merken
PLUS Dresden

Finanzbürgermeister: "Ihr gehört nicht zu Dynamo!"

Noch immer beschäftigen die Krawalle beim Dynamo-Aufstiegsspiel die Stadt. Dresden zahlt dem Verein viel Geld. So hat auch der Finanzchef eine klare Meinung.

Finanzbürgermeister Peter Lames hat eine klare Meinung zu den Dynamo-Krawallen, sieht die Unterstützung des Vereins aber auch als Pflicht an.
Finanzbürgermeister Peter Lames hat eine klare Meinung zu den Dynamo-Krawallen, sieht die Unterstützung des Vereins aber auch als Pflicht an. © Sven Ellger

Dresden. Peter Lames (SPD) ist im Dresdner Rathaus für Finanzen, Sport, Personal und Recht zuständig. Im SZ-Interview sagt er, wie er mit Randalierern bei Dynamo umgehen würde. Außerdem erklärt Lames, warum bei der Finanzierung des Bereichs Sport Fehler gemacht wurden, wie Dresden wieder zu mehr Geld kommen kann und weshalb in der Kritik am neuen Verwaltungszentrum "Unsinn in Dichte und Häufigkeit" vorgetragen wurde.

Herr Lames, ist nach der Entschuldigung im Stadtrat der Ärger um die Petition zum Dynamo-Zuschuss, in der Sie die Zielscheibe waren, verraucht?

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Ich bin im Text dieser Petition persönlich angegangen worden. Durch die Worte des Petenten im Stadtrat ist das für mich erledigt. Das gehört in so einer Position, wie ich sie habe, dazu. Aber man muss so etwas auch ansprechen, wenn unsere Diskussionskultur nicht abgleiten soll.

Im Stadtrat gab es Streit um mögliche Sanktionen für den Verein nach den Krawallen. Muss man Dynamo ans Geld?

Ich würde von so einer Verknüpfung dringend abraten. Wir müssen als Stadt unsere öffentlichen Aufgaben wahrnehmen. Im Fall von Dynamo und anderen Vereinen ist das die Sportförderung und die Bereitstellung der Infrastruktur zu marktgerechten Konditionen – also der Zuschuss zur Stadion-Miete. Das sollte man nicht miteinander verknüpfen, denn das ist sachfremd. Natürlich habe ich Verständnis dafür, wenn politische Gremien sagen, wir haben eine Erwartung, dass gesellschaftliche Verantwortung wahrgenommen wird.

Beim Aufstiegsspiel von Dynamo Dresden gab es Ausschreitungen, etliche Polizisten wurden von sogenannten Fans zum Teil schwer verletzt.
Beim Aufstiegsspiel von Dynamo Dresden gab es Ausschreitungen, etliche Polizisten wurden von sogenannten Fans zum Teil schwer verletzt. © Sebastian Kahnert/dpa

Das ist dann aber nicht Ihre Baustelle?

Meine Baustelle ist es nicht, ich bin aber eng damit befasst und habe eine Meinung. Es muss in einer gemeinsamen Anstrengung, die bis weit in den gesellschaftlichen Bereich reicht, gerade auch in den Bereich der Fans, gelingen, Gewalttäter zu isolieren. Und zu sagen: Ihr gehört nicht zu Dynamo! Und ihnen das auch gemeinsam deutlich und auf jeder Ebene erfahrbar zu machen.

Ist Dresden nicht so etwas wie der Hauptsponsor von Dynamo?

Wir sind kein Sponsor. Aber natürlich sind die Leistungen, die wir bringen, ein wesentlicher Baustein in der Wirtschaftsplanung des Vereins.

Leiden andere Dresdner Vereine unter Dynamo?

Das Profitieren überwiegt. Es gibt einen intensiven Austausch zwischen Dynamo und anderen Vereinen im Nachwuchsbereich. Dynamo setzt Maßstäbe für andere: Wenn wir Dynamo professionelle Bedingungen ermöglichen, sollten wir das für andere auch tun – die DSC-Volleyball-Damen, die Eislöwen, die Monarchs und die Titans. Das tun wir auch.

Aber es wird doch immer wieder gefordert, eher den Breitensport zu fördern?

Das ist eine Scheindebatte. Geld, das dem Spitzensport weggenommen wird, kommt nicht zwingend im Breitensport an. Nehmen wir den Vorschlag des Oberbürgermeisters, 10,7 Millionen Euro vom Jahresergebnis 2020 im Sport einzusetzen. Davon sind rund 8,7 Millionen Euro übrig geblieben. In keinem anderen Bereich hat es eine vergleichbare Entwicklung gegeben.

Woran liegt das?

