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Dresden will mit neuem Forschungszentrum den Krebs bekämpfen

In Dresden entsteht für 20 Millionen Euro ein neues Krebsforschungszentrum. Ziel: Forschung für ein Leben ohne Krebs. Warum Dresden?

Von Moritz Schloms
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2019 betrachtet Michael Kretschmer mithilfe einer VR-Brille eine vom Krebs befallene Leber. Am selben Tag wurde die Vereinbarung zur Gründung einer Außenstelle des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Dresden unterzeichnet.
2019 betrachtet Michael Kretschmer mithilfe einer VR-Brille eine vom Krebs befallene Leber. Am selben Tag wurde die Vereinbarung zur Gründung einer Außenstelle des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Dresden unterzeichnet. © archivfoto: dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Eine halbe Millionen Deutsche erkranken jedes Jahr an Krebs. 35 Prozent sterben in den ersten fünf Jahren nach der Diagnose. "Forschen für ein Leben ohne Krebs" ist das Motto des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Dessen Sitz ist in Heidelberg. Die mehr als 3.000 Mitarbeiter erforschen, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, um zu verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Nun entsteht ein neuer Standort in Dresden - alle wichtigen Fragen und Antworten im Überblick.

Warum wurde Dresden als Standort gewählt?

"Der Standort Dresden bietet mit seiner Exzellenzuniversität, der TU Dresden, einer hervorragenden Hochschulmedizin, dem größten industriellen Cluster für Mikroelektronik in Europa und einem besonders gründerfreundlichen Klima beste Voraussetzungen", sagt Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ. Er arbeitete selbst über zwanzig Jahre in Dresden, bevor er Vorstandsvorsitzender in Heidelberg wurde. Unter anderem unterrichtete er als Professor an der TU.

Der Standort in Dresden wird die erste Außenstelle dieses Forschungszentrums und wird digitale Dienste als Schwerpunkt haben. Direkt neben dem neuen Forschungszentrum in Dresden steht das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT). Die Ergebnisse der Forschung können dort schnellstmöglich in der Klinik angewendet werden. Dresden wird damit ein Hotspot für die Krebsforschung und Therapie.

Michael Baumann hat Dresden mit zum Top-Forschungszentrum aufgebaut. Seit 2001 ist er Professor für Radioonkologie an der Technischen Universität Dresden.
Michael Baumann hat Dresden mit zum Top-Forschungszentrum aufgebaut. Seit 2001 ist er Professor für Radioonkologie an der Technischen Universität Dresden. © dpa/Sebastian Kahnert

"Der DKFZ-Neubau bereichert den onkologischen Campus der Hochschulmedizin um eine weitere Dimension der Krebsforschung", sagt Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums. "Die räumliche und inhaltliche Nähe der Fachdisziplinen sorgen dafür, dass neue Ansätze der Krebsmedizin so schnell wie möglich den Weg von der Forschung in die Krankenversorgung nehmen."

Woran wird in Dresden konkret geforscht?

Der Standort soll verschiedene Disziplinen verzahnen. Wissenschaftler der Ingenieurwissenschaften und der Physik sollen hier gemeinsam zukunftsträchtige Techniken für die Krebsforschung entwickeln. Im Mittelpunkt sollen smarte Sensoren, Robotik und künstliche Intelligenz stehen.

Schon heute gehe bei einer Operation kaum noch etwas ohne Robotik. Neues medizinisches Equipment, das in Dresden entwickelt werden soll, könne die Genauigkeit im Millimeterbereich bei Operationen erhöhen und so die Erfolgschancen verbessern.

Auch die Früherkennung von Krebs ist ein zentraler Bestandteil des neuen Forschungszentrums. Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Krebserkrankung begünstigen. Etwa Rauchen, Übergewicht oder Ernährung. "70 Prozent aller Todesfälle ließen sich vermeiden, wenn wir den Krebs viel früher erkennen könnte", sagt Michael Baumann. Mit digitaler Datenanalyse könne man die Heilungschance erheblich steigen.

Das Gebäude wird zudem die BioBank Dresden beherbergen, in der Biomaterial von Patienten vollautomatisch aufgearbeitet und bei bis zu minus 180 Grad in Stickstoff eingelagert wird.

Wie profitiert Dresden vom neuen Forschungszentrum?

Die neue Außenstelle des Deutschen Krebsforschungszentrums werde Dresden als Top-Wissenschaftsstandort weiter stärken, sagt Ministerpräsident Michael Kretschmer. Mindestens 100 neue Wissenschaftler sollen in Dresden Arbeit finden.

Außerdem entsteht in dem Zentrum eine Präventionsforschungsambulanz. Dresdner werden dort die Möglichkeit haben, sich über die Möglichkeiten der Krebsprävention zu informieren. Zusätzlich kann dort das individuelle Krebsrisiko ermittelt werden.

Wie viel kostet das neue Krebsforschungszentrum?

Der Neubau wird vom Freistaat Sachsen mit 20 Millionen Euro finanziert und auf dem Onkologischen Campus der Hochschulmedizin der TU errichtet.

Das neue Gebäude soll bis 2026 entstehen. Ihm soll bis 2028 ein Anbau folgen. Die Finanzierung für den zweiten Bauabschnitt ist noch nicht geklärt. Derzeit laufen dazu Gespräche. Der erste Bau wird fünf Etagen groß werden und 1.350 Quadratmeter Nutzfläche umfassen. Der Anbau soll sich über 1.000 Quadratmeter erstrecken.