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Finden Dresdens Weihnachtsmärkte statt?

Einer wurde bereits wegen Corona-Vorschriften abgesagt, um die anderen Dresdner Weihnachtsmärkte ringen die Veranstalter. Jetzt gibt es Uneinigkeiten.

Eröffnung des 585. Striezelmarkt 2019. Foto: Sven Ellger
Eröffnung des 585. Striezelmarkt 2019. Foto: Sven Ellger © Sven Ellger

Dresden. Aufgrund der strengen Corona-Auflagen hat der erste Veranstalter seinen Weihnachtsmarkt in Dresden abgesagt. Thoralf Rank hat am Freitag "schweren Herzens" die Entscheidung getroffen, dass sein Weihnachtsmarkt in der Münzgasse und an der Frauenkirche in diesem Jahr nicht stattfinden wird.

"Unser Problem ist tatsächlich der Platz", erklärt Rank gegenüber der SZ. Die Münzgasse ist sehr eng, Besucher könnten nur in eine Richtung über den Markt laufen, eine Kontrolle sei kaum möglich. Dazu kommt: In der Münzgasse gibt es sieben Restaurants, die benachteiligt seien, wenn Rank den Zugang in die Gasse regeln müsste.

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Nach der ersten Absage eines Weihnachtsmarktes meldet sich auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) zu Wort. "Die Absage des kleinen Weihnachtsmarktes auf der Münzgasse zeigt, in welcher schwierigen Situation wir uns in der Vorbereitung auf die Adventszeit befinden."

Die Stadt halte aber "selbstverständlich" weiterhin daran fest, den Striezelmarkt auch in diesem Jahr auszurichten. "Gleiches gilt für unsere Gespräche mit den privaten Weihnachtsmarktbetreibern in Dresden. Dabei gibt es für uns klare Prämissen, unter denen der Striezelmarkt stattfinden kann." Die Verwaltung müsse ein Konzept entwickeln, das die Gefahr einer massenhaften Ansteckung mit dem Coronavirus auf ein Minimum reduziert. "Die Gesundheit der Dresdnerinnen und Dresdner sowie die unserer Gäste hat oberste Priorität", so Hilbert. "Dazu werden wir den Markt entzerren müssen und so organisieren, dass sich keine sehr großen Menschenansammlungen bilden können." Demnach soll die Veranstaltungsfläche auf dem Altmarkt vergrößert werden, damit Händler und Gäste mehr Platz haben.

Mit der aktuellen Corona-Schutzverordnung sei es "eine sehr große Herausforderung", den Striezelmarkt zu organisieren, hieß es aus der Stadtverwaltung. Es sei daher nicht damit getan, den Altmarkt einfach nur zu umzäunen. So würde der Besucherandrang nur verlagert. Für den Striezelmarkt sollen nach derzeitigen Planungen weitere Flächen in der Dresdner Innenstadt genutzt werden. Ein dazugehöriges Hygiene-Konzept werde erarbeitet, hieß es.

Maskenpflicht für Striezelmarkt

Außerdem kündigt Hilbert an, dass eine Maskenpflicht angeordnet werde. "Diese werden wir mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt auch durchsetzen", sagt der OB. "Wie diese Regelung genau aussehen kann, erarbeiten wir gerade." 

Kritik an der Maskenpflicht kommt von der FDP. Robert Malorny, stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion im Dresdner Stadtrat: "Als FDP-Fraktion lehnen wir die Maskenpflicht auf dem Striezelmarkt und allen weiteren Märkten ab. Wir sind absolut überrascht und entsetzt." Jetzt lege auch die Stadt Dresden die Hürden für Weihnachtsmärkte immer höher. 

Es sei naiv zu glauben, dass der Freistaat seine Auflagen zurückschraube, wenn die Stadt auf einmal selbst Hürden auferlegt. "Eine Maskenpflicht auf Dresdens Weihnachtsmärkten käme einer generellen Maskenpflicht im öffentlichen Raum gleich, denn es sei nicht zu begründen, warum man auf dem Markt Masken tragen muss, aber in Fußgängerzonen beispielsweise nicht", so Malorny. Masken auf den Weihnachtsmärkten zerstörten die Atmosphäre, sorgten nur für noch weniger Besucher und es werde sich für Händler noch weniger rechnen.

Gesundheitsämter wären völlig überlastet

Der Oberbürgermeister fordert eine rechtliche Grundlage vom Freistaat, die auf eine Kontaktnachverfolgung für die Märkte verzichtet, da diese "unverhältnismäßig" wäre. "Die Marktbetreiber, zumal bei einer Freiluftveranstaltung, dürfen nicht schlechter gestellt werden, als die Betreiber von Einkaufszentren oder Passagen." 

Auch wären die Gesundheitsämter im Fall der Fälle völlig überlastet, wenn Tausende Adressen nachverfolgt werden müssten. "Mir ist völlig bewusst, dass der Freistaat vor einer großen Herausforderung steht, die Rahmenbedingungen für die Weihnachtszeit schon heute zu definieren", so der OB abschließend. "Und natürlich müssen alle Kommunen auch flexibel auf das Pandemie-Geschehen im November und Dezember reagieren. Dennoch braucht es jetzt schon Vorgaben, damit Marktbetreiber und vor allem Händler eine Planungssicherheit erhalten. Die wirtschaftliche Bedeutung der Weihnachtsmärkte ist für unsere Region riesig und ein Totalausfall würde zigtausende Existenzen bedrohen." Dem Striezelmarkt komme dabei eine besondere Bedeutung zu und eine Absage würde auch die traditionellen Märkte im Erzgebirge bedrohen.

