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Dresden: Zukunftpläne für das Sachsenbad

Das ehemalige Schwimmbad verfällt, viele Dresdner wollen es als Bad erhalten. Eine Idee lehnt der Denkmalschutz jedoch schon jetzt ab.

Das Sachsenbad auf der Wurzener Straße steht seit 25 Jahren leer. Ein Planungsbüro hat nun ermittelt, wie das Gebäude vor einem weiteren Verfall geschützt werden kann.
Das Sachsenbad auf der Wurzener Straße steht seit 25 Jahren leer. Ein Planungsbüro hat nun ermittelt, wie das Gebäude vor einem weiteren Verfall geschützt werden kann. © Sven Ellger

Dresden. Es kommt Bewegung in die Causa Sachsenbad. An diesem Freitag will die Stadt die Ergebnisse einer Untersuchung vorstellen, die sich mit verschiedenen Nutzungen des Gebäudes befasst. Erstellt wurde das Gutachten von der städtischen Tochtergesellschaft Stesad. Am kommenden Montag soll dazu außerdem ein öffentliches Bürgerforum in der Dresdner Messe stattfinden.

Die Stadt will das Grundstück samt Gebäude eigentlich an einen Investor verkaufen. Dieser plant, das Denkmal als Bürohaus auszubauen, auch Gastronomie und Saunen sind demnach Teil des Konzeptes. Dagegen hat sich Protest formiert. Die Bürgerinitiative "Endlich Wasser ins Sachsenbad" will das Denkmal an der Wurzener Straße in Pieschen unbedingt als Schwimmbad für Dresden erhalten.

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Dafür machen sich auch die Linken im Dresdner Stadtrat stark, die das Sachsenbad unbedingt in kommunaler Hand behalten wollen. Die Fraktion hat zuletzt mehrere Anfragen an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gestellt. Fraktionschef André Schollbach zu den die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie groß sind die Schäden am Sachsenbad tatsächlich?

Seit gut 25 Jahren ist das Sachsenbad nun geschlossen, seitdem verfällt das Gebäude zunehmend. Aus einer Anfrage von Schollbach geht hervor, dass im Januar dieses Jahres ein Planungsbüro damit beauftragt wurde, den gesamten Umfang der Schäden zu ermitteln. Ziel der Untersuchung war ein Konzept, wie das Gebäude gesichert werden kann und was das kosten würde. Die BfB Büro für Baukonstruktionen GmbH stellte fest, "dass der Zustand des Gebäudes eine umfassende Sicherung der Konstruktion vor Witterungseinflüssen erfordert, da es sonst zu einer fortschreitenden Schädigung des Gebäudes mit zunehmendem Verfall kommt."

Deshalb sollen das Dach abgedichtet und die Fenster verschlossen werden, damit nicht noch mehr Feuchtigkeit ins Gebäude gelangt. Je nachdem, wann eine umfassende Sanierung geplant ist, könnte ein Wetterschutzdach oder eine behelfsmäßige Notdachsicherung helfen, weitere Schäden zu verhindern.

Wie viel Geld hat die Stadt in die Sicherung investiert?

Schollbach sieht die Stadt in der Verantwortung für den schlechten baulichen Zustand des Denkmals. "Er ist die Folge jahrelang unterbliebener Erhaltungsmaßnahmen und des daraus resultierenden Siechtums des Sachsenbades." Auf eine weitere Anfrage Schollbachs zu den Sicherungsmaßnahmen teilt die Stadtverwaltung mit, dass zwischen 2010 und 2020 rund 29.000 Euro in die Sicherung des Gebäudes und rund 98.000 Euro in die Notsicherung des Daches geflossen sind.

In einer Liste werden die einzelnen Arbeiten aufgeführt - viele Maßnahmen waren nötig, weil Menschen unerlaubt in das Gebäude eingestiegen waren und dabei Dinge beschädigt hatten. 2012 etwa mussten 38 Fenster zugemauert werden, um zu verhindern, dass Fremde in das Sachsenbad gelangen - Kosten: rund 3.000 Euro.

Was sagt der Denkmalschutz zum neuesten Vorschlag?

Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD), der in Dresden auch für Sport und die Bäder zuständig ist, hatte zuletzt die Idee eingebracht, die Außenwände des Sachsenbades zu erhalten und eine moderne Schwimmhalle hinein zu bauen. Hintergrund ist das Bäderkonzept, das einen weiteren Standort im Bereich Pieschen/Neustadt vorsieht. Das würde das Sachsenbad erfüllen. Die Betriebskosten könnten aus dem Budget der Dresdner Bäder GmbH abgedeckt werden.

Allerdings zeigt eine Anfrage von Linke-Stadträtin Pia Barkow, dass die Denkmalschützer mit dieser Variante nicht einverstanden wären. Aus Sicht des Denkmalschutzes sei eine solche Vorgehensweise - also lediglich die Erhaltung der Außenwände, während die innere Anlage komplett umgestaltet wird - "pauschal nicht möglich, ohne die wesentlichen, das Denkmal konstituierenden Eigenschaften des Sachsenbades und damit dieses selbst zu zerstören".

Das Gebäude sei ein hochkarätiges Architekturzeugnis der ausgehenden 1920er-Jahre in Dresden und stehe in seiner Gesamtheit unter Schutz. Weiter heißt es in der Antwort, dennoch würden die denkmalpflegerischen Prämissen viel Raum für die bauliche Entwicklung des Gebäudes und des Umfeld lassen, "so dass die Ansprüche des Denkmalschutzes mit denen einer modernen Badnutzung durchaus in Einklang zu bringen wären, sollte eine entsprechende Investitionsabsicht bestehen". Das Sachsenbad weiterhin in seiner ursprünglichen Bestimmung als öffentliche Sport- und Gesundheitseinrichtung und als Schwimmhalle zu nutzen, würden die Denkmalschützer ausdrücklich begrüßen.

Warum findet am Montag ein Bürgerforum dazu statt?

Auf Antrag der Linken hatte der Stadtrat zuletzt beschlossen, dass ein öffentliches Bürgerforum zur Zukunft des Sachsenbades veranstaltet wird. In Vorbereitung darauf hat die Stadt die Stesad beauftragt, alternative Nutzungsmöglichkeiten und die damit verbundenen Kosten zu prüfen. Die verschiedenen Varianten werden am Montag nun öffentlich vorgestellt. Anschließend werden sie in einem Fachausschuss weiter vertieft.

Bei der Untersuchung wurden verschiedene Szenarien der Nutzung entworfen, etwa als Gesundheitsbad und als Kombination von Gesundheitsbad und Schwimmhalle. Eine weitere Variante könnte demnach auch ein separater Schwimmhallenneubau im Umfeld des Sachsenbades sein.

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Das Bürgerforum zum Sachsenbad findet am 19. April von 18 Uhr bis 20 Uhr in der Dresdner Messe statt und wird außerdem im Livestream von Dresden Fernsehen übertragen.

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