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Dresden will Schulhöfe zum Spielen öffnen

In der Stadt fehlen Spielplätze und Sportmöglichkeiten - die es auf Schulhöfen eigentlich gibt. Wo nun ein Pilotprojekt startet und welche Pläne es gibt.

Auf dem Schulhof der Montessori-Grundschule an der Glashütter Straße darf nun auch am Wochenende gespielt werden. Neben Schaukeln gibt es ein Holz-Klettergerüst, Tischtennisplatten und einen Bolzplatz.
Auf dem Schulhof der Montessori-Grundschule an der Glashütter Straße darf nun auch am Wochenende gespielt werden. Neben Schaukeln gibt es ein Holz-Klettergerüst, Tischtennisplatten und einen Bolzplatz. © Sven Ellger

Dresden. Den Kindern ist langweilig daheim, doch der nächste Spielplatz ist weit entfernt. Oder es tummeln sich dort schon viele Familien. In einigen Stadtteilen fehlen solche Angebote oder sie reichen nicht aus. Deshalb gibt es in der Stadtverwaltung schon länger die Idee, Dresdner Schulhöfe für alle Kinder des Stadtteils zu öffnen - auch außerhalb der Unterrichts- und Hortzeit. Ein erstes Pilotprojekt dieser Art startet jetzt in Striesen. Dort dürfen Kinder und Familien nun auch an den Wochenenden den Außenbereich der Montessori-Grundschule nutzen. 

Warum öffnet vorerst nur eine Schule ihren Hof?

Der Träger der Montessori-Schule, der Verein Huckepack, hatte ohnehin den Plan, sich in den Stadtteil hinein zu öffnen. Deshalb hat der Verein die Chance, mit dem Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft ein Pilotprojekt zu starten, vor zwei Jahren gern angenommen. 

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Die Freifläche hinter der Schule an der Glashütter Straße hat jede Menge zu bieten: ein grünes und schattiges Gelände, ein großes Klettergerüst aus Holz, Schaukeln, zwei Tischtennisplatten, einen Tischkicker und einen Bolzplatz. "Die Öffnung unseres Geländes für Striesener Familien passt sinnvoll in unser Konzept", sagt Schul- und Hortleiterin Nelly Jakubowski.

Das jetzige Schulhaus soll bis 2023 durch einen Neubau ergänzt werden, mit dem dann ein Schulcampus im öffentlichen Raum entstehen soll. Die Öffnung des Hofes ab kommendem Sonnabend soll ein erster Schritt in diese Richtung sein.

Doch die Stadt sucht weitere Schulstandorte in Dresden, die sich dem Projekt Schulhof-Öffnung anschließen. Das sei gar nicht so einfach, erzählt Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne). Einige angefragte Schulen hätten schon abgesagt. Die Bedenken, wie das umgesetzt werden könne, seien zu groß. Auch deshalb hofft Jähnigen, dass der Probelauf an der Montessori-Schule nun gut funktioniert und zeigt, dass es weder mehr Aufwand für die Schulen ist noch anderweitige Probleme bringt. "Anordnen können wir das den Schulen aber nicht", so Jähnigen.

Wann wird der Hof der Montessori-Schule geöffnet sein?

Kinder, aber auch andere Anwohner dürfen das Gelände ab kommendem Wochenende jeweils sonnabends und sonntags in der Zeit von 8 bis 13 Uhr sowie zwischen 15 und 20 Uhr nutzen. Dafür wurden eigens ein neues Tor und eine spezielle Schließanlage eingebaut. Immer montags wird das Gelände auf Schäden oder Müll kontrolliert, sodass die Grundschüler den Spielplatz und Hof wieder sicher nutzen können. Dafür hat die Schule mit dem Amt für Stadtgrün einen Vertrag abgeschlossen. Dieser beinhaltet etwa auch Umbauten auf dem Gelände, wie das feste Installieren der Bänke und eine neue Nestschaukel. Die Kosten dafür hat die Stadt übernommen.

Die Öffnung des Schulhofes ist bis zum 31. Oktober befristet, soll 2021 aber fortgeführt werden. Geplant ist das dann jährlich von Frühjahr bis Herbst. Im Winter sind die Schulhöfe zu dunkel, auch Schnee und Eis könnten zur Gefahr werden.

