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Dresdens Luft ist deutlich sauberer geworden

So gering wie 2020 waren die Luftschadstoffe seit über zehn Jahren nicht. Was plant die Stadt, damit das so bleibt?

Dresdens Luft wird sauberer. Nicht nur wegen der Corona-Krise.
Dresdens Luft wird sauberer. Nicht nur wegen der Corona-Krise. © dpa/Robert Michael

Dresden. Einmal tief durchatmen. An der Dresdner Bergstraße war das für lange Zeit kein besonders guter Rat. Die vierspurige Straße gehörte zu den schmutzigsten in ganz Dresden. Das hat sich geändert, wie die neuesten Messergebnisse des Landesumweltamtes zeigen. Wie es sonst in Dresden aussieht, welchen Effekt die Corona-Krise hat und wie die Luftqualität noch besser werden soll – die wichtigsten Fakten im Überblick.

Wie hat sich die Luftqualität denn entwickelt?

In Dresden betreibt das Landesumweltamt insgesamt drei Messstationen: eine an der Bergstraße, eine hinter dem Hauptbahnhof und eine vorm Neustädter Bahnhof – direkt an der vielbefahrenen Kreuzung. Überall hat sich die Luftqualität 2020 deutlich verbessert, wenn man sich die Stickstoffdioxid- und Feinstaub-Konzentrationen anschaut. Nirgendwo sind Grenzwerte überschritten worden.

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An der Bergstraße ist der geringste Stickstoffdioxid-Jahresmittelwert seit mehr als zehn Jahren gemessen worden. Er lag bei 29 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Der EU-Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm.

Die Bergstraße war in den vergangenen Jahren der Stickstoffdioxid-Hotspot. 2014 lag der Jahresmittelwert noch fast doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr. Auch die Feinstaubbelastung hat einen Tiefststand erreicht.

Die Messstation an der Winckelmannstraße hinterm Dresdner Hauptbahnhof zeigt am besten, wie viele Luftschadstoffe mit einiger Entfernung zur nächsten Hauptstraße noch in einem Wohngebiet ankommen. Bei Stickstoffdioxid ist es für gewöhnlich die Hälfte - mal mehr, mal weniger, vergleicht man die Werte mit den Bergstraße-Ergebnissen. 2020 konnte der ohnehin niedrige Jahresmittelwert noch einmal reduziert werden. Er lag bei 15 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Die kontinuierlichste Entwicklung nimmt die Luftqualität am Neustädter Bahnhof. 2010 sind dort noch 39 Mikrogramm Stickstoffdioxid im Jahresmittel gemessen worden. Letztes Jahr waren es 22. Auch Feinstaub hat sich rar gemacht.

Worauf führen Experten das zurück?

Wesentlicher Grund für die niedrigen Feinstaubwerte war der sehr milde Winter, schätzt das Landesumweltamt ein. Es sind meist Hochdruckgebiete, die im Winter für sehr kalte Luft am Boden sorgen. Dies führt dazu, dass die belastete, kalte Luft regelrecht nach unten gedrückt wird und kaum wegziehen kann. Solche Hochdruck-Tage fehlten im vergangenen Winter. "Nach den vorläufigen Ergebnissen hat es nur zwei Tage gegeben, an denen der Feinstaubgrenzwert überschritten wurde - einmal am Neujahrstag in Folge des Silvesterfeuerwerks 2019/2020 und einmal am 28. März, als Saharastaub über Süd- und Mitteldeutschland zog."

Der Rückgang der Stickstoffdioxid-Konzentrationen sei vor allem an den Messstationen sehr deutlich ausgefallen, die dicht an vielbefahrenen Straßen liegen, so das Landesumweltamt weiter. Man aber wolle noch nicht endgültig sagen, dass die Corona-Krise dies bewirkt habe.

