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Dresdner Ideen für schöneren Kiessee

Die Stadt will das Gebiet im Südosten zur Freizeitlandschaft umgestalten. Dazu wurden 700 Dresdner befragt. Was sie derzeit stört und was sie sich wünschen.

Gut zu erkennen: Die Leubener Kiesseen liegen im alten Elbarm, der Überflutungsgebiet des Flusses ist. Hier soll eine neue Freizeitlandschaft entstehen.
Gut zu erkennen: Die Leubener Kiesseen liegen im alten Elbarm, der Überflutungsgebiet des Flusses ist. Hier soll eine neue Freizeitlandschaft entstehen. © LHD/Gerhard Otto, Luftbildvertrieb Niederwillingen

Dresden. Zwischen der Elbe und dem Dresdner Stadtteil Prohlis soll eine grüne Freizeitlandschaft entstehen. Anfang dieses Jahres haben die Planungen für das Großprojekt, das mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird, begonnen. Auch der Kiessee Leuben ist Teil davon und soll im Rahmen des Projektes "Blaues Band" attraktiver und naturnaher gestaltet werden. 

Bei der Ideensammlung durften sich auch die Dresdner in einer Befragung beteiligen. Mehr als 700 Menschen nutzten diese Möglichkeit. Die SZ fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

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Womit sind die Dresdner besonders unzufrieden?

Herzstück des Projektes ist der Geberbach, der von Prohlis kommend in den alten Elbarm fließt. Fast drei Viertel der Befragten sind mit dem derzeitigen Zustand des Geberbachs und seiner Umgebung unzufrieden. Im oberen Teil verläuft er vorwiegend unterirdisch, bleibt dem Spaziergänger also verborgen. Wo er freiliegt, fehlen Wege und Freizeitplätze. Mehr als der Hälfte der Befragten fehlt das Naturerlebnis, das sie sich von einem Gewässer eigentlich versprechen.

Noch mehr finden den Zustand der beiden Leubener Kiesseen unbefriedigend. Drei von vier Teilnehmern wünschen sich, dass er umgestaltet und vor allem offiziell und legal zum Baden genutzt werden kann.

Was wünschen sich die Dresdner für den neuen Grünzug?

Das Wasser spielt eine zentrale Rolle in diesem Gebiet: Ob Geberbach oder Kiesseen - die befragten Dresdner wollen mehr davon erleben und nutzen. So wünschen sich 43 Prozent einen besseren Zugang und auch Querungsmöglichkeiten über den Bach. Der Ausflug in die Natur mitten in der Stadt steht ganz oben auf der Wunschliste. 

Fast alle Teilnehmer erhoffen sich deshalb Rad- und Gehwege mit Sitzbänken sowie Picknick-, Sport und Spielplätze. Darunter etwa Lauf- und Fahrradstrecken sowie einen Trimm-Dich- Pfad. Rund 700 Teilnehmer wünschen sich derartige Erlebnismöglichkeiten am Gewässer.

Zehn Prozent der Befragten sind indes gegen eine Erschließung des Gebietes für den Menschen und lehnen neue Wege und Freizeitmöglichkeiten ab.

Die konkretesten Wünsche gibt es für die Kiesseen. Natürlich stehen hier die Bademöglichkeiten im Vordergrund. Das Schwimmen in den Seen ist eigentlich verboten, seit Jahren wird um eine Lösung gerungen, damit das Gewässer offiziell genutzt werden darf. Die Stadt verweist auf die Gefährlichkeit der Seen - das zeigen auch die vielen Badetoten in den vergangenen Jahren. Derzeit wird ein Gutachten erstellt, das zeigen soll, wie das Baden möglich gemacht werden kann. Die Stadt rechnet noch in diesem Jahr mit den Ergebnissen.

Neben der Badenutzung sind den Dresdnern aber auch eine bessere Infrastruktur am See, mehr Sauberkeit sowie eine naturnahe und gärtnerische Biotopgestaltung wichtig. Der neben den Kiesseen gelegene Trümmerberg soll zugänglich und mit einem Aussichtspunkt versehen werden. Das wünscht sich jeder zweite Befragte. Dagegen fordert die andere Hälfte der Teilnehmer, dass der Berg nicht für Spaziergänger und Freizeitsportler geöffnet wird, sondern dem Naturschutz vorbehalten bleibt. 

Die Erinnerung an zwei Jