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Dresdner Eltern gegen Kita-Schließung

Die Stadt will den Mietvertrag für die Einrichtung in Hellerau nicht verlängern. Wie Familien im Stadtteil nun um ihre Kita kämpfen.

Die Kita Hellerauer Gartenkinder soll Ende 2024 geschlossen werden. Für Hellerauer Mütter wie Anja Weidlich und Galina Ruppert ist das nicht nachvollziehbar.
Die Kita Hellerauer Gartenkinder soll Ende 2024 geschlossen werden. Für Hellerauer Mütter wie Anja Weidlich und Galina Ruppert ist das nicht nachvollziehbar. © Marion Doering

Dresden. Die Kita Hellerauer Gartenkinder soll Ende 2024 geschlossen werden. Das haben Eltern und Kita-Mitarbeiter Ende Mai in einer Informationsveranstaltung von der Stadt erfahren. Diese will den Mietvertrag für das Gebäude samt Außengelände am Moritzburger Weg nicht mehr verlängern und setzt stattdessen auf eigene Grundstücke mit größeren Kitas. Im benachbarten Stadtteil Klotzsche soll die Kita auf dem Dörnichtweg erweitert werden und damit den Bedarf, der aus Sicht der Stadt ohnehin in den kommenden Jahren sinken wird, im Stadtbezirk Klotzsche abdecken.

Der Elternrat der Gartenkinder will das nicht so einfach hinnehmen. Mit einem offenen Brief an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) verbinden die Familien nun die Hoffnung, dass ihre Kita noch gerettet werden kann. Fünf Mütter erklären, warum sie auf die Betreuung in ihrem Stadtteil nicht verzichten wollen.

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"Das Konzept funktioniert nahezu perfekt"

Anke Weidlich und Galina Ruppert sind die Vorsitzenden des Elternrates und können nicht nachvollziehen, warum nun ausgerechnet in Hellerau, einem Stadtteil, in dem so viele Familien mit Kindern leben, das Angebot um 90 Kita-Plätze reduziert werden soll. Für sie sind die Kita-Plätze, die stattdessen in Klotzsche entstehen, keine Alternative.

Schon allein ihre Lage in der berühmten Gartenstadt mache ihre Kita am Moritzburger Weg so einzigartig. Der Altbau mit seinen drei Etagen sei hervorragend für das offene altersübergreifende Konzept geeignet. Ebenso wie das Außengelände, auf dem Krippen- und Kindergartenkinder gemeinsam spielen, und der nahe Wald. Auch die Arbeit der Erzieher sei sehr gut, betonen die Eltern. "Sie lassen sich so viel einfallen und beschäftigen die Kinder mit tollen Aufgaben." Das sei keine Selbstverständlichkeit, erzählt eine der Mütter, die selbst Erzieherin ist und in zwei anderen Kitas in Dresden gearbeitet hat. "Das Konzept bei den Gartenkindern funktioniert nahezu perfekt."

Einen Platz zu bekommen, gleicht einem Glücksspiel

All das wollen sich die Familien nicht nehmen lassen. "Wir befürchten, dass wir das für unsere Kinder in einer anderen Kita so nicht finden", sagt Galina Ruppert. Besonders groß sei die Angst, dass die Kinder, die Ende 2024 ihr letztes Kita-Jahr erleben, mit dem Umzug in eine fremde Kita so kurz vor dem Schulstart nicht zurechtkommen. "Sechs Monate, bevor sie ohnehin einen völlig neuen Lebensabschnitt beginnen, sollen sie sich noch in einer anderen Kita eingewöhnen. Das will man seinem Kind wirklich nicht zumuten."

Dazu komme, dass die Kita mehr als gefragt ist. Einen Platz bei den Gartenkindern zu bekommen gleiche einem Glücksspiel. "Ich hatte mich damals im November auf einen Krippenplatz beworben. Erst im August im Jahr darauf hatte ich die Zusage", berichtet eine Mutter, deren Tochter jetzt zwei Jahre alt ist. Eine andere Mutter erzählt, dass sie für ihr Kind nur einen Platz bekommen hat, weil eine andere Familie aus Hellerau weggezogen ist.

"Die Enttäuschung ist enorm"

Die Nachricht, dass die Hellerauer Gartenkinder geschlossen werden, hat die Familien spürbar getroffen. Die Enttäuschung sei enorm, die Stimmung gedrückt, schreiben sie an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Besonders scharf kritisieren die Eltern, dass weder die Kita-Leitung noch der Elternrat in irgendeiner Form bei der Entscheidung einbezogen worden seien. "Wir werden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt", sagt Anke Weidlich. Dabei seien vor allem die Kinder die Leidtragenden.

Von Hilbert wollen die Eltern nun Antworten auf ihre Fragen, etwa, warum die Kita geschlossen werden soll, obwohl die Wartezeit auf einen Betreuungsplatz in Dresden mitunter bis zu acht Monate beträgt. Dazu komme, dass die Zeit, in der Dresden weniger geburtenstarke Jahrgänge zu versorgen hat, genutzt werden könnte, um den Betreuungsschlüssel so zu senken, dass die Erzieher mit weniger Kindern entspannter und intensiver arbeiten.

Auch der Zeitpunkt, an dem die Kita geschlossen werden soll, steht mit Blick auf die Vorschulkinder, die dann noch einmal die Kita wechseln müssen, in der Kritik. Sollte sich die Schließung nicht verhindern lassen, fordern die Eltern zumindest einen besseren Termin, der dies verhindert.

Möglicherweise wird der Mietvertrag verlängert

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Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) habe Verständnis für den Ärger der Eltern. "Sie bekommen auf jeden Fall eine Antwort auf ihren Brief", versichert Donhauser. Auch ein Gespräch mit den Familien ist geplant - allerdings nicht mit dem Ziel, die Entscheidung rückgängig zu machen, betont der Bildungsbürgermeister. "Wir möchten die Hintergründe zur Schließung gern noch einmal erläutern", so Donhauser. Die Familie müssten verstehen, dass die Verwaltung immer die ganze Stadt im Blick haben muss - auch bei der Entwicklung der Kita-Betreuung.

Dennoch sollen besondere Härtefälle bei den Familien geprüft werden, ebenso wie eine mögliche Verlängerung des Mietvertrages, räumt Donhauser ein. "Zusichern kann ich zu diesem Zeitpunkt aber nichts."

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