Nelly Jakubowski, Grundschul- und Hortleiterin der Montessori-Schule in Striesen, war von der Idee sofort begeistert. "Das passt sinnvoll in unser offenes Konzept."
Nelly Jakubowski, Grundschul- und Hortleiterin der Montessori-Schule in Striesen, war von der Idee sofort begeistert. "Das passt sinnvoll in unser offenes Konzept." © Sven Ellger

Ist geplant, auch andere Schulhöfe zu öffnen?

Ja, sagt Eva Jähnigen. Konkret gibt es solche Pläne für die neuen Standorte des Gymnasiums LEO an der Bodenbacher Straße neben der Margonarena und die künftige Schule auf dem Schilfweg. Beide Standorte werden neu gebaut und der Schulhof dementsprechend mit einem Tor, das von außen zugänglich ist, gestaltet. 

Die Öffnung von Dresdner Schulhöfen folgt dem Beispiel anderer Städte und ist auch Teil des neuen Spielplatzentwicklungsplanes der Landeshauptstadt. Vor allem in Stadtteilen, in denen der Bedarf besonders groß ist, sollen damit schnell Sportspielflächen zur Verfügung gestellt werden. Dafür wurde in verschiedenen Stadtgebieten analysiert, wo besonders viele Familien leben, es aber zu wenige Spielplatzflächen gibt. Das ist derzeit vor allem in Blasewitz und Striesen der Fall. 

Warum hat es so lange gedauert, die Idee umzusetzen?

Das hatte vor allem rechtliche Gründe. Denn die Schulhöfe sind vom Landesjugendamt eigentlich nur für die Nutzung während des Unterrichts und im Hort genehmigt. "Es hat einige Jahre gedauert zu klären, wer im Falle eines Schadens haftet", erklärt Jähnigen. Das übernimmt nun die Stadt, auch das regelt der Vertrag zwischen Grünflächenamt und Schule. Auch sind die Rahmenbedingungen etwa in puncto Sicherheit an den Wochenenden andere, da es ja keine Aufsicht gibt. Aber auch das ist mit dem Landesjugendamt mittlerweile geklärt. 

Sollte sich eine Schule ebenfalls dafür entscheiden, ihren Hof zu öffnen, wird es eine Begehung vor Ort geben, bei der ein Sicherheitsgutachter kleinere Umbauten und Nachrüstungen auf dem Gelände und an den Geräten empfiehlt. 

Wie viele Spielplätze gibt es derzeit in Dresden?

Im Stadtgebiet stehen momentan rund 840 öffentliche Spielplätze zur Verfügung, 208 werden von der Stadt verwaltet. Die anderen Spielplätze gehören etwa Wohnungsvermietern wie den Dresdner Genossenschaften oder privaten Eigentümer. Angesichts der Corona-Krise muss Dresden den finanziellen Gürtel enger schnallen - auch, was künftige Investitionen in Spielplätze betrifft. Außerdem fehlen öffentliche Flächen, um weitere Spielplätze zu bauen. Zwar werden alle begonnenen oder bereits geplanten Bauprojekte noch beendet, ungewiss ist allerdings, wie es in diesem Bereich weitergeht. Da ist die Öffnung jener Plätze, die bereits da sind, eine preiswerte und vor allem schnelle Alternative.

Bereits 2015 hatten das auch Linke, Grüne und SPD im Dresdner Stadtrat gefordert. Die Reaktion auf das Pilotprojekt an der Montessori-Schule in Striesen ist entsprechend positiv. "Moderne Schulen sind nicht nur Orte des Unterrichts, sondern vielfältige Lern- und Bewegungsräume", so Agnes Scharnetzky, bildungspolitische Sprecherin der Grünen und Stadträtin für Striesen und Blasewitz. "Ich wünsche mir, dass das Modell Schule macht und künftig viele Schulen auf diese Weise in ihre Stadtteile ausstrahlen können." 

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Doreen Sommer, Grünen-Stadtbezirksbeirätin in Blasewitz, ergänzt: "Geschützte Orte, an denen Kinder freies Spiel praktizieren und sich in all ihrem Bewegungsdrang ausleben können, werden in Großstädten wie Dresden immer weniger." Gerade in Striesen seien die Möglichkeiten eingeschränkt. Umso mehr freue sie sich, dass sich der Verein Huckepack trotz organisatorischer Hürden dazu entschlossen habe, seinen Schulhof an Wochenenden zu öffnen.

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