgen Küfner will seine Einrichtung fit für neue Online-Welten machen, ohne dabei die alten Kunden zu verprellen.
VHS-Direktor Jürgen Küfner will seine Einrichtung fit für neue Online-Welten machen, ohne dabei die alten Kunden zu verprellen. © SZ/Henry Berndt

Dresden. Die Tür ist zu. Schon seit Herbst können im Gebäude der Dresdner Volkshochschule an der Annenstraße keine Kurse mehr stattfinden. Die Corona-Schutzverordnung lässt keine Zusammenkünfte zu. Dennoch will VHS-Direktor Jürgen Küfner nicht den Eindruck erwecken, Ostdeutschlands größte Volkshochschule harre im Winterschlaf aus und warte auf bessere Zeiten.

"Wir sind noch da", sagt der 54-Jährige, "und wir sehen es mehr denn je als unsere Aufgabe an, die Dresdner im Erleben von Bildungsanboten zusammenzubringen". Aufgrund der derzeit schwer abzuschätzenden Entwicklungen habe sich die Einrichtung dafür entschieden, erstmals in ihrer über hundertjährigen Geschichte kein gedrucktes Programmheft mit den Kursangeboten herauszugeben. Stattdessen würden die Angebote online stetig aktualisiert.

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Gedruckt wurde anstelle des Katalogs zuletzt erstmals das kostenlose VHS-Magazin "Exkurs", in dem unter anderem Kursleiter persönlich vorgestellt werden. Außerdem enthält das Heft Tipps für die Fitness im Homeoffice und Hinweise auf aktuelle Schwerpunkte im Angebot. Geplant ist, dass das Magazin künftig zweimal im Jahr zusätzlich zum bekannten Katalog erscheinen soll.

Das Hauptquartier der Dresdner Volkshochschule an der Annenstraße ist seit Herbst fast komplett verwaist.
Das Hauptquartier der Dresdner Volkshochschule an der Annenstraße ist seit Herbst fast komplett verwaist. © SZ/Henry Berndt

Dass die Möglichkeiten derzeit auf das Digitale beschränkt sind, sieht Küfner auch als Chance für sein Haus. "Corona hat uns ein Stückweit unter Zugzwang gesetzt und uns dazu gebracht, dass Prozesse ins Zentrum rücken, die wir bereits in Gang gesetzt hatten."

So werde man sich künftig verstärkt den digitalen Möglichkeiten zuwenden. Neben Präsenzkursen mit Online-Anteilen soll es auch Kurse geben, die wahlweise vor Ort oder gestreamt zu Hause wahrgenommen werden können. Außerdem würden zahlreiche reine Onlinekurse erarbeitet, die weit über das bloße Abfilmen der Dozenten hinausgehen.

Seit vergangenem Frühjahr habe man insgesamt 155 Onlinekurse anbieten können und dabei insgesamt 1.163 Buchungen registriert. Allein die Hälfte dieser Buchungen verzeichnete die Dresdner Volksschulschule in den Monaten Januar und Februar dieses Jahres. "Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und die Menschen diese Angebote immer besser aufnehmen", sagt Küfner. "Darauf können wir stolz sein."

Zum Vergleich: Normalerweise bietet die Volkshochschule pro Semester rund 2.000 Kurse an und zählt dabei 20.000 Buchungen.

Der Musikpädagoge Stephan Pankow hat in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule einen Onlinekurs für Gitarren-Einsteiger entwickelt.
Der Musikpädagoge Stephan Pankow hat in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule einen Onlinekurs für Gitarren-Einsteiger entwickelt. © SZ/Henry Berndt

Als Beispiel für eines der neuen Online-Angebote nennt Küfner einen gerade fertigstellten und didaktisch aufwändig konzipierten Einsteigerkurs für Gitarre, der neben Videos auch Notenblätter, Übungen und sogar Kreuzworträtsel erhält.

Zu den derzeit angebotenen Onlinekursen gehören außerdem "Englisch zum Abendbrot", "Französisch zum Frühstück", "Gute Apps für Kinder", "Zeichnen lernen" und "Erste-Hilfe-Training". Auch Pilates, Zumba und Yoga werden in digitalen Formaten angeboten.

Trotz der Online-Offensive betont Küfner, dass die Kurse vor Ort auch weiterhin Priorität für die Volkshochschule hätten. Er hoffe, dass man den Präsenz-Unterricht an der Annenstraße nach Ostern wieder aufnehmen dürfe.

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