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Dresdner Bäckerin backt Hundekekse statt Brot

Sabine Sieß verkauft ihre selbstgebackenen Leckerlis auf dem Lingner Markt. Allerdings kostet Frauchen nicht mehr selbst.

Mit ihren Hundekeksen ist Sabine Sieß jeden Freitag auf dem Dresdner Lingnermarkt zu finden.
Mit ihren Hundekeksen ist Sabine Sieß jeden Freitag auf dem Dresdner Lingnermarkt zu finden. © Marion Doering

Dresden. Was ist denn in diesen Keksen drin? Aha, Roggen-, Dinkel- und Weizenvollkornmehl, Eier, Möhren - und natürlich Rinderhack. Was den ahnungslosen Bäckereikunden zumindest stutzen lassen würde, ist am Stand von Sabine Sieß völlig normal. Denn Brot und Brötchen gibt es hier nicht.

Auf dem Lingner-Wochenmarkt bietet die 54-Jährige selbstgebackene Hundeleckerlis zum Kauf an. Zwischen all den großen Wagen wirkt ihr Tisch geradezu bescheiden. Etwa ein Dutzend Tütchen hat sie darauf ausgebreitet. 

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Aber wie kommt man überhaupt darauf, selbst Hundekekse zu backen? Zumindest eine Sache liegt nahe: Sabine Sieß ist gelernte Bäckerin. Ihre Ausbildung machte sie einst in einer kleinen Bäckerei am Nürnberger Ei und blieb dem Laden auch über viele Jahre treu. Unterdessen wuchs zu Hause die Familie. Bis 1996 schenkte sie drei Kindern das Leben. Dazu gesellte sich Familienhund Trixi, ein Jack-Russell-Terrier mit großer Vorliebe für Leckerlis.

17 Sorten hat Sabine Sieß inzwischen im Angebot, inklusive Varianten für Allergiker.
17 Sorten hat Sabine Sieß inzwischen im Angebot, inklusive Varianten für Allergiker. © Marion Doering

Da Sabine Süß aber unzufrieden mit dem Angebot im Tierhandel war, begann sie vor neun Jahren, einfach selbst Hundekekse zu backen. "Die Rezepte habe ich mir teils aus dem Internet gesucht und teils selbst ausgedacht", erinnert sie sich. Vor allem Putenfleisch-Varianten kamen anfangs in den Ofen. 

Bald schon merkte die Bäckerin, dass nicht nur Trixi auf ihre Kekse abfuhr, sondern auch viele Hundebesitzer in ihrem Bekanntenkreis Interesse anmeldeten. Nach und nach verfestigte sich bei ihr der Gedanke, mit den Hundekeksen Geld verdienen zu können.

17 Sorten für den Dresdner Lingnermarkt

"Anfangs habe ich es im Internet versucht, aber das war ein totaler Reinfall", sagt Sabine Sieß. Obwohl sie viel Geld und noch mehr Zeit in die Website investiert hatte, musste rasch ein neuer Plan her. Auf den Wochenmärkten, so überlegte sie, hätte sie direkteren Kontakt zu potentiellen Kunden.

Gesagt, getan. Zunächst stand sie in Weinböhla auf dem Markt, dann auch auf Bauernmärkten, dem Pulsnitzer Pfefferkuchenmarkt - und schließlich auf dem Dresdner Lingnermarkt. Inzwischen hat Sabine Sieß 17 Sorten im Angebot, von Hähnchenkeksen über Leberstangen bis zu Putenfleisch-Krustis. Dazu kommen Thunfisch- und Pferdefleisch-Varianten. Praktischerweise steht der Pferdefleischer auf dem Markt gleich neben ihr.

Mix-Tüte ist der Bestseller

Seit einem Jahr hat die Bäckerin sogar Sorten ohne Getreide im Angebot - für Hunde mit Mehlallergie. "Alles ohne chemische Zusätze, Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker", betont sie. Auch Zucker und Salz sind Tabu.

Aber egal, welche Rezeptur - zum Knabbern auf dem Sofa für Herrchen oder Frauchen sind die Kekse eher ungeeignet. Sehr hart und ziemlich trocken seien sie, sagt Sabine Sieß. Deswegen hätte sie ihre Ware auch selbst schon lange nicht mehr gekostet.

Eine Stammkundin tritt an ihren Tisch und hätte gern zweimal die Mix-Tüte, der Bestseller. Besonders die Touristen greifen hier gern zu, genauso wie verzückte Erstkäufer, die ein Geschenk für die Nachbarn brauchen, die im Urlaub die Blumen gegossen haben. Vor der Verabschiedung fragt die Kundin noch, wie lange sie ihre Leckerli-Lieferantin noch auf dem Markt antreffen wird. "Bis Mitte November", sagt die Bäckerin. 

Mützen als zweites Standbein

Aber auch danach wird ihr nicht langweilig werden. Seit Jahren ist sie auf dem Chemnitzer Weihnachtsmarkt präsent. Allerdings nicht mit ihren Hundekeksen. "Das würde sich nicht lohnen bei den Mengen, die ich produzieren kann", sagt sie. Stattdessen wird sie dort Mützen, Schals und Handschuhe verkaufen, zum Teil selbst gestrickt. 

Ihr Strickzeug hat sie auch hier auf dem Lingnermarkt immer dabei. Gerade arbeitet sie an einem Stirnband. Es gibt ja mal ruhige Stunden. Besonders jetzt in Corona-Zeiten sei die Zurückhaltung der Kundschaft noch deutlich spürbar, sagt sie. "Deswegen hoffe ich noch sehr auf den Weihnachtsmarkt. Mit beiden Geschäften zusammen komme ich normalerweise gut übers Jahr."

Gebacken wir dabei immer dann, wenn eine Sorte alle ist. "Dann stehe ich aber meistens auch einen ganzen Tag in der Küche", sagt Sabine Sieß. Zeit für einen Hund habe sie seit Beginn ihrer Selbständigkeit nicht mehr. Seit Trixis Tod bettelt zu Hause daher niemand mehr am Herd. Zumindest niemand, der bellt.

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