merken
PLUS Dresden

Trotz Pandemie: Diese Dresdner Ärztin hilft in Nairobi

Warum Katharina Dreher mitten in der Corona-Zeit ihre Sachen packt und für die German Doctors nach Kenia fliegt.

"Etwas zurückgeben": Katharina Dreher hat sich auf den Weg in eine Klinik nach Nairobi gemacht. Allerdings mit dem Flugzeug.
"Etwas zurückgeben": Katharina Dreher hat sich auf den Weg in eine Klinik nach Nairobi gemacht. Allerdings mit dem Flugzeug. © privat

Dresden. Ich packe meinen Koffer und nehme mit: Anziehsachen, aber nicht zu viele und zu dicke. Dazu Verbandszeug, Wundauflagen und eine gehörige Portion Abenteuerlust. Am vergangenen Samstag hat sich die Dresdner Ärztin Katharina Dreher von Frankfurt aus mit dem Flieger auf den Weg in die kenianische Hauptstadt Nairobi gemacht.

Nicht, weil sie in Corona-Zeiten endlich mal wieder schön Urlaub machen möchte, sondern um zu helfen. Für die kommenden sechs Wochen ist die 31-Jährige Teil der German Doctors, einer Hilfsorganisation, die in allen Welt Menschen medizinisch versorgt, sie sonst auf sich allein gestellt wären.

Anzeige
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit

Einfach, bequem und flexibel in die Zukunft investieren. Langfristig gute Chancen bietet der Anlage-Assistent MeinInvest.

"Ich habe schon lange nach einer Möglichkeit gesucht, wie ich in meinem Beruf im Ausland tätig sein kann und war froh, bei meinen Recherchen auf die German Doctors gestoßen zu sein", sagt Katharina Dreher.

Im Mathare Valley, dem zweitgrößten Slum Nairobis, leben rund 500.000 Menschen in extremer Armut.
Im Mathare Valley, dem zweitgrößten Slum Nairobis, leben rund 500.000 Menschen in extremer Armut. © German Doctors

Die 1983 in Frankfurt gegründete Organisation nannte sich früher "Ärzte für die Dritte Welt" und wurde erst 2013 umbenannt. Heute werden über den Verein jedes Jahr mehr als 300 Ärzte nach Indien, Bangladesch, Kenia, Sierra Leone und auf die Philippinen geschickt, die dort ausschließlich ehrenamtlich arbeiten. Finanziert werden die Einsätze über Spenden.

"Besonders wichtig ist mir, dass es in den Projekten mehr um Zusammenarbeit als um weiße europäische Hilfe geht", sagt Katharina Dreher. So werde in allen Kliniken einheimisches Krankenhauspersonal ausgebildet und eingesetzt.

Außerdem habe bei ihrer Bewerbung auch eine Rolle gespielt, dass die German Doctors nicht in Kriegsgebieten im Einsatz sind, wie beispielsweise Ärzte ohne Grenzen.

Katharina Dreher stammt aus Baden-Württemberg und kam vor elf Jahren für ihr Medizinstudium nach Dresden. Inzwischen ist sie hier verheiratet und als Assistenzärztin in der Chirurgie im St. Joseph-Stift angestellt.

"Ich bin im vierten Jahr meiner sechsjährigen Weiterbildung zur Fachärztin und habe gerade eine Station in der Uni-Klinik abgeschlossen." Da die nächste Etappe nun erst im April beginne, passe der Zeitpunkt für ihre Reise nach Nairobi optimal.

Fünf bis sechs deutschsprachige Ärztin praktizieren in der Regel zeitgleich in Nairobi.
Fünf bis sechs deutschsprachige Ärztin praktizieren in der Regel zeitgleich in Nairobi. © German Doctors

"Ursprünglich hätte ich mir auch einen längeren Zeitraum vorstellen können, aber vielleicht ist es erstmal gut so, um herauszufinden, ob das was für mich ist." Bei den German Doctors sind die Einsätze der Ärzte prinzipiell auf sechs Wochen begrenzt, was nicht heißt, dass sie nicht später noch einmal zurückkommen können.

Die Klinik inmitten eines der größten Slums der Fünf-Millionen-Metropole Nairobi betreiben die German Doctors seit 1997. Wer vom kenianischen Gesundheitssystem profitieren will, muss das privat finanzieren, was sich gerade hier kaum jemand leisten könne. Eine staatliche Absicherung gebe es nicht.

Meist arbeiten in Nairobi fünf bis sechs deutschsprachige Ärzte gleichzeitig. In Corona-Zeiten mussten die Einsätze zuletzt jedoch bis auf ein Minimum heruntergefahren werden.

Die Klinik war die ganze Zeit offen, aber es wurden vor allem chronische Erkrankungen behandelt. Die Bewohner des Slums zahlen für die Hilfe nur symbolische Beträge. Weggeschickt werde niemand.

"Ein großes Privileg"

Katharina Dreher wird in Nairobi als Chirurgin eingesetzt. Während ihr Schwerpunkt in Dresden die Bauch-Chirurgie ist, erwarten sie in Kenia auch gebrochene Arme und Abszesse. "Ich werde wohl viele Krankheitsbilder sehen, mit denen ich sonst selten zu tun habe und auch viele Kinder behandeln."

In den Tagen vor ihrer Abreise stieg die Aufregung stündlich. Komme ich rechtzeitig zum Flughafen? Wird mein Corona-Test negativ sein? Wird das Flugzeug auch starten?

Natürlich sei es ein eigenartiges Gefühl, mitten in der Corona-Krise durch die Welt zu reisen, aber gerade die Krise hat Katharina Dreher in ihrem Entschluss bestätigt. "Ich habe das Gefühl, dass es sich in Deutschland gerade alles sehr um sich selbst dreht.

Dabei sind wir hier bestmöglich abgesichert. Die Folgen weltweit, zum Beispiel in Kenia, werden weitaus verheerender sein."

Inzwischen ist die Dresdnerin in Nairobi angekommen und hat die Arbeit aufgenommen. "Für mich ist es ein großes Privileg, wie ich in Dresden leben kann, und dass mich meine Ausbildung nichts kostet", sagt sie. "Ich finde es schön und wichtig, dafür auch etwas zurückgeben zu können."

Nach ihrer Rückkehr aus Nairobi in sechs Wochen wird Katharina Dreher in der SZ von ihren Erlebnissen erzählen.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden