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Dresdens höchstes Wohnhaus am verkehrsreichsten Platz

Vor 55 Jahren wurde das Hochhaus am Pirnaischen Platz übergeben – eine städtische Dominante an besonderem Ort.

Der Pirnaische Platz 1967. Dresdens höchstes Wohnhaus ist fertiggestellt. Die Nord-Süd-Verbindung über den Platz ist noch im Bau.
Der Pirnaische Platz 1967. Dresdens höchstes Wohnhaus ist fertiggestellt. Die Nord-Süd-Verbindung über den Platz ist noch im Bau. © SAE Sächsische Zeitung

Dresden. Nun soll es saniert werden, das Hochhaus am Pirnaischen Platz. Lange hatte es vor allem durch Vernachlässigung und Vandalismus Schlagzeilen gemacht. Jetzt will es ein neuer Eigentümer wieder in Schuss bringen. Am 7. Oktober 1966 war der 14-geschossige Bau am Pirnaischen Platz anlässlich des „Tages der Republik“ schlüsselfertig übergeben worden. Es war vor 55 Jahren, der 17. Jahrestag der DDR-Gründung.

Die Sächsische Zeitung berichtet damals vom „höchsten bisher fertiggestellten Haus Dresdens“. Der „gewaltige Wohnblock“, wie es hieß, schließe eine weitere Lücke im Stadtzentrum. In die 120 Eineinhalbzimmer- und 60 Einraumwohnungen könnten die Mieter einziehen, jede von ihnen mit Duschkabine, Kochnische und Einbaumöbeln. Mieter waren vor allem Mitarbeiter der VEB Sachsenwerk, Mikromat, Mühlenbau oder Hochvakuum.

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Flachtrakt mit "Gastmahl des Meeres"

In einem Flachtrakt war die HO-Großgaststätte „Pirnaisches Tor“ untergebracht mit der Selbstbedienungs-Gaststätte „Gastronom“, einer Mokkastube, einem Terrassencafé sowie dem „Gastmahl des Meeres“, der ersten Fischgrillbar der DDR. Die DDR-Fachpresse lobte die „hervorragende Gestaltung“ des Hauses.

Etwa zwei Jahre war an dem 48 Meter hohen Hochhaus nach Plänen des Architekten Peter Sniegon sowie des Architektenkollektivs Herbert Löschau, Hans Kriesche und Gerhard Landgraf gebaut worden. Der Bau bildete den markanten Abschluss der Ost-West-Magistrale. Bekannt war das Haus auch wegen der provokanten Losung „Der Sozialismus siegt“, die 1968 unter der Dachkante angebracht wurde und weithin sichtbar rot leuchtete, bis sie in aller Stille wieder entfernt wurde. Die Dresdner machte daraus in ihrer Mundart „Der Sozialismus siecht“.

Ein Kaiserpalast für den Platz

Der Pirnaische Platz, an dem das Haus steht, ist wohl einer der verkehrsreichsten Orte der Stadt. Von 1591 bis 1820 befand sich an dieser Stelle das Stadttor Richtung Pirna, das 1821 bei der Beseitigung der Festungsanlagen abgerissen wurde. An seiner Stelle entstand als Auftakt zu Innenstadt mit dem Platz eine Verbindung zu den Vorstädten. Er wurde von Wohnhäusern gesäumt, die nach Entwürfen des damaligen Hofbaumeisters Gottlieb Friedrich Thormeyer errichtet worden waren.

Um 1900 entstanden dann einige protzige Geschäftshäuser, die eigentlich nicht zu den zurückhaltenden Thormeyer-Bauten passten. Das wohl bekannteste von ihnen war der zwischen 1895 und 1897 für den Unternehmer Hermann Ilgen errichtete neobarocke „Kaiserpalast“ mit verspielter Sandsteinfassade, Balkons, Erkern und Türmchen. Illgen war als Apotheker mit einem neuartigen Mäuse- und Rattengift vermögend geworden und war später in die Immobilienbranche gewechselt. Während in den unteren Etagen Restaurant und Hotelbetrieb vorgesehen war, sollten weiter oben Wohnungen entstehen. Um 1920 zog in das Gebäude eine Bank ein. Bei den Luftangriffen 1945 wurde der Kaiserpalast schwer getroffen und brannte aus. Die Ruine wurde 1951 abgerissen.

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Als architektonisch bemerkenswert gilt der dem Hochhaus diagonal gegenüberliegende achtstöckige Eckbau im Stil der Neuen Sachlichkeit. Es besticht durch angenehme Ruhe, Klarheit und bescheidene Unaufgeregtheit. Allerdings atmet der prägnante Eckbau eine gewisse Nüchternheit. Es war in den Jahren 1959 und 1960 nach Plänen von Herbert Terpitz, Heinz Mersiowsky und Manfred Arlt erbaut worden. In den unteren Etagen gab es in der „Spowa“ Sportartikel zu kaufen. Eine geschwungene Treppe führte ins erste Obergeschoss. Ein Wandfries im Erdgeschoss mit der Darstellung von Sportlern erinnert noch immer an die Geschichte des Hauses.

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Komplettiert wird das Ensemble am Pirnaischen Platz von den Gebäuden des ehemaligen VEB Kombinat Robotron, einst Sitz des Zentrums für Forschung und Technik (ZFT). Der Komplex war 1969 bis 1972 vom VEB Wohnungs- und Gesellschaftsbau errichtet worden. Im Inneren gab es vor 1989 in den Laborräumen und im Rechenzentrum mit riesigen Rechenmaschinen schon eine Vollklimatisierung.Der ganze Komplex war ursprünglich für acht Forschungseinrichtungen konzipiert. Später hatte jedoch dann allein das Robotron-Kombinat alle Gebäude vereinnahmt.

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