merken
PLUS Dresden

Dresdens Tor zur Welt

Vor 125 Jahren ging der Alberthafen in Betrieb. Wie er die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt begleitet hat.

Getreide aus Amerika und überseeische Edelhölzer: Der Dresdner Alberthafen um 1925. Quelle: Sammlung Holger Naumann
Getreide aus Amerika und überseeische Edelhölzer: Der Dresdner Alberthafen um 1925. Quelle: Sammlung Holger Naumann © - keine Angabe im huGO-Archivsys

Über die Elbe in die weite Welt: Für den Transport großer und schwerer Lasten wie Turbinen, Transformatoren, Flugzeugteile oder Schiffsmotoren ist der Alberthafen noch immer unentbehrlich. Er gilt als einer der größten und am ursprünglichsten erhaltenen deutschen Flusshäfen des 19. Jahrhunderts . Über ihn kam einst Getreide aus Amerika und Südeuropa in die Stadt sowie Tabak, Kakao, Baumwolle, aber auch englische Garne, überseeische Edelhölzer, Schwefelkies, und amerikanisches Fichtenholz. Dagegen verließen über ihn Steine aus der Lausitz, Papier-, Glas-, Tonwaren, Maschinen, Möbel, Chemieerzeugnisse die Stadt. Vom Alberthafen ging es damals via Hamburg nach Übersee. Vor 125 Jahren wurde er am 1. November 1895 in Betrieb genommen.

In "einfacher, aber würdiger Weise" sei der Start des Nordkais des König-Albert-Hafens vollzogen worden, berichteten die "Dresdner Nachrichten". Punkt 10 Uhr habe ein Schraubendampfer die erste Elbzille hereingeschleppt, während ein bekränzter Eisenbahnzug mit sechs Waggons auf den Ladegleisen einfuhr. Die elektrisch betriebenen Kräne "traten in Tätigkeit und funktionierten vorzüglich", wie es hieß.

Anzeige
EDER Ziegel Baut meine Welt
EDER Ziegel Baut meine Welt

Natürlich bauen, wohngesund leben: hochqualitative Ziegel von EDER - mit modernster Technologie in Freital produziert.

Warenströme über die Elbe schwellen an

Viereinhalb Jahre zuvor war im Juli 1891 im Ostragehege mit dem Bau des Hafens begonnen worden. Für Hafenbecken und die schützende Flutrinne hatten zwei Dampfbagger rund 1,5 Millionen Kubikmeter Erde ausgehoben, die zu einem großen Teil beim Bau des Güterbahnhofs Friedrichstadt verwendet wurden. Damit der Hafen vor Hochwassern sicher war, wurde die 12 Meter hohe und 2,2 Kilometer lange Kaimauer so angelegt, dass sie den bis dahin bekannten Höchststand der Elbe von 8,77 Meter des Jahres 1845 um 30 Zentimeter überragte. Wie sich beim "Jahrhunderthochwasser" 157 Jahre später 2002 zeigte, war das noch immer zu niedrig. Die Anlagen wurden bei einem Pegelstand von 9,40 Metern erstmals überspült.

Der Hafen war notwendig geworden, nachdem die Warenströme immer mehr angeschwollen waren. Schon seit 1455 hatte die Stadt das Stapelrecht. Durchziehende Kaufleute mussten ihre Waren am Elbufer abladen und zum Verkauf feilbieten. Ab 1822 wurde im Bereich zwischen Augustusbrücke und dem jetzigen Landtagsgebäude der Packhofkai Dresden-Altstadt angelegt und als dessen Kapazität nicht mehr ausreichte, folgte auf der Neustädter Seite unter der Marienbrücke ein weiterer, 370 Meter langer Kai.

Etwa 35 Schiffe wurden damals täglich be- und entladen. Obwohl der Altstädter Packhofkai Richtung Ostragehege bis unterhalb der Marienbrücke erweitert und die Kaimauer auf mehr als 830 Meter verlängert wurde, mussten die Schiffe oftmals bis zu acht Tage im Fluss ankern, ehe ein Umschlagplatz frei war.

Stille nach der Wiedervereinigung

Der neue König-Albert-Hafen lag verkehrsgünstig, zentrumsnah und war für die damalige Zeit supermodern. Die 16 Kräne, drei Transportfördersysteme und eine Sauganlage wurden durch elektrischen Strom angetrieben. Anderswo bewegten noch Dampf- und sogar Handkräne die Lasten. An den Kais gab es 40 Liegeplätze. Schon im ersten Betriebsjahr wurden 150.000 Tonnen Güter umgeschlagen. In Spitzenzeiten konnte man bis zu 25 Kähne gleichzeitig abfertigen.

Die Anlage verfiel vor allem in den 1980er-Jahren immer mehr. Nach der deutschen Vereinigung 1990 wurde es im Hafen zunächst zunehmend still. Zeitweise wurden wöchentlich nur noch drei Schiffe abgefertigt. 1995 wurde die Hafenanlagen saniert, das Hafenbecken verkleinert und auf den Flächen Logistikunternehmen angesiedelt. Aus dem Hafen wurde ein Umschlagplatz von Schiff, Bahn und Lastwagen.

Weiterführende Artikel

Wie August in Dresden das Licht anknipste

Wie August in Dresden das Licht anknipste

Mit Öllämpchen bekam Dresden die erste öffentliche Beleuchtung. Es begann vor 315 Jahren auf der Schloßstraße - und war der Anfang einer rasanten Entwicklung..

Wo Helmut Kohl und Fidel Castro schliefen

Wo Helmut Kohl und Fidel Castro schliefen

Das ehemalige Interhotel "Newa" an der Prager Straße ist noch immer unübersehbar. Im Sozialismus stand es auch für Glamour.

Das „Todesurteil“ für Pentacon

Das „Todesurteil“ für Pentacon

Es ist ein Tod auf Raten, als die Treuhand im Oktober vor 30 Jahren bekannt gibt, den Dresdner Kamerahersteller zu liquidieren.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden