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Dresdens erste Drohnenstaffel rettet Leben

Wo Menschen durch Hochwasser, Trümmer oder Hitze keine Chance haben, können unbemannte Flugobjekte viel ausrichten. Doch auch Drohnen brauchen Piloten.

Ralf Rehwagen (l.) freut sich über jeden engagierten Freiwilligen. Beim ASB koordiniert er die Ehrenamtler und hat mit Jeffrey Hänsel einen ebenso leidenschaftlichen wie kompetenten Drohnenstaffelführer gefunden.
Ralf Rehwagen (l.) freut sich über jeden engagierten Freiwilligen. Beim ASB koordiniert er die Ehrenamtler und hat mit Jeffrey Hänsel einen ebenso leidenschaftlichen wie kompetenten Drohnenstaffelführer gefunden. © Sven Ellger

Dresden. Der mobile Start- und Landeplatz ist schnell aufgebaut. Das Manöver kann beginnen. Jeffrey Hänsel positioniert seine Drohne mitten auf der in Signalfarben bedruckten Plane. Die hat er mit kleinen Sandsäcken auf dem Fußboden fixiert. Dann tritt er zurück und greift den Controller. Sicherheitsabstand ist wichtig. Die Propeller der Riesendrohne, die ohne Zusatztechnik acht Kilogramm wiegt, rotieren blitzschnell und können gefährlich werden. Doch dieses Gerät ist dafür gedacht, Gefahren abzuwehren.

Seit Anfang des vergangenen Jahres hat Dresden mit Jeffrey Hänsel seinen ersten und einzigen Drohnen-Staffelleiter. Den Anstoß zur Gründung der besonderen Abteilung des Arbeiter-Samariter-Bundes Dresden/Kamenz gab sein Chef, Ralf Rehwagen. "Die Idee dazu ist mir aus meiner privaten Leidenschaft heraus gekommen", sagt der 36-Jährige, der sich in seiner Freizeit mit Drohnen beschäftigte. Beim ASB ist er zuständig für die Koordination der insgesamt rund 180 Ehrenamtlichen, die für die Wohlfahrtsorganisation im Einsatz sind. Aus anderen Bundesländern wusste er, dass dort bereits Drohnenstaffeln im Einsatz sind, meistens im Rahmen der Feuerwehren.

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"Wir haben Rehkitze gerettet"

"Bei uns gab es so etwas noch nicht. Dabei sind Drohnen ein sinnvolles Instrument, um Gefahren für Mensch und Tier zu erkennen und abzuwehren." Schwer sei es nicht gewesen, seinen Arbeitgeber ebenfalls davon zu überzeugen. Dabei braucht es ein gehöriges Budget und viel Manpower, um Hilfseinsätze mit den unbemannten Fluggeräten fliegen zu können.

Zum Beispiel zur Brandkontrolle. Mit Drohnen lassen sich in heißen Sommern mit hoher Waldbrandgefahr ganze Landstriche überwachen. Bei Flächenbränden können Drohnenführer Glutnester ausmachen und die Brandbekämpfer dabei unterstützen, sie zu löschen. Für die Suche nach verirrten Menschen sind Drohnen geeignet, ebenso, um Tiere zu schützen. Überall da, wohin Menschen durch Hochwasser, Geröll, Trümmer oder Hitzeentwicklung nicht gelangen können, haben Drohnen die bessere Chance.

"Im Frühjahr haben wir Rehkitze gerettet", erzählt Jeffrey Hänsel. Eine Agrargenossenschaft hatte angefragt und um Unterstützung gebeten. Beim Abmähen von Feldern und Wiesen kommen häufig junge Rehe ums Leben. Ihre Mütter legen sie im hohen Gras oder Korn ab, um sie so vor Feinden zu verstecken. Doch die großen Maschinen der Landwirte werden ihnen zum Verhängnis. Von ihrem Fahrerhaus aus können die Mähmaschinenfahrer die Kitze nicht sehen. Mithilfe einer Drohnenkamera jedoch machen die Retter sie ausfindig. "Zusammen mit einem Jäger tragen wir die Kleinen an den Feldrand, wo die Muttertiere sie finden", erklärt Jeffrey.

