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Ansturm auf Dresdens Weihnachtsbäume

Liegt es an Corona? Die Dresdner Baumhändler machen dieses Jahr ein Bombengeschäft. Wo es jetzt Bäume gibt und worauf Sie beim Kauf achten sollten.

Im alten Heizhaus in Dresden verkauft Sven Hellmich seit zehn Jahren Weihnachtsbäume. Die letzten Lockdown-Wochen liefen für ihn außergewöhnlich gut.
Im alten Heizhaus in Dresden verkauft Sven Hellmich seit zehn Jahren Weihnachtsbäume. Die letzten Lockdown-Wochen liefen für ihn außergewöhnlich gut. © Christian Juppe

Dresden. Sie warten momentan gefühlt an fast jeder Ecke in Dresden auf einen Käufer: Die Rede ist von Weihnachtsbäumen. Doch bald schon könnten sie zur Mangelware werden. Und das, obwohl die begehrten Gewächse während des kommenden harten Lockdowns weiter verkauft werden dürfen. Auch am Wochenende sind die Stände offen - trotz verschärfter Regeln wegen der hohen Sieben-Tage-Inzidenz in Dresden.

In den vergangenen Wochen hat es bereits einen riesigen Ansturm auf Tanne, Fichte und Co. gegeben, wie mehrere Dresdner Händler berichten. "Wir lassen gerade viele Nerven", sagt Andreas Meile, der die begehrten Christbäume am Elbepark verkauft.

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In den vergangenen eineinhalb Wochen habe er deutlich mehr Geschäft gemacht als in den vergangenen Jahren, sagt Meile. "Ich kann nur spekulieren, ob das daran liegt, dass niemand verreist oder dass die Leute Angst hatten, keinen Baum mehr zu bekommen."

Erst am Dienstag wurde bekannt, dass Verkäufer wie Meile ihre Stände weiterhin geöffnet lassen dürfen. Trotzdem macht sich der Chef einer Baumschule Sorgen, ob dann überhaupt noch genügend potentielle Käufer zum Elbepark kommen.

Wo bekomme ich jetzt noch einen Baum?

Deshalb hat Meile erstmal keine Lieferung nachgeordert. "Zu riskant", sagt er. Das heißt auch: Wer ein besonders schönes Exemplar bei Meile will, muss schnell sein. "Wenn es so weitergeht, sind die hübschen Bäume Mitte nächster Woche ausverkauft."

Auch Sven Hellmich, der im alten Heizhaus in der Neustadt seit zehn Jahren Kunden mit Weihnachtsbäumen beglückt, erlebt verrückte Zeiten. "Wir liegen momentan 20 Prozent über dem Normalverkauf", sagt er. Gerade hat er aber noch genügend Bäume auf Lager.

In einem noch deutlich größeren Ausmaß, nämlich an zehn verschiedenen Orten in Dresden, verkauft auch die Gärtnerei Kleinstäuber Bäume aus ihrer Weihnachtsbaumkultur im Bahratal bei Bad Gottleuba, die genauen Orte stehen auf der Website der Gärtnerei. Direkt auf der Plantage kann der Weihnachtsbaum auch selbst geschlagen werden.

"Das Kaufverhalten der Leute ist in diesem Jahr völlig anders", sagt Robert Kleinstäuber. Seit dem Freitag vor dem ersten Advent erlebe auch er einen regelrechten Kundenansturm. "Die Leute hatten Angst, dass sie im Lockdown keinen Baum mehr kriegen können", sagt er.

Bei den Verkaufsstellen des Sachsenforsts wird es in diesem Jahr spezielle Coronaregeln beim Kauf des Baumes geben, an denen derzeit noch gefeilt wird. "In den letzten Jahren standen die Leute vor Heiligabend schon um sechs Uhr morgens bei uns an, um den besten Weihnachtsbaum zu bekommen. Das muss in diesem Jahr anders laufen", sagt Heiko Müller, der den Dresdner Staatsforstbetrieb leitet.

Bäume aus dem Sachsenforst werden ab nächster Woche in Klotzsche und an der Revierdienststelle in Bühlau verkauft. Hauptverkaufstermine sind der 19. Dezember und der Nachmittag des 18. Dezember.

Was kostet der Baum dieses Jahr?

"70 Prozent der Leute suchen sich eine Nordmanntanne aus", sagt Robert Kleinstäuber. Die kostet bei ihm zwischen 25 und 30 Euro und ist damit teurer als einheimische Baumarten wie Blaufichte oder Kiefer. Das liegt daran, dass sie besonders empfindlich auf Spätfrost reagiert und deshalb besonders gepflegt werden muss. Eine Nordmanntanne wächst außerdem etwa zwölf Jahre heran, eine Blaufichte nur neun Jahre.

