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Dresdner Ärztin eröffnet mit 70 eigene Praxis

Bettina Hauswald ist der Promi unter den HNO-Ärzten und in Fachkreisen genauso bekannt wie in der Partyszene. Warum sie vom Ruhestand nichts wissen will.

Diagnose statt tote Hose: Bettina Hauswald will es nochmal wissen und eröffnet ihre private Praxis.
Diagnose statt tote Hose: Bettina Hauswald will es nochmal wissen und eröffnet ihre private Praxis. © Marion Doering

Dresden. Es riecht nach frischer Farbe und Aufbruchstimmung. Im Flur ziehen die Maler gerade das Kreppband von den Türrahmen. Das Wartezimmer strahlt bereits in leuchtendem Grün. Am Empfangstresen werden die Gerätschaften installiert.

Einen Raum weiter, im Behandlungszimmer, liegen auf dem Schreibtisch schon Zettel und Stift sowie Visitenkarten bereit. Außerdem steht hier ein kleiner Fliegenpilz. "Der soll Glück bringen. Ich bin abergläubisch", sagt Bettina Hauswald. Einen Tag später, am Donnerstag, steht die feierliche Eröffnung ihrer eigenen Praxis an. "Ich freue mich so", jubiliert sie und reißt unterstreichend ihre Arme nach oben. Rund 20.000 Euro hat sie sich die Einrichtung kosten lassen.

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Allerdings sitzt hier keine junge, aufstrebende Medizinerin am Tisch, die mutig den Schritt in die Selbständigkeit wagt. Bettina Hauswald feierte in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag. 

In ihrem Geburtshaus auf der Adolfstraße eröffnet Bettina Hauswald ihre Praxis.
In ihrem Geburtshaus auf der Adolfstraße eröffnet Bettina Hauswald ihre Praxis. © Marion Doering

Die HNO-Ärztin Dr. med. Bettina Hauswald gilt als international renommierte Spezialistin für Allergologie und Akupunktur. Von 2011 bis 2019 kürte sie der Fokus jedes Jahr zur Top-Medizinerin im Fachgebiet Allergien.

45 Jahre lang wirkte Bettina Hauswald am Dresdner Uniklinikum, baute hier den Fachbereich Allergologie auf und öffnete die Schulmedizin für Akupunktur. Wer einen Termin bei ihr wollte, der musste sich ein halbes Jahr lang gedulden. Ganz nebenbei ebnete sie unzähligen angehenden Ärzten den Weg.

So sehr hing man am Uni-Klinikum an ihr, dass ihre Stelle zuletzt fünf Mal für jeweils ein Jahr verlängert wurde. Nun aber war zum 30. September wirklich Schluss.

Von Ruhestand will Bettina Hauswald deswegen aber noch lange nichts wissen. "Mir geht's gut, ich müsste nicht arbeiten. Aber ich will", sagt sie. Was sollte sie auch Besseres mit sich anfangen, solange sie anderen Menschen helfen kann. "Häkeln und Stricken kann ich nicht, zum Kochen habe ich keine Geduld, aber zum Akupunkturnadeln setzen schon."

Ihre Privatpraxis eröffnet sie nun in jenem Haus auf der Adolfstraße in Kaditz, in dem sie aufwuchs und schon ihr ganzes Leben lang wohnt. Ihr Großvater baute das Haus im Jahr 1927. An der Fassade hängt bereits das blaue Schild, das Leidgeplagten den Weg weisen soll.

Nach dem Tod ihres Mannes vor sieben Jahren hatte sie die Etage im Hochparterre kaum noch genutzt und schon früh den Plan geschmiedet, nach ihrem Ausscheiden an der Uniklinik hier weiter zu praktizieren. Nun ist es so weit. Sogar die Handschuhe und Akupunkturnadeln liegen schon bereit. 

Bei der Eröffnungsfeier am Donnerstag war unter anderem Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) zu Gast, den die Ärztin einst im Wahlkampf unterstützte. Zudem schauten so illustre Wegbegleiter wie Prinz zur Lippe, Wolfgang und Birgit Schaller sowie Wolle Förster vorbei. Zum Anstoßen hatte Wolle reichlich Sekt im Gepäck. Mit der Nachtclub-Legende verbindet Bettina Hauswald eine gemeinsame Vergangenheit in der DJ-Szene der DDR.  In den 70er-Jahren gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann Gunter das Disco-Duo "Count Down" und zog damit im Wartburg durchs Land.

Bereits 1984 berichtete die SZ über Bettina Hauswald und ihr Hobby als DJ.
Bereits 1984 berichtete die SZ über Bettina Hauswald und ihr Hobby als DJ. © SZ Archiv

Klingt ungewöhnlich für eine HNO-Ärztin? Passt aber zu ihrer ungewöhnlichen Biografie. Zunächst absolvierte Bettina Hauswald in den 60er-Jahren eine Berufsausbildung zum Elektromechaniker im Transformatoren- und Röntgenwerk. Erst 1969 begann sie als Hilfsschwester in der Medizinischen Akademie und bewarb sich erfolgreich um ein Medizinstudium. 1980 machte sie schließlich ihren Doktor und galt seitdem als einzige promovierte Schallplattenunterhalterin der DDR. 

Bettina Hauswald ist eben keine Frau für eine Schublade. Sie ist angesehene Medizinerin, weltweit begehrte Vortragsrednerin und Ulknudel in einem. Das mag auch das Fernsehen. Erst im Frühjahr erzählte sie in der MDR-Talkshow "Riverboat" mal wieder aus ihrem verrückten Leben.

Wer mit ihr plaudert, muss viel Zeit mitbringen und dabei möglichst wenig zu sagen haben. Das übernimmt sie nur zu gern selbst. Ohne Punkt und Komma und am liebsten alles auf einmal. 

Sie erzählt Witze und kugelt sich dabei selbst vor Lachen. Sie reißt Grimassen. Sie singt ihr selbst umgedichtetes Lied "Die Allergene sind frei" -  und dabei könnte man fast vergessen, dass sie am laufenden Band Menschen hilft, denen die Ohren schmerzen, die Hausstaubmilden quälen, die Prüfungsangst haben -  oder einfach die Nase voll.

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