Die Kamera der Acht-Kilo-Drohne liefert Bildmaterial, das 200fach vergrößert werden kann. Auf diese Weise bleibt nahezu nichts verborgen, was sich in unwegsamem Gelände auf diese Weise erkunden lässt. Jeffrey Hänsel (l.) und Ralf Rehwagen betreuen moderns
Die Kamera der Acht-Kilo-Drohne liefert Bildmaterial, das 200fach vergrößert werden kann. Auf diese Weise bleibt nahezu nichts verborgen, was sich in unwegsamem Gelände auf diese Weise erkunden lässt. Jeffrey Hänsel (l.) und Ralf Rehwagen betreuen moderns © Sven Ellger

Nach der Schule hat er seine Ausbildung in den Elbe Flugzeugwerken absolviert und dort gearbeitet, bis er sich für ein Studium entschied. Jetzt studiert der 27-Jährige Maschinenbau. "In meiner Freizeit bin ich Renndrohne geflogen und war auf der Suche nach einem Verein und Leuten, denen ich mich anschließen kann", erzählt er. So stieß er auf den Aufruf des ASB, der zu einer Informationsveranstaltung einlud und Freiwillige unter den Drohnenführern suchte.

"Insgesamt rund 50 Interessenten haben sich gemeldet", erzählt sein Chef Ralf Rehwagen. Ehrenamtlich bei der Drohnenstaffel zu arbeiten, bedeutet, zunächst eine Schulung zu absolvieren und damit Grundlagen in der praktischen Handhabung der Technik, in Meteorologie und Flugrecht zu lernen. Außerdem muss jeder Kamerad der Drohnenstaffel mindestens 20 Flugstunden nachweisen, bevor er zum Einsatz kommt. "Eine eigene Drohne muss niemand haben", so Rehwagen.

Zum Equipment der Staffel gehören drei Drohnen: die große, acht Kilogramm schwere und rund 30.000 Euro teure, die Jeffrey gerade vom Boden abheben lassen hat. Außerdem eine mittelgroße und eine kleine Übungsdrohne im Wert von etwa 500 Euro.

Doch das genügt noch nicht, um als Drohnenstaffel einsatzfähig zu sein. Schließlich müssen die Drohnen an Ort und Stelle gebracht und auf dem Weg sicher verstaut werden. Eine ganze Menge Ausstattung gehört dazu: Akkus und Ladestationen, Rechentechnik für die Verarbeitung der Luftbilder, die die Kamera zum Boden sendet, ein großer Bildschirm ebenso. Auch Absperrmaterial und Werkzeuge für unwegsames Gelände. Das alles hat seinen Platz in einem Kleinbus, der speziell für diese Zwecke angeschafft und ausgebaut wurde.

Feuerwehren, Polizei, Wasser- und Höhenrettung, das Technische Hilfswerk und der Katastrophenschutzdienst können die Dienste der Drohnenstaffel in Anspruch nehmen. Der Einsatz kostet sie nichts. "Wenn wir aber für Forst- oder Agrarverbände fliegen, dann freuen wir uns über eine Spende für die Unterhaltung unserer Staffel", so Jeffrey Hänsel. Jüngst habe ein Jagdpächter darum gebeten, für ihn auf die Suche nach den Wildschweinrotten im Wald zu gehen. Vor dem Hintergrund der Schweinepestproblematik in Sachsen gilt auch das als Gefahrenabwehr. "Diese Situation muss immer gegeben sein, wenn wir ausrücken: Es geht nicht darum, entlaufene Katzen zu suchen, sondern darum, eine konkrete Gefahr abzuwenden", sagt Jeffrey Hänsel.

Spannende Einblicke auf der Messe Florian

Drohnen können Strahler transportieren und damit Gebiete ausleuchten, sie können Medikamente, Lebensmittel, Isolierdecken oder Kommunikationstechnik transportieren. "Es gibt Einsätze, für die sind Hubschrauber zu schwerfällig oder die Lage ist für Helikopter zu gefährlich. Dann kommt man mit einer Drohne deutlich weiter."

Doch jede Drohne braucht Drohnenführer. Deshalb suchen Ralf Rehwagen und Jeffrey Hänsel auch weiterhin Mitstreiter, die sich ehrenamtlich in der ASB-Drohnenstaffel engagieren. Aktuell umfasst sie 20 Freiwillige. Für jeden Einsatz sind zwei bis drei Kollegen gefragt.

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