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Dresden: Wohnen mit Elbblick

Am Käthe-Kollwitz-Ufer entstehen neue Wohnungen, die auch Geringverdiener mieten können. Wer dort noch wohnen kann und wann die Häuser fertig sind.

Wohnblock statt Hochhaus: So soll der Neubau am Käthe-Kollwitz-Ufer aussehen. Hier werden aber später nicht nur Sozialwohnungen vermietet.
Wohnblock statt Hochhaus: So soll der Neubau am Käthe-Kollwitz-Ufer aussehen. Hier werden aber später nicht nur Sozialwohnungen vermietet. © Visualisierung: Stefan Forster Architekten

Dresden. Großbaustelle mit Elbblick: In der Dresdner Innenstadt drehen sich die Kräne. In den kommenden Monaten werden sich mehrere Baulücken am Käthe-Kollwitz-Ufer schließen. In exklusiver Wohnlage werden insgesamt 330 neue Wohnungen gebaut.

Genossenschaft baut am Käthe-Kollwitz-Ufer

Die Stuttgarter Wohnungsgenossenschaft Flüwo errichtet zwischen Käthe-Kollwitz-Ufer und Florian-Geyer-Straße einen Neubau mit 120 Mietwohnungen, im Erdgeschoss soll es zwei Geschäfte geben. Außerdem entsteht eine zweigeschossige Tiefgarage mit 123 Stellplätzen. Sie soll dafür sorgen, dass sich die Parkplatzsituation in der Johannstadt mit den neuen Bewohnern nicht weiter verschärft.

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Dabei ist das Bauen an dieser Stelle gar nicht so einfach, wie Flüwo-Sprecher Dominik Ottmar erklärt. Aufgrund der innerstädtischen Lage und der beengten Verhältnisse gibt es keinen Platz für eine Böschung in der Baugrube. Deshalb muss sie mit Betonbohrpfählen gesichert werden. "Seit etwa drei Wochen wird die Bodenplatte betoniert und es werden die ersten Kellerwände gestellt."

Großbaustelle am Käthe-Kollwitz-Ufer: Hier baut die Stuttgarter Genossenschaft Flüwo 120 neue Wohnungen. Aufgrund der engen Platzverhältnisse muss die Baugrube speziell gesichert werden.
Großbaustelle am Käthe-Kollwitz-Ufer: Hier baut die Stuttgarter Genossenschaft Flüwo 120 neue Wohnungen. Aufgrund der engen Platzverhältnisse muss die Baugrube speziell gesichert werden. © Marion Doering

Auf dem rund 4.700 Quadratmeter großen Grundstück schließt das u-förmige Gebäude direkt an das Seniorenheim an. Auf rund 9.600 Quadratmetern Wohnfläche sollen Ein- bis zur Fünf-Zimmer-Wohnung entstehen. Im Neubau wird auch das Regionalbüro der Genossenschaft, das sich derzeit in Niedersedlitz befindet, untergebracht.

Die Flüwo investiert rund 40 Millionen Euro in den Neubau, für dessen Gestaltung zahlreiche Abstimmungen mit den Stadtplanern und der Gestaltungskommission nötig waren. Unter anderem ging es um den Farbton der Fassade, für die ein bestimmter Beige-Ton gewünscht war. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten im ersten Quartal 2019 beginnen, das hatte sich aber auf August 2020 verschoben.

Im ersten Quartal 2023 sollen die Wohnungen fertig sein, allerdings hänge das auch vom Wetter im kommenden Winter ab, so Ottmar. "Der Vermietungsstart ist für frühestens Mitte 2022 geplant. Vorab können sich Interessenten unter www.fluewo-neubau.de auf eine Vormerkliste setzen lassen."

