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Dresden: Quarantäne-Folgen für Betriebe

Das Gesundheitsamt lässt viele Dresdner daheim, damit sich das Coronavirus nicht ausbreitet. Wie Unternehmen damit umgehen und wie sie sich schützen.

Dresdner Busse und Straßenbahnen können bislang ohne Einschränkungen rollen. Von Quarantäne sind nur wenige Fahrer betroffen.
Dresdner Busse und Straßenbahnen können bislang ohne Einschränkungen rollen. Von Quarantäne sind nur wenige Fahrer betroffen. © Archivbild/René Meinig

Dresden. Sobald das positive Testergebnis vorliegt, ist Schluss mit Kontakten in die Außenwelt. Wer das Coronavirus in sich trägt, darf nicht mehr einkaufen und auch nicht mehr zur Arbeit. Betroffen sind davon derzeit auch viele Dresdner Familien, deren Kinder daheim bleiben müssen.

An diesem Montag waren das mehr als 1.000 Schüler, dazu kommen weitere 1.000 Kita-Kinder und Erzieher. Während die Größeren ihre Schulaufgaben auch allein erledigen können, müssen die Kleineren zu Hause betreut werden. Hat all das Folgen für Dresdner Unternehmen, denen die Mitarbeiter fehlen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Teppich Schmidt
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Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Können Straßenbahn und Busse fahren?

Auf den Einsatz von Bussen und Bahnen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) hat die aktuelle Quarantäne-Regelung bislang keine erheblichen Auswirkungen. "Die Anzahl der Mitarbeiter, die sich bisher mit Corona infiziert haben, ist zum Glück sehr gering", sagt DVB-Sprecherin Anja Ehrhardt. Obwohl einige Beschäftigte wegen Quarantäne ausgefallen sind, habe es bislang keine Einschränkungen im Betrieb und beim Verkehrsangebot gegeben.

Konkrete Zahlen will sie mit dem Verweis auf die Tagung des Aufsichtsrates in dieser Woche nicht nennen. Alle, die hinter den Kulissen bei den DVB arbeiten, können auch mobil von daheim aus arbeiten, so die Sprecherin.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Wie sieht es bei Drewag und Stadtentwässerung aus?

Derzeit sind acht Mitarbeiter beim städtischen Versorger Drewag selbst mit dem Coronavirus infiziert, zehn Mitarbeiter befinden sich momentan in behördlich angeordneter Quarantäne. Drei von ihnen müssen sich um die Betreuung ihrer Kinder kümmern, die nicht zur Schule oder in die Kita dürfen, so die Drewag. Darüber hinaus wurde in zwei Berufsschulklassen von Drewag-Azubis Quarantäne angeordnet.

Seit März dieses Jahres gab es unter den mehr als 1.000 Angestellten 31 Mitarbeiter, die positiv getestet wurden. Bislang habe das allerdings keine Auswirkungen auf den Betrieb der Drewag, die Versorgung sei abgesichert.

Der Krisenstab im Unternehmen wurde nun im Zuge der steigenden Infektionszahlen wieder reaktiviert, er tagt jetzt wieder im wöchentlichen Rhythmus. "In den zentralen Bereichen, wie in den Leitwarten von Kraftwerken und Netzen, haben wir getrennte Schichten, die sich nicht überlappen. So sind wir auf alle Eventualitäten vorbereitet", erklärt das Unternehmen. Soweit es das Tätigkeitsfeld zulasse, arbeiten die Mitarbeiter mobil oder an flexiblen Arbeitsplätzen.

Auch die Stadtentwässerung kam bisher glimpflich durch die Krise. "Wir hatten einen Mitarbeiter, der positiv getestet wurde, daraufhin musste seine gesamte Schicht von acht Mitarbeitern im Klärwerksbetrieb in Quarantäne", so Sprecher Torsten Fiedler. Es gab aber keine Einschränkungen des ordnungsgemäßen Betriebes. Das Unternehmen beschäftigt rund 400 Angestellte.

Zurzeit sind drei Mitarbeiter in Quarantäne, sie sind jedoch selbst nicht positiv getestet. "Wir haben wie im Frühjahr – zur räumlichen Trennung bei mehrfach belegten Büros – die Möglichkeit eingeräumt, im Corona-Home-Office zu arbeiten", so Fiedler. Dazu wurden in bestimmten Bereichen die normalen Tagdienste in Früh- und Spätdienst aufgeteilt. Das betrifft etwa die Elektrowerkstatt, die Schlosserei und den Kanalnetzbetrieb.

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Wie sind andere Branchen betroffen?

Halbleiterhersteller Infineon Dresden beschäftigt rund 2.700 Mitarbeiter, viele arbeiten in der Produktion. "Derzeit befinden sich insgesamt 23 Mitarbeiter in Quarantäne", so Sprecher Christoph Schumacher. Sieben von ihnen sind selbst positiv auf das Virus getestet worden, so der Stand vom 19. November. Doch auch hier halten sich die Folgen derzeit noch in Grenzen: Die Quarantänefälle hätten keine Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb.

Über eine Gesamtzahl von Corona- und Quarantänefällen in den Dresdner Unternehmen gebe es keine Erhebungen, also auch keine Statistik, sagt Lars Fiehler von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden. Deshalb sei es auch schwer, die aktuelle Situation in den Branchen einzuschätzen.

Bislang seien die Betriebe glimpflich davon gekommen, obwohl es Coronafälle und damit einhergehende Quarantänebescheide gegeben habe. "Die innerbetrieblichen Abläufe sind davon aber noch nicht so gestört, dass Termine nicht eingehalten werden können oder Abteilungen geschlossen werden müssen", so Fiehler. Gravierendere Auswirkungen hätten eher fehlende Aufträge und Kurzarbeit.

Zudem seien die Unternehmen selbst daran interessiert, dass der Betrieb weiterläuft und organisierten etwa A- und B-Teams sowie die Möglichkeit des Home Offices, wo es sinnvoll ist. Sollten Mitarbeiter ausfallen, müssten die Kollegen die Mehrarbeit erledigen.

Und obwohl vor allem Angestellte im Einzelhandel mit vielen Kunden in Kontakt kommen, gäbe es aus dieser Branche bislang keine Meldungen über einen massiven Personalausfall.

Wo sind Folgen der Schüler-Quarantäne stark spürbar?

Dort, wo besonders viele Frauen arbeiten, macht sich die große Zahl der Kinder bemerkbar, die derzeit nicht in die Schule oder zur Kita gehen können. Das bestätigt Annett Dietze, Vorstandsvorsitzende der Friseurgenossenschaft Haarpflege.

In den zehn Dresdner Salons arbeiten viele junge Mütter, die zunehmend von der Quarantäne ihrer Kinder betroffen sind. Zuletzt waren von den 80 Mitarbeitern sieben vor allem wegen der Kinderbetreuung daheim, bei manchen sind es nur drei Tage, andere müssen zwei Wochen zu Hause bleiben.

Gut ein Drittel der Angestellten der Genossenschaft habe Nachwuchs, der betreut werden muss und Hilfe bei den Schulaufgaben benötigt, sagt Annett Dietze. Das ist zwar nur für Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren vorgesehen, aber es gebe durchaus auch größere Kinder, die nicht einen ganzen Arbeitstag allein zu Hause sein wollen und Unterstützung beim Unterrichtsstoff brauchen.

Sollten Schulen und Kitas womöglich ganz schließen, wäre das schon problematisch. "Ich weiß aber auch, dass sich oft die Großeltern um die Kinder kümmern oder der Partner im Home Office arbeiten kann."

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