Loschwitzer Weihnachtsmarkt plant weiter

Noch voll in der Planung ist der Loschwitzer Weihnachtsmarkt, so Lydia Göbel, Geschäftsführerin des Elbhangfest-Vereins. Stattfinden soll der 24. Elbhangfest-Weihnachtsmarkt vom 5. bis 20. Dezember. "Die ersten Händler sind schon vertraglich gebunden."

Unbedingt nötig sei aber die Vergrößerung der Fläche, um den Weihnachtsmarkt unter Corona-Bedingungen durchführen zu können. "Wir wollen den Markt bis zur Feuerwache auf der Fidelio-F.-Finke-Straße ausdehnen, damit wir die Buden entzerren können", so Göbel. Sie warte aktuell dafür auf ein OK der Stadt. Der Verein wolle dafür gern das komplette Marktgelände für den Verkehr sperren, auch das müsse noch abschließend mit der Stadt geklärt werden. Der Verein will den Besucherstrom auf maximal 1.000 Leute gleichzeitig auf dem Gelände begrenzen, dafür soll es flexible Einlasskontrollen geben, so Göbel. 

"Absage ist nachvollziehbar"

Frank Schröder, der Veranstalter des Weihnachtsmarktes an der Prager Straße, sagt: "Die Absage für die Münzgasse ist nachvollziehbar." Dort sei es sehr eng. "Den Markt kann man nicht großartig verbreitern." 

Anders sei das für seine "Dresdner Winterlichter". "Der Weihnachtsmarkt an der Prager Straße wird auf jeden Fall stattfinden", sagt Schröder. "Wir sind weiter in Abstimmungen mit dem Sozialministerium, wie wir das Konzept umsetzen können." 

Damit ist Schröder der erste Dresdner Weihnachtsmarkt-Betreiber, der sich festlegt. "Ich gehe auch davon aus, dass es in diesem Jahr auch die anderen großen Weihnachtsmärkte geben wird." Damit meint er unter anderen den Striezelmarkt als Flaggschiff, die Weihnachtsmärkte am Neumarkt und am Goldenen Reiter.

Kontaktverfolgung per App

Die Betreiber treffen sich diese Woche erneut mit der städtischen Wirtschaftsförderung um Robert Franke. Details werde es bis zum Start immer wieder zu klären geben, ist sich Schröder sicher. 

Als Testlauf sieht Schröder das Familienfest am Goldenen Reiter. Dieses veranstaltet er vom 2. bis zum 4. Oktober. "Dort wird eine Kontaktverfolgung per App zum Einsatz kommen, weil wir den Bereich vor der Bühne nur mit einer Kontaktverfolgung betreiben dürfen." Die in Dresden entwickelte App "pass4all" wird zum ersten Mal bei einer Großveranstaltung eingesetzt.

"Wir werden auch genau beobachten, wie das Verhalten der Besucher auf der Laufmeile sein wird, ob alle Masken tragen, und erhoffen uns daraus gute Erkenntnisse für die Weihnachtsmärkte", erläutert Schröder.

Stallhof mit großen Abständen und Badezuber

Der Mittelalter-Weihnachtsmarkt im Dresdner Stallhof soll auf jeden Fall wie geplant vom 23. November bis 6. Januar mit Pausen zu Weihnachten und Silvester stattfinden. Dafür hat Geschäftsführer Henri Bibow bereits ein Gesundheitskonzept erarbeitet, das derzeit vom Dresdner Gesundsheitsamt geprüft wird. "Wir haben gute Voraussetzungen, weil wir zwei Eingänge haben, an denen die Besucherzahl erfasst und reguliert werden kann", sagt Bibow. 3.000 bis 4.000 Gäste könnten so auf den beliebten Markt, weniger als sonst, aber so würde eine gute Atmosphäre gewährleistet, schätzt Bibow ein. Im Kloster Altzella habe es bereits vor einigen Tagen einen Testlauf nach diesem Prinzip gegeben, der gut funktioniert habe.

Auch sonst biete der Stallhof gute Voraussetzungen, um die Abstände wahren zu können. Es sei viel Luft zwischen den Arkadengängen und den Wegen, zudem reagiere der Veranstalter, in dem es keine großen Tavernen mit langen Tresen mehr gebe. Stattdessen setzt er auf Stehtische für drei bis vier Personen, zwischen denen hohe Trennwände aufgestellt werden. Auch die Bühne wird es 2020 nicht mehr geben, sondern mobile Unterhaltung.

Auf eine beliebte Attraktion will Bibow aber nicht verzichten: den Badezuber. "Wer dort miteinander baden will, kennt sich ja. Deshalb haben wir den Zuber mit beantragt."

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Insgesamt investiert Bibow rund 100.000 Euro in die Ausstattung des Marktes mit neuem Fußboden und neuen Buden. "Es wäre eine Katastrophe, wenn das wegen eines weiteren Lockdowns in den Sand gesetzt wäre", sagt Bibow und bezieht sich auf seinen Mittelaltermarkt in der Nähe von Erfurt, der jetzt verboten wurde. Wegen einer stark infizierten Reisegruppe, die aus Böhmen zurückkam, wurde im Kreis Weimarer Land ein Lockdown verhängt. "Da wünsche ich mir Unterstützung aus der Politik, das Risiko kann man als Veranstalter nicht allein tragen", sagt Bibow.  (mit epd)

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