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Dresdens Bibliotheken werden teurer

Dresdens Bibliotheken sollen mehr leisten. Da das Geld dafür nicht reicht, sollen die Gebühren vor allem für Familien deutlich erhöht werden. Darüber gibt es Streit.

Die Gebühren für die städtischen Bibliotheken wie hier in Strehlen sollen deutlich steigen.
Die Gebühren für die städtischen Bibliotheken wie hier in Strehlen sollen deutlich steigen. © Marion Doering

Dresden. Die städtischen Bibliotheken in Dresden sind beliebt. Mehrere Millionen Ausleihen verzeichnen sie jedes Jahr in der Zentralbibliothek im Kulturpalast und in den 19 Zweigstellen.

Nun sollen sie noch mehr für die Stadt leisten - "Bibo 7/10", "3. Ort" und "Sharemagazines" sind die Schlagworte dafür. Aber das hat seinen Preis und den sollen nun die Nutzer zahlen - also die Dresdner.

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Mit dem Bibliotheksentwicklungsplan wurde auch beschlossen, dass das Projekt "Bibo 7/10" ausgebaut werden soll. Das bedeutet, die Bibliotheken bleiben auch in einigen Stadtteilen an sieben Tagen in der Woche geöffnet. Am Wochenende von 10 bis 18 Uhr, mit Wachpersonal gesichert. Dann können DVD und Bücher ausgeliehen, die Räume für Begegnungen, sozusagen als Kultur- und Nachbarschaftszentren genutzt werden. Letzteres versteckt sich hinter dem Begriff "3. Ort". Beratungen und Anmeldungen sind allerdings am Wochenende in der Bibliothek nicht möglich.

Die Zweigstelle in Südvorstadt war Ende 2019 die erste Bibliothek deutschlandweit, in der das erprobt wird. Als weiteres Angebot sollen die Bibliotheken zudem "Sharemagazines" anbieten. Die Idee dahinter ist, mehr teure Magazine für jedermann vorzuhalten und zugänglich zu machen. Das kostet allerdings mehr Geld als bisher eingeplant ist - und dafür sollen nun die Gebühren erhöht werden.

Wie teuer werden die Gebühren?

Bisher zahlen Familien für ein komplettes Jahr 20 Euro, um die Bibliotheken nutzen zu können. Dieser Betrag soll um 50 Prozent auf 30 Euro erhöht werden. Auch das Abo steigt von 20 auf 25 Euro für Familien pro Jahr.

Erwachsene sollen 20 statt 15 Euro als Jahresgebühr bezahlen und 15 statt zehn Euro im Abo. Die Nutzung für ein halbes Jahr pro Erwachsenem steigt von acht auf zehn Euro.

Auch bei den Säumnisgebühren wollen die Bibliotheken einiges draufschlagen. Diese sind pro Tag und Medium zu zahlen, die Höchstgrenze wird auf 24 Euro bei Erwachsenen gesetzt. Bisher lag diese bei 12,50 Euro, außer für Filme bei 23 Euro. Künftig sollen es 24 Euro sein, egal für welches Medium. Kinder unter 12 Jahren zahlen maximal 12 Euro. Zusätzlich werden die Mahngebühren erhöht.

Die Benutzungsgebühren wurden seit sechs Jahren nicht mehr erhöht und die Säumnisgebühren 30 Jahre, argumentiert die Verwaltung in der Vorlage dazu.

Dadurch sollen 150.000 Euro in diesem und 200.000 Euro im Jahr 2022 zusätzlich eingenommen werden, um die zusätzlichen Aufgaben der Bibliotheken zu finanzieren.

Was ist die Kritik an dem Plan?

Den Bibliotheksentwicklungsplan mit den zusätzlichen Aufgaben habe Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) vorgeschlagen und eine Mehrheit im Stadtrat beschlossen, sagt die für Kultur zuständige Stadträtin der Freien Wähler Susanne Dagen. "Wer bestellt, der bezahlt. Dieser einfache Grundsatz gilt bei der Kulturbürgermeisterin und der Mehrheit des Stadtrates schon lange nicht mehr."

Bisher seien nur einige ausgewählte Bibliotheken für das Projekt "Bibo 7/10" vorgesehen. "Längere Öffnungszeiten in wenigen Bibliotheken durch eine drastische Gebührenerhöhung vor allem bei Familien zu finanzieren, das ist das Gegenteil von Bildungsförderung und einfach nur ein kulturloser Etikettenschwindel", kritisiert Dagen. "Wir lehnen diese Erhöhung ab! Stattdessen sollte die Stadt Prioritäten setzen und elitäre Angebote, wie in Hellerau, in Frage stellen." Kritik am Programm des Festspielhauses Hellerau kommt immer wieder von Freien Wählern und AfD.

Was wird dem entgegnet?

"Die Pandemie führt dazu, dass wir vermissen, was vorher selbstverständlich da war. Die Städtischen Bibliotheken, die in den letzten Jahren eine herausragende Entwicklung für die Menschen in unserer Stadt hingelegt haben, gehören in genau solche eine Kategorie", so SPD-Kultur-Experte Richard Kaniewski. "Die wunderbare neue Zentralbibliothek, die Entwicklung der Stadtteil- und Schulbibliotheken, die Öffnung als Stadtteilzentren, Investitionen in digitale Medien und vieles Weitere mehr wurde in den letzten Jahren für die Dresdnerinnen und Dresdner auf den Weg gebracht."

Nun werden nach sechs Jahren die Gebühren angepasst - das sei "sozial verträglich und angemessen", so Kaniewski. "Eine Familie zahlt im Abo künftig 25 Euro statt 20 Euro im Jahr. Im Vergleich zu Disney+, Netflix und Co. weiterhin eine geringe Gebühr." Wichtig sei dabei: Kinder, Jugendliche sowie Dresden-Pass-Inhaber können die Bibliotheken weiter kostenfrei nutzen.

Wann sollen die neuen Gebühren gelten?

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Über die geplanten Erhöhungen wird zunächst im Kulturausschuss beraten. Nach bisherigem Zeitplan durchläuft die Vorlage zunächst weitere Ausschüsse und der Stadtrat soll am 4. März darüber entscheiden. Erst danach kann die neue Gebührenordnung im Amtsblatt veröffentlicht werden. Sobald sie dort erscheint, tritt sie in Kraft.

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