merken
PLUS Dresden

Dresdner Corona-Steinschlange kommt ins Museum

Der Dresdner Künstler Johann Kral plant eine vier Meter hohe Skulptur mit den bunten Steinen aus dem Waldpark. Dafür lernte er jeden einzelnen kennen.

Johann Kral kennt jetzt jeden einzelnen Stein - und will sie zu einem neuen Ganzen zusammenfügen.
Johann Kral kennt jetzt jeden einzelnen Stein - und will sie zu einem neuen Ganzen zusammenfügen. © Marion Doering

Dresden. Er hat sie alle in der Hand gehabt. Jeden einzelnen Stein hat Johann Kral begutachtet. "Das war wichtig für mich, um überhaupt erst einmal zu wissen, welchen Schatz ich hier vor mir habe", sagt der 29-jährige Künstler aus Dresden, bei dem sich sonst eigentlich alles um Holz dreht.

Doch diese bunten Steine haben ihn nicht losgelassen. Bis Ende Juni hatten sie noch die Besucher des Waldparks in Blasewitz zum Schmunzeln gebracht. Immer länger war hier mitten in der Corona-Zeit die Schlange der Steine geworden, die vor allem Eltern mit ihren Kindern hinterließen. Als die Stadt beschloss, dass die Steine weg müssen, handelte Kral schnell. Er hing Zettel im Park auf mit der Bitte, all die kreativ gestalteten Objekte doch bitte ihm zu überlassen. Die meisten erhörten seinen Wunsch.

Anzeige
Das doppelte Baguette
Das doppelte Baguette

Bageterie Boulevard lockt mit Sonderangeboten in den Elbepark. Dabei gibt's auch gratis-Baguettes.

Kurz darauf brachte er rund 4.000 Steine in seine Werkstatt ins Industriegelände und begann, über eine Skulptur nachzudenken, die er gern den Dresdnern zurückgeben möchte. Schnell fand sich auch ein geeigneter Ausstellungsort: das Foyer des zum Stadtmuseum gehörenden Landhauses.

Bis zu vier Meter lange Lindenstämme hat Kral für seine Skulptur erworben.
Bis zu vier Meter lange Lindenstämme hat Kral für seine Skulptur erworben. © Marion Doering

Nun musste "nur" noch die Skulptur selbst entstehen. Die vergangenen Wochen nutzte Kral zunächst, um sich eingehend mit den Steinen zu beschäftigten. "Ich habe mir die Mühe gemacht, die Steine einzeln zu waschen und dabei kennenzulernen", sagt er. "Mir war es wichtig, die Geschichten dahinter zu erfahren. Wie ging es den Menschen, die diese Steine bemalt haben? Was hat sie bewegt?"

Zweimal sechs Stunden habe er allein dieser Arbeit gewidmet. Dabei stellte er fest, dass einige Steine offenbar nur mit Wasserfarbe bemalt waren und nun nur noch schlichte Kiesel. Rund 2.000 Steine aber sicherte er und sortierte sie nach Kategorien in ein Regal ein: Marienkäfer, Herzen, Autos, Gesichter unter so weiter.

Die Steinschlange im Waldpark wuchs bis zum Frühsommer täglich an - bis die Stadt sie entfernen ließ.
Die Steinschlange im Waldpark wuchs bis zum Frühsommer täglich an - bis die Stadt sie entfernen ließ. © Marion Doering

Damit kann er die Steine für seine Skulptur nun sehr bewusst wählen, doch wie werden sie zu einem Ganzen zusammengefügt? Vergangene Woche ließ sich Kral fünf dicke Bohlen aus Lindenholz liefern, zusammen um die 700 Kilogramm schwer. Aus den Brettern will der Holzbildhauermeister die Basis der Skulptur formen, die am Ende stattliche vier Meter hoch werden soll.

Wie genau sie aussehen wird, darauf will sich Kral noch immer nicht festlegen, um seine Kreativität nicht in Ketten zu legen. Klar ist schon jetzt: Mitte Januar soll sein monumentales Kunstwerk im Stadtmuseum enthüllt werden. 

Am liebsten würde sich Kral die verbleibenden Monate fast ausschließlich diesem Projekt widmen, das sich zu seiner eigenen Überraschung so verselbstständigt hat. "Ich hätte nie für möglich gehalten, was aus der fixen Idee einmal wachsen könnte", sagt er. 

Einen Wunsch hat er allerdings noch, nachdem das Honorar des Museums bereits nach dem Kauf der Holzbohlen aufgebraucht ist. "Ich bin auf der Suche nach Sponsoren, damit ich das Maximale rausholen und die Steine bestmöglich präsentieren kann." Das aber koste viel Zeit - und seine Familie will in dieser Zeit auch ernährt werden. Dresdner Firmen oder Privatleute, die seine Arbeit unterstützen, will Kral auf einer Tafel verewigen, die der Skulptur zur Seite gestellt wird.

Kontakt: www.kralunikate.de

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden