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Ferien in Dresden: Entdeckertour für die Ohren

Tonmeister Ruben Gogulski lässt Wasser, Wind und Wanderschritte klingen. In seinem Studio am Theater Junge Generation sind 19 Hörspiele entstanden.

Ruben Gogulski weiß, wie aus vielen einzelnen Tonspuren ein Hörspiel mit Sprecher, Musik und akustischen Effekten entsteht.
Ruben Gogulski weiß, wie aus vielen einzelnen Tonspuren ein Hörspiel mit Sprecher, Musik und akustischen Effekten entsteht. © Marion Doering

Dresden. Schon dieses Gähnen macht munter. Herrlich! Wenn sich Rohbert und Rohbin im Gras liegend unterhalten, fühlt es sich nach genau dem an, wofür die beiden das tun: nach Sommerferien. Die sind lang und manchmal auch wunderbar langweilig. Genau die richtige Zeit, um auf Pirsch durch die Stadt zu gehen.

Dabei hilft den Schülern das Ensemble des Theaters Junge Generation. Insgesamt 19 Hör-Miniaturen haben die Schauspieler für sie aufgenommen - selbst erdachte, vertonte und mit kleinen Aufgaben versehene Geschichten.

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Zettel, Stift und Kreide in der Tasche

Ausgang waren Fotografien von Orten in Pieschen und der Johannstadt, an denen es Unscheinbares, Überraschendes, Vergessenes, Unerklärliches, Belangloses und Spannendes zu entdecken gibt: die beiden Rohre Rohbert und Rohbin auf der Wiese zum Beispiel, eine Reihe verlassener Briefkästen, einen bunt bemalten Kranwagen namens Irma und ein verrostetes Tor.

Auf einer Stadtkarte sind alle Zielpunkte mit kurzen Beschreibungen eingezeichnet. Dort erfahren die Kinder und ihre erwachsenen Begleiter, welche Beobachtungen sie ab sofort erwarten und wie sie ihren Ausflug für sich und andere zum Erlebnis machen können. In der Tasche haben sollten sie unbedingt Strick oder ein Wollknäuel, Zettel und Stift sowie ein Stück Kreide. Entweder, sie drucken sich den Stadtplan des Ferienentdeckerspiels aus oder sie laden sich die kostenlose App "Stadtsache" auf ihr Smartphone.

Was es mit Kranwagen Irma auf sich hat, erfahren Ferienkinder in den Stadtgeschichten des TJG.
Was es mit Kranwagen Irma auf sich hat, erfahren Ferienkinder in den Stadtgeschichten des TJG. © PR/Theater Junge Generation

Damit dort all das erscheint, was sich die Schauspieler ausgedacht, in ihre Geschichten gepackt und auf Band gesprochen haben, ist Ruben Gogulski einen tontechnischen Marathon gelaufen. Beim Tonmeister des Theaters Junge Generation liefen alle Fäden für die Produktion der Stadtgeschichten zusammen. In seinem Studio voller Bildschirme, Regler, Lautsprecher, Klaviaturen und Mikrofone hat der 35-Jährige alle Stimmen, Geräusche und musikalischen Sequenzen zu 19 Minihörspielen zusammengefügt.

"Bevor die Arbeit an unseren Stadtgeschichten begann, habe ich meinen Kollegen einen kleinen Geräusche-Workshop gegeben", erzählt Ruben. Einige Töne konnten die Hörspielmacher vor Ort aufnehmen, andere lassen sich prima zu Hause oder im Studio nachahmen. Wasserplätschern zum Beispiel, Tritte auf Sand oder im Gras, Donnergrollen und Herzschläge.

Neben unzähligen technischen Dingen hat Ruben Gogulski auch das im Studium gelernt. Nach der Schule wusste er zunächst noch nicht so genau, wohin seine berufliche Reise gehen sollte. Er interessierte sich für Veranstaltungstechnik, arbeitete in Tonstudios und auf Konzerten. Schließlich ging er zum Studium der Musikwissenschaften nach Leipzig, schloss mit Bachelor ab und bekam ein Engagement an den Landesbühnen Sachsen. Nebenbei studierte Ruben Tontechnik und wechselte 2018 ans Theater Junge Generation. Dort ist er nun Chef seiner Abteilung.

Mucksmäuschenstill im Saal

Wenn er nicht die Stimmen der Schauspieler, die Musik, die zu deren Produktionen gehört, und die Geräuschkulisse zu kleinen Hörerlebnissen verbindet, richtet er die Tontechnik auf der Theaterbühne ein und sorgt dafür, dass auf jedem Platz bestens zu verstehen ist, was die Künstler zu sagen haben.

Grundsätzlich liebt Ruben alles, was klingt. Doch einen bestimmten Moment liebt er ganz besonders: "Kinder sind vor der Vorstellung extrem laut im Saal. Aber wenn das Licht ausgeht und sie plötzlich im Dunkel sitzen, ist es schlagartig mucksmäuschenstill." Diese Sekunden der Überraschung und Spannung sind für ihn immer wieder großartig. Sie zeigen: Ab jetzt tauchen die jungen Leute in eine Welt ein, die er und seine Kollegen für sie erschaffen haben.

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