Die Wohnungen zur Elbseite werden kleine Erker haben. Damit greifen die Architekten die für die Johannstädter Altbauten am Käthe-Kollwitz-Ufer so typische Gestaltung auf.
Die Wohnungen zur Elbseite werden kleine Erker haben. Damit greifen die Architekten die für die Johannstädter Altbauten am Käthe-Kollwitz-Ufer so typische Gestaltung auf. © Flüwo

Weitere Bauprojekte in Dresden geplant

Die Flüwo ist mit 9.460 Wohnungen und 10.000 Mitgliedern eine der größten Baugenossenschaften in Süddeutschland. Bislang vermietete das Unternehmen in 30 Städten und Gemeinden vor allem in Baden-Württemberg, seit Anfang der 1990er-Jahre aber auch im Dresdner Raum. Allerdings waren die rund 150 Wohnungen in Coswig und Weißig kein eigenes Bauprojekt, sondern wurden fertig gebaut übernommen.

Vor fünf Jahren fiel dann die Entscheidung, in Dresden weiter zu investieren und selbst zu bauen. Im Juni 2016 begannen die Arbeiten an 67 Wohnungen in Niedersedlitz, 2018 zogen die ersten Mieter in die kleine Siedlung an der Heidenauer Straße ein. Nun folgt das Großbauprojekt am Sachsenplatz. In den vergangenen Monaten war dort auf einem großen Banner zu lesen, dass die Genossenschaft weitere Grundstücke in Dresden sucht.

Im Dresdner Norden ist sie tatsächlich fündig geworden. Am Lauschigwiesenweg in Klotzsche entstehen insgesamt 39 Wohnungen sowie eine Tiefgarage mit 34 Stellplätzen und fünf oberirdischen Parkmöglichkeiten. Dort werden Zwei- bis Vier-Zimmerwohnungen angeboten, die Erdgeschosswohnungen sind barrierefrei zugänglich. Ende kommenden Jahres soll das Wohnhaus in Klotzsche fertig sein.

Neuer Entwurf für Sozialwohnungen schont Bäume

Am Käthe-Kollwitz-Ufer entsteht neben dem Flüwo-Neubau schon bald ein weiterer Wohnkomplex. Bauen wird diesen die städtische Wohnungsbaugesellschaft Wohnen in Dresden (WiD), und zwar direkt auf dem benachbarten Grundstück. Dort befindet sich derzeit noch ein Parkplatz, der auch Caravanstellplätze anbietet.

Ursprünglich hatte die WiD den Plan, auf dem Areal ein Hochhaus zu errichten. Dagegen gab es allerdings massiven Protest der Anwohner, die ein weiteres Hochhaus mit 16 Etagen in erster Reihe am Käthe-Kollwitz-Ufer verhindern wollten. Mit Erfolg - der Stadtrat lehnte die Hochhauspläne letztlich ab. Also musste umgeplant werden.

Inzwischen konnten in einem Ideenwettbewerb verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten gesammelt werden, im Februar wurde ein Siegerentwurf ermittelt. Er kommt von Stefan Forster Architekten aus Frankfurt am Main und konnte sich gegen vier weitere Entwürfe durchsetzen.

Obwohl der Bebauungsplan auch ein Gebäude mit Innenhof zugelassen hätte, wird der Neubau nun wie ein L gestaltet. Und das aus gutem Grund: Dadurch kann eine Baumreihe an der Florian-Geyer-Straße erhalten bleiben, die für ein Karree hätte gefällt werden müssen. Damit reagiert die WiD auf die Wünsche der Johannstädter, die im Rahmen der Bürgerbeteiligung geäußert wurden.

Nettokaltmiete für Sozialwohnungen: 7,50 Euro

Ende dieses Jahres soll der Bauantrag eingereicht werden, nun müssen die Planungsbüros die dafür nötigen Unterlagen erstellen. Zudem müssen mit der Stuttgarter Genossenschaft die genauen Abläufe besprochen werden, denn ab kommendem Jahr wird an beiden Bauprojekten parallel gearbeitet. Die WiD rechnet damit, dass die Arbeiten vor Ort im dritten Quartal 2022 starten, zwei Jahre wird es dauern, bis die 130 Wohnungen fertig sind. Was der Neubau konkret kosten wird, soll nun ermittelt werden.

Noch in diesem Jahr soll außerdem der Förderantrag eingereicht werden, mit dem die WiD Mittel beantragt, die der Bund und der Freistaat den Kommunen für den Bau von Sozialwohnungen bereitstellt. Die Netto-Kaltmiete dieser Wohnungen liegt bei etwa 7,50 Euro. Allerdings sollen nicht alle 130 Wohnungen nur an Menschen mit geringem Einkommen vermietet werden. Wenn ein Bauprojekt der WiD mehr als 50 Wohnungen umfasst, wird ein Teil davon auch auf dem freien Wohnungsmarkt angeboten.

Im Neubau am Käthe-Kollwitz-Ufer werden demnach 30 Wohnungen zu marktüblichen, also höheren Preisen vermietet, jeder kann sich für eine solche Wohnungen bewerben. Die restlichen Wohnungen stehen nur Dresdner zur Verfügung, die einen entsprechenden Wohnberechtigungsschein haben.

Weitere Sozialwohnungen an der Florian-Geyer-Straße

Die Regelung gilt auch für ein weiteres Bauprojekt der WiD, das allerdings schon etwas fortgeschrittener ist, sich aber in unmittelbarer Nachbarschaft befindet. An der Ecke Florian-Geyer- und Bundschuhstraße - wo derzeit noch ein Kitagebäude aus DDR-Zeiten steht - sind weitere 79 neue Wohnungen geplant. 17 von ihnen werden frei finanziert sein. Der Fördermittelvertrag für die Sozialwohnungen ist hier bereits unterschrieben, die Baugenehmigung liegt vor, nun kann es auf dem Grundstück losgehen. Während die Planer noch an den Details arbeiten, wird die ehemalige Kita seit Ende März abgerissen.

Bis Juli wird das Haus verschwunden sein, sodass die Arbeiten am Neubau im Herbst beginnen können.

An der Bundschuhstraße baut die WiD ab Juli 79 neue Wohnungen, 62 von ihnen werden als Sozialwohnungen vermietet. Derzeit wird auf dem Areal eine alte Kita abgerissen.
An der Bundschuhstraße baut die WiD ab Juli 79 neue Wohnungen, 62 von ihnen werden als Sozialwohnungen vermietet. Derzeit wird auf dem Areal eine alte Kita abgerissen. © WID

Auch hier soll eine Tiefgarage dafür sorgen, dass nicht zusätzliche Autos auf den ohnehin schon knapp bemessenen Parkplätzen entlang der Johannstädter Straßen stehen müssen. Anders als bei den bisherigen Bauprojekten der WiD parken die Autos der Mieter aber nicht auf dem Außengelände neben dem Neubau, sondern unterirdisch, damit die Fläche als Freizeitbereich genutzt werden kann.

Nach zwei Jahren Bauzeit könnten die Wohnungen Ende 2023 vermietet werden. Es ist das bislang größte Neubauprojekt der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, die 2017 gegründet wurde. Rund 100 neue Sozialwohnungen sind seitdem entstanden. An der Lugaer Straße in Neidersedlitz werden an diesem Freitag 25 weitere Wohnungen für knapp 50 neue Bewohner fertig. Die Vermietung beginnt ab Mai dieses Jahres, die Wohnungen werden von der WiD und dem Sozialamt vermittelt.

Derzeit baut die WiD an 14 Standorten verteilt im gesamten Stadtgebiet, bis Ende kommenden Jahres werden mehr als 400 neue Sozialwohnungen entstanden sein. Und weitere Projekte werden folgen.

Einen Überblick über die Bauvorhaben und das Angebot an freien Sozialwohnungen gibt es unter www.wid-dresden.de/standorte.

Bedarf an Sozialwohnungen wächst in Dresden

Dabei wird die Anzahl der Dresdner, die Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben, weiter wachsen. Anfang März hat der Freistaat beschlossen, die Einkommensgrenze zu erhöhen. Bislang galt für Eine-Personen-Haushalte ein jährliches Nettoeinkommen von maximal 13.800 Euro, künftig steigt die Grenze auf 16.800 Euro.

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