Rund 30 Euro geben die meisten Kunden für ihren Baum aus, sagt Kleinstäuber. "Da stimmt dann die Nadelfarbe vielleicht nicht ganz, aber das sieht der Laie nicht." Hochqualitative Bäume kosten bei ihm bis zu 65 Euro.

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Beim Sachsenforst macht die Nordmanntanne dagegen nur etwa 20 Prozent der Nachfrage aus, sagt Heiko Müller. Hier wird die Nordmanntanne aus dem Osterzgebirge eingeführt, da sie in den Dresdner Wäldern nicht gut wächst. Viel gefragter sind aber heimische Bäume wie Kiefer und Fichte. Und die sind auch preiswerter: Eine Fichte kostet nur zwischen 10 bis 15 Euro.

Die Kehrseite: Eine Fichte hält nicht so lange wie eine Tanne oder eine Kiefer. "Der Trend geht weg von der gleichförmigen Nordmanntanne, der Weihnachtsbaum darf heute auch mal zwei Spitzen oder einen Knick im Stamm haben", sagt Heiko Müller. Der richtige Weihnachtsbaum sei aber immer eine Geschmacksfrage. "Es gibt keinen Standardweihnachtsbaum."

Sven Hellmich am Heizhaus verlangt für den Meter aller Baumarten generell 17 Euro. Bei Andreas Meile zählt die Ästhetik, der Meter Nordmanntanne kostet je nach Gleichmäßigkeit hier zwischen 12 und 17 Euro, jede Blaufichte knapp 13 Euro. Alle Händler gaben auf Anfrage an, dass die Preise im Vergleich zum Vorjahr nicht gestiegen seien.

Worauf muss ich beim Kauf und beim Aufstellen achten?

Frisch müsse der Baum sein, erklärt Heiko Müller vom Sachsenforst. Am Besten sei es, wenn der Baum selbst geschnitten wird - doch bei dem Kundenandrang aus einer Großstadt wie Dresden kann das der Staatsbetrieb nicht bewerkstelligen. Beim Sachsenforst seien die Bäume aber stets frisch geschnitten und pestizidfrei.

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Auch das Erscheinungsbild des Baumes müsse frisch sein: "Sind die Bäume zusammengedrückt und Äste abgebrochen, haben sie unter dem Transport gelitten", sagt Müller. Er warnt vor Internetkäufen: "Hier weiß man nie, was man kriegt."

Baumschulenleiter Meile rät dazu, das Schmuckstück vor dem Aufstellen in der Wohnung mit einer Säge anzuschneiden. "Außerdem darf die Rinde nicht beschädigt werden, weil der Baum sonst kein Wasser aufnehmen kann".

Apropos Gießen: "Das klingt viel, aber ein Baum braucht in der trockenen Heizungsluft durchaus ein bis zwei Liter pro Tag", sagt Meile. Generell halte ein Weihnachtsbaum in beheizten Räumen bei richtiger Pflege mindestens 15 bis 18 Tage bevor er nadelt, erklärt sein Kollege Hellmich.

Ich möchte nicht zur Waldabholzung beitragen. Was kann ich tun?

Eine Alternative sind Weihnachtsbäume im Topf, die für eine bestimmte Zeit ausgeliehen und danach wieder im Wald ausgesetzt werden. Heiko Müller vom Sachsenforst sieht diese Angebote jedoch kritisch. Ein Baum habe einen Jahresrhythmus, sagt er, und der werde durch zwei Wochen im warmen Wohnzimmer erheblich gestört.

Er habe schon erlebt, wie Weihnachtsbäume an Heiligabend plötzlich Knospen getragen haben. Wird der Baum dann wieder in den kalten Boden eingesetzt, überlebe er das nicht.

Ohnehin stammen die meisten Bäume der befragten Händler von speziellen Anbauflächen, auf denen sie zwischen vier und acht Jahren heranwachsen. Nur für spezielle Anlässe wie den Striezelmarkt würden Weihnachtsbäume tatsächlich aus dem Wald geholt, sagt Müller. Wer einen Weihnachtsbaum kauft, trägt deshalb noch nicht gleich zum Waldsterben bei.

Wer allerdings etwas Gutes für Natur und Mensch tun möchte, kann dies auch beim Weihnachtsbaumkauf. Andreas Meile etwa bietet sogenannte "Fair Trees" an. "90 Prozent der Saatguternte kommt aus Georgien", sagt der Baumschulenleiter.

Die fair gehandelten Bäume sichern den Familien der Bauern in der ehemaligen Sowjetrepublik ein faires Jahreseinkommen. Und wer besonderen Wert auf umweltgerechten Anbau legt, sollte auf Kennzeichnungen von Biokreis, Bioland, Demeter und Naturland oder das FSC-Siegel achten.

Alle Fairtrade-Verkaufsstellen in Dresden finden Sie hier. Verkaufsstellen für zertifizierte ökologische Weihnachtsbäume listet die Umweltorganisation Robin Wood auf ihrer Website auf.

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