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Dresdner Literaturzeitschrift feiert 100. Ausgabe

Sie hieß schon "Ostragehege", bevor dort Kunst und Kultur einzogen: Nun feiern ihre Herausgeber das Jubiläum auf mehr als 200 Seiten.

Titelseite des Jubiläumsheftes "Ostragehege"
Titelseite des Jubiläumsheftes "Ostragehege" © PR

Dresden. Stillgelegte Hallen und Ruinen, das war vor 27 Jahren das Ostragehege. Keine Messe, keine Dinnershows, keine Hochzeiten, Kunstausstellungen und Konzerte gab es dort. Der Boom kam viele Jahre später, und erst in jüngerer Zeit hat der Name des Areals im Dresdner Westen den Weg in aller Munde gefunden.

Daran erinnert, erscheint es seltsam, dass eine Künstlergruppe schon Mitte der 1990er-Jahre eine Zeitschrift mit diesem Namen gründete. Die Schriftsteller und Dichter waren Visionäre, auch ohne zu wissen, dass dieser Ort neben Unterhaltung künftig Kultur beherbergen würde.

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"Es war Heinz Czechowski, einer der Gründer, der den Vorschlag machte", erklärt Axel Helbig, Projektverantwortlicher der Zeitschrift Ostragehege. Den Lyriker und Dramaturg habe einerseits das Gemälde "Das große Gehege" von Caspar David Friedrich aus dem Jahr 1832 und andererseits der Roman "Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug" von Kurt Vonnegut inspiriert. Beide großen Werke sind mit dem Ostragehege verbunden.

Gerade ist die 100. Ausgabe der Literaturzeitschrift Ostragehege erschienen - ein Druckwerk von 216 Seiten, an dem 100 Autoren gearbeitet haben. Dass die Herausgeber den Anlass damit so groß feiern, ist zu verstehen. Schließlich hat es viel Kraft gekostet, eine solche Publikation über 27 Jahre vierteljährlich erscheinen zu lassen.

Alle Einsendungen werden gelesen

Mag sein, dass die Auflagenhöhe von 500 Exemplaren klein erscheint. Dafür aber hat das Journal, das Freistaat und Landeshauptstadt fördern, eine große Reichweite entwickelt. Es wird weit über Dresden, Sachsen und Deutschland hinaus gelesen, hat Freunde im gesamten deutschsprachigen Raum sowie in den slawischen und skandinavischen Ländern.

Als sich die Gruppe aus Autoren und Poeten in den ersten Jahren nach der Wende entschloss, eine Zeitschrift herauszubringen, die überwiegend Lyrik, aber auch Prosa druckt, dazu Interviews, Rezensionen und eine Reihe weiterer Rubriken, war das die erste Möglichkeit nach Jahrzehnten. Während der DDR hätte ein solches Vorhaben unter Aufsicht des Staates gestanden und nicht frei und unabhängig arbeiten können.

Seither erfahren darin Künstler Aufmerksamkeit, berühmte und weniger bekannte - durch Publikationen im Blatt und dank der Rubrik "Lagebesprechung", in der erfahrene Autoren Newcomer vorstellen.

Rund 1.500 literarische Arbeiten gehen pro Jahr beim Verlag ein, nur 80 davon können abgedruckt werden. Doch alle Einsendungen werden gelesen. Dafür sind Axel Helbig und seine Redakteurskollegen Annett Groh, Aaron Koban und Patrick Wilden zuständig.

Soweit Corona es zulässt, werden sie auch wieder zu Veranstaltungen mit Publikum einladen. Diese Seite ihrer Arbeit lag lange brach: Lesungen, Präsentationen auf Messen, Künstleraustausch. Fünf Lesungen sind im Juni geplant, und am 11. August wird der Literarische Arena e. V., der Ostragehege herausgibt, Teil des Literaturfestes "Palais.Poesie" beim Palaissommer sein.

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