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Was stört die Dresdner an ihrer Stadt?

Rechtsextremisten, Pegida, Verkehr - die Verwaltung hat mehr als 6.000 Haushalte befragt, was sie am meisten sorgt. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Protest gegen Pegida auf dem Neumarkt: Die fremdenfeindliche Bewegung nimmt aus Sicht von 6.000 befragten Dresdnern einen Spitzenplatz auf der Problemliste ein.
Protest gegen Pegida auf dem Neumarkt: Die fremdenfeindliche Bewegung nimmt aus Sicht von 6.000 befragten Dresdnern einen Spitzenplatz auf der Problemliste ein. © dpa-Zentralbild

Dresden. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Ängste um Gesundheit, Arbeitsplatz und soziale Kontakte beschäftigen viele Dresdner derzeit wohl mehr als alles andere. Aber sonst? Womit hadern die Menschen? Noch bevor die Pandemie ihren Lauf nahm, startete die Stadt im Frühjahr eine repräsentative Bürgerumfrage und wollte auch wissen, was aus Sicht der Teilnehmer Dresdens größte Probleme sind. Mehr als 13.000 sind genannt worden. Welche das sind - die Ergebnisse. 

Was bereitet den Dresdnern denn am meisten Sorgen?

Die drei größten Probleme sind aus Sicht der Befragten der Verkehr, die Wohnsituation sowie Rechtsextremismus und Pegida. Dahinter folgen mit fast gleich vielen Nennungen die Corona-Krise und ihre Folgen, die Themen Kitas, Schulen und Bildung sowie die Stadtentwicklung, was das Baugeschehen in Dresden einschließt. Dass Corona keine höhere Position einnimmt, könnte unter anderem daran liegen, dass manche Teilnehmer die Fragebögen bereits Anfang März ausfüllten, andere hingegen erst während des Lockdowns Ende April. An der Bürgerumfrage beteiligten sich laut Stadtverwaltung rund 6.100 Haushalte.

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Was genau wird am Verkehr in Dresden kritisiert?

Immer häufiger in der Kritik stehen die Bedingungen für Radfahrer, schreiben die Statistiker der Stadtverwaltung in einem ersten Bericht zur Bürgerumfrage. Insbesondere der schleppend verlaufende Fahrradwege-Ausbau, zu schmale Radwege und der enge Elberadweg seien genannt worden. Letzteres führt Jahr für Jahr zu vielen Unfällen: Im vergangenen Jahr gab es auf der Altstädter Seite 28 Unfälle mit Personenschaden und einen, bei dem es beim Sachschaden blieb. Am häufigsten führen Konflikte zwischen Radfahrern zu Unfällen, sie machen knapp die Hälfte aus. Unfallschwerpunkte sieht die Polizei unter anderem an der Querung des Radweges unterhalb des Schillergartens sowie am Knotenpunkt Kötzschenbroder Straße und Bundesautobahn A 4. Auf der Neustädter Seite kam es noch häufiger zu Unfällen, 43 registrierte die Polizei dort 2019, 38 davon mit Personenschaden.

Und wie sieht es mit Wohnen aus?

Zu hohe Mieten und überteuerte Immobilien und Grundstücke ärgern die Befragten beim Wohnen am meisten. Seltener als in den letzten Jahren ist das Angebot an passenden Wohnungen genannt worden. Die Kritik an den Mietpreisen lässt sich mit Zahlen belegen: Sächsischer Spitzenreiter bei der Angebotsmiete ist einer aktuellen Auswertung des Forschungsinstituts Empirica zufolge ganz klar Dresden. Sie liegt in der Landeshauptstadt im Schnitt bei 7,50 Euro pro Quadratmeter. Leipzig befindet sich mit 6,79 Euro und Chemnitz mit 5,07 Euro darunter. 

Die Stadtverwaltung hat auch nachgeschaut, wer in nächster Zeit umziehen möchte und welche Probleme diese Dresdner am schlimmsten empfinden. Das Ergebnis: Wer innerhalb der Stadt eine neue Wohnung sucht, ist am häufigsten mit den Mieten und dem Wohnungsangebot unzufrieden. Rund 45 Prozent der Umzugswilligen haben das gesagt. Bei denen, die Dresden ganz verlassen wollen, waren es reichlich 30 Prozent. Wer nicht vorhat, die Wohnung zu wechseln, sieht die Mietpreise weniger problematisch. Nur etwa 25 Prozent gaben das an. Ein eindeutiger Schluss auf die Umzugsmotive ist das freilich nicht, allenfalls ein Anhaltspunkt.

Welche Rolle nimmt Rechtsextremismus ein?

Was Platz drei der größten Probleme angeht, so sind hier neben Rechtsextremismus die Ausländerfeindlichkeit in der Stadt und die Positionen der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung am häufigsten genannt worden. Auch das könnte - gerade Jüngeren - bestärken, den Wohnort zu wechseln.

Denn auf Platz zwei der größten Probleme bei Umzugswilligen kommen schon der wahrgenommene Rechtsextremismus in der Gesellschaft sowie Pegida. Auch das sehen befragte Dresdner, die keine Umzugspläne haben, tendenziell als weniger schlimm. Nicht-Umzugswillige äußern sich dagegen vergleichsweise häufiger unzufrieden mit der Sicherheit in Dresden sowie der Politik. „Da jüngere Menschen bis zum Alter von etwa 40 Jahren viel häufiger ihre Wohnung wechseln als ältere, spiegelt diese Unterscheidung gleichzeitig auch eine Abhängigkeit vom Alter der Befragten“, so die Stadt. Sprich: Jüngere empfinden Mieten und Rechtsextremismus stärker als Probleme als Ältere. Diese sorgen sich dagegen häufiger um ihre Sicherheit als Jüngere. 

War das in den letzten Jahren auch schon so?

Dresden fragt alle zwei Jahre nach den größten Problemen in der Stadt. Der Verkehr stand schon immer an erster Stelle. Mieten und Grundstückspreise liegen bereits seit der letzten Umfrage 2018 auf Platz zwei. Rechtsextremismus und Pegida sind erstmals 2014 genannt worden, damals aber noch deutlich seltener als heute. Mit der Flüchtlingskrise gewann das Thema an Bedeutung, sodass es Pegida im Ranking 2016 auf den zweiten Platz schaffte. Seit 2018 lag das Thema auf dem dritten Platz. „Auffällig ist, dass der Bereich Kriminalität und mangelnde Sicherheit erstmalig wieder seltener gezählt werden konnte und sogar auf das niedrigste Niveau seit Beginn der Befragungsreihe gesunken ist“, so die Statistiker der Stadtverwaltung.

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