Grundsätzlich liegt es zwar auf der Hand, dass durch weniger Straßenverkehr weniger Schadstoffe ausgestoßen werden. An der Bergstraße sind Verbrennungsmotoren für 80 Prozent der Stickstoffdioxid-Belastung verantwortlich. Allerdings müssten auch andere Faktoren wie das Wetter betrachtet werden. Kräftiger Wind hilft zum Beispiel, die Schadstoffe schnell zu verteilen und lässt die Konzentrationen sinken. Treten dagegen austauscharme Wetterlagen auf, reichern sich die Schadstoffe in der Luft an, erhöhte Konzentrationen sind die Folge. Diese Effekte führen zu kurzfristigen Schwankungen der Stickstoffdioxid-Konzentrationen.

Eine erste Analyse der Stickstoffdioxid-Belastung im Frühjahr deutet allerdings auf einen Corona-Effekt hin. Im Sommer will das Landesumwelt genauere Hintergründe für die Entwicklung liefern.

Wie sieht es in außerhalb des Zentrums aus?

Ständige Messungen gibt es abseits der drei genannten Messstationen nicht. Wie hoch die Schadstoffkonzentration in den anderen Stadtteilen ist, wird allerdings regelmäßig vom Landesumweltamt berechnet. Die aktuellen Kalkulationen stammen von 2018. Sie zeigen etwa am Schillerplatz, an der Bautzner Straße (zwischen Martin-Luther-Straße und Pulsnitzer Straße), am Nürnberger Ei und auf der Weißeritzstraße hohe Stickstoffdioxidbelastungen an.

Was plant Dresden, um die Luftqualität weiter zu verbessern?

Viele Maßnahmen richteten sich in den vergangenen Jahren auf den Straßenverkehr, da Verbrennungsmotoren als die Hauptquelle für Stickstoffdioxid gelten. So wurde an der Bergstraße ein Blitzer installiert, der Auto- und Lasterfahrer dazu bewegen sollte, das Tempolimit einzuhalten. Denn, so die Annahme: Je stärker man bergauf aufs Gaspedal tritt, desto stärker ist der Schadstoffausstoß. Der Blitzer gehört zu den gewinnbringendsten in Dresden.

In Arbeit ist eine Erhöhung der Parkgebühren. Damit wird auch das Ziel verfolgt, dass weniger Autos in die Innenstadt kommen, und Fahrer ihren Wagen stattdessen am Stadtrand stehen lassen und vermehrt Busse und Bahnen nutzen. Darüber hinaus ist eine Verlegung der Bundesstraßen aus dem Stadtzentrum im Gespräch und Teil des aktuellen Luftreinhalteplans. Außerdem sollen Radverkehr und ÖPNV gefördert werden, letzteres durch den Ausbau des Stadtbahn-Netzes.

Warum wird so sehr auf Feinstaub und Stickstoffdioxid geschaut?

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Hauptquelle von Stickstoffdioxid in Großstädten sind Verbrennungsmotoren, vor allem Diesel. Wird das Gas eingeatmet, treten bei gesunden Menschen keine Symptome auf, da es kaum mit der Schleimhaut der oberen Atemwege reagiert, so das Umweltbundesamt. Allerdings schädigt Stickstoffdioxid das Gewebe in den Bronchien und Lungenbläschen. Dies sei besonders bei schon geschädigten Atemwegen problematisch, da es zu Bronchienverengungen oder Entzündungen kommen kann. Unter anderem für Asthmatiker kann das gefährlich werden. Auch Feinstaub wird vor allem von Autos ausgestoßen. Dabei gelangen die Partikel nicht nur aus Motoren – vorrangig aus Dieselmotoren – in die Luft, sondern auch durch Bremsen- und Reifenabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes von der Straßenoberfläche. Bei Menschen kann Feinstaub in die Nasenhöhle, die Bronchien und in die Lunge eindringen. Dort reizt es die Schleimhaut, führt im schlimmsten Fall zu Entzündungen. Hoher Luftdruck, Trockenheit und Windstille begünstigen, dass die Konzentration steigt.

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