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„Ein unbestreitbarer Höhepunkt“

Der Gemäldegalerie Alte Meister verdankt Dresden seinen Ruf als Kunststadt. Vor 65 Jahren wurde sie wieder eröffnet.

Die Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister auf einer Postkarte um 1910.
Die Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister auf einer Postkarte um 1910. © Sammlung Holger Naumann

Mehr als einer halben Million Besuchern gewährt die Sixtinische Madonna in normalen Jahren Audienz. Sie gilt als das Hauptwerk der Gemäldegalerie Alte Meister. Vor 65 Jahren zeigte sie am 3. Juni 1956 das erste Mal nach Kriegsende in Dresden ihr Antlitz wieder öffentlich. Während der damaligen 750-Jahrfeier der Stadt war die Gemäldegalerie wieder eröffnet worden.„Gemäldegalerie ist eröffnet“, jubelte damals die Sächsische Zeitung auf Seite eins. Die Sixtinische Madonna sei heimgekehrt. Die Eröffnung der Gemäldegalerie durch Ministerpräsident Otto Grotewohl (SED) sei einer der „unbestreitbaren Höhepunkte“ im Festprogramm.

1939 war die Galerie noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geschlossen und die Gemälde 1942 in umliegende Schlösser ausgelagert worden, sodass der größte Teil der Sammlung unversehrt blieb. 50 Bilder verbrannten wohl bei den Luftangriffen auf die Stadt im Februar 1945 auf einem Lastwagen, weitere verschwanden auf ungeklärte Weise. Auch derzeit gelten 300 Gemälde offiziell als vermisst, von etwa 50 ist der Verbleib bekannt.Nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren die meisten Kunstwerke wie auch die Bestände anderer Museen von der Roten Armee als Kriegstrophäen nach Moskau und Kiew gebracht worden, wo sie in geheimen Depots verborgen blieben. Sie schienen für Dresden für immer verloren, als 1955 der UdSSR-Ministerrat überraschend verkündete, die Bilder zurückzugeben. In einer Sonderausstellung wurden die Dresdner Bilder noch rasch den erstaunten Moskauern gezeigt, und schon am 25. August 1955 wurden zunächst 750 von ihnen einer DDR-Regierungsdelegation übergeben.

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In aller Eile wurde nun in Dresden die Rekonstruktion der Sempergalerie am Zwinger vorangetrieben. Im Juni 1955 begannen die Bauarbeiten, 1956 war ein Teil des Baus allerdings ohne die Details der Innenausstattung Sempers wieder hergestellt. Die Bauarbeiten zogen sich noch bis 1960 hin. Zuletzt war der Bau von 2013 an etwa fünf Jahre lang grundlegend instand gesetzt worden, nachdem er wegen Schäden an Dach und Wänden hatte geschlossen werden müssen. Mit der Wiedereröffnung der Gemäldegalerie 1956 kehrte Dresden in die erste Reihe der Kunststädte zurück.

Als eigentliches Gründungsjahr der Gemäldegalerie gilt 1722. Damals ließ August der Starke die Bilder inventarisieren. Doch schon 1707 hatte er die besten der Gemälde aus der 1560 von Kurfürst August gegründeten kurfürstlichen Kunstkammer herausgelöst und im Redoutensaal des Residenzschlosses sowie ab 1730 im Riesensaal und angrenzenden Räumen aufgehängt. Schon in der Kunstkammer befanden sich auch Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, Albrecht Dürer und Peter Paul Rubens. Die meisten der Hauptwerke der Galerie sind jedoch von August dem Starken sowie vor allem von dessen Sohn Friedrich August II. in nur etwa einem halben Jahrhundert bis zum Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 zusammengetragen worden. Kunstkenner, Händler und Diplomaten waren in ganz Europa im Auftrag unterwegs. Zu den wichtigen Ankäufen gehörten 268 Bilder der Wallensteinischen Sammlung aus Dux, etwa 200 niederländische Bilder aus Amsterdam und Den Haag, 69 Bilder der Kaiserlichen Sammlung in Prag und vor allem 100 Bilder aus der Sammlung des Herzogs Francesco III. von Modena. 1754 gelang der Ankauf von Raffaels „Sixtinischer Madonna“, dem Hauptwerk der Gemäldegalerie.

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