Die Sportpolitiker waren zerstritten zur Frage der Erstligatauglichkeit der Halle. Wenn ich aber ein Paket aufmache, muss ich auch wissen, wie ich es wieder zu bekomme. Aber selbstverständlich sind auch die 8,7 Millionen Euro viel Geld, zumal wir sonst regelmäßig nur etwa zwei Millionen Euro jährlich für Sport-Investitionen zur Verfügung haben. Wir werden sinnvolle Dinge damit machen, gerade auch für den Breitensport.

Wie ist denn die Finanzlage Dresdens – auch in Bezug auf Corona?

Wir haben einen Haushalt aufgestellt, der der Krisensituation Rechnung trägt. Es gibt Bereiche in der Wirtschaft wie Tourismus, Gastronomie und Handel, die besonders stark von Corona betroffen sind. Auf der anderen Seite gibt es Bereiche, die von einem Wachstum profitieren und die insbesondere in Dresden angesiedelt sind, wie die Mikroelektronik. Insgesamt läuft es im Verhältnis zu den Planungen recht gut. Wir können nicht alle Wünsche erfüllen und haben uns auch, beispielsweise beim Personal, Restriktionen auferlegt, die wir aber zum Teil nicht einhalten können.

Was heißt das konkret?

Ich gehe davon aus, dass die Tarife erneut steigen werden. Das haben wir bisher nicht eingeplant, um ein Stück weit „auf Sicht“ zu fahren.

Aber das Jahr 2020 und die 109 Millionen Euro Überschuss haben Bund und Land gerettet?

Ohne die Hilfen von Bund und Land hätten wir alt ausgesehen, ja. Dazu haben wir in defizitären Bereichen der Verwaltung geringere Ausgaben gehabt, beispielsweise in den Kultur- und Sporteinrichtungen, weil sie geschlossen waren. Das heißt aber noch nichts für die Jahre 2021 bis 2025. Wenn wir den Wachstumskurs wie vor der Coronakrise wieder erreichen wollen, müssen wir zulegen. Sowohl bei den Steuern als auch beim Bevölkerungswachstum. Letzteres ist wichtig für die Schlüsselzuweisungen vom Land.

Wie kann das erreicht werden?

Durch weitere Industrieansiedlungen, die Schaffung vernünftiger Bedingungen auf dem Wohnungsmarkt und die Ausweisung von Baulandflächen. Das ist durchaus kompatibel mit dem Ziel, benachteiligte Stadtteile zu fördern. Denn auch dazu gehört die angemessene Bebauung in der Nachbarschaft, um die soziale Durchmischung zu verbessern.

Wie bewerten Sie die erneuten Diskussionen um das Verwaltungszentrum?

Das war eine unsägliche Diskussion im Stadtrat. Und das, obwohl der Bauauftrag bereits erteilt ist. Es wurde Unsinn in einer derartigen Dichte und Häufigkeit vorgetragen, dass man mit Richtigstellungen gar nicht hinterherkommt. Wir bauen das neue Verwaltungszentrum für Beschäftigte, für die wir sonst keine Räume haben. Wir mieten das Verwaltungszentrum bei einer eigenen Gesellschaft. Sonst müssten wir auf dem privaten Immobilienmarkt mieten. Dass ausgerechnet aus den Reihen der Linken, wie teilweise auch von der rechten Seite des Rats, Kritik daran kommt, kann ich nicht nachvollziehen.

Weiterführende Artikel

Das ist Dynamos neuer Linksverteidiger

Das ist Dynamos neuer Linksverteidiger

Der 25 Jahre alte Guram Giorbelidze wird vom Wolfsberger AC ausgeliehen. Schon am Mittwoch steigt er ins Training der Schwarz-Gelben ein.

"Dresden braucht verbindliche Regeln für E-Roller"

"Dresden braucht verbindliche Regeln für E-Roller"

Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) spricht über die Pläne für den Dresdner Verkehr. Vom DVB-Spar-Gutachten ist er "irritiert", warum erklärt er im SZ-Interview.

"Ich will kein Geld für mobile Lüfter ausgeben"

"Ich will kein Geld für mobile Lüfter ausgeben"

Er hat andere Konzepte, um Schulen auf eine vierte Corona-Welle vorzubereiten, sagt Dresdens Bildungsbürgermeister Jan Donhauser im SZ-Gespräch.

Das Gebäude wird ein entscheidender Impuls die Modernisierung der Verwaltungsabläufe, die wir vorhaben, für den Aufbruch ins digitale Zeitalter. Und zwar gemeinsam und im Interesse der Bürgerschaft und der Beschäftigten. Aktuell wird gerade der Bauantrag erarbeitet und der Baubeginn ist für Februar 2022 vorgesehen.

Mehr zum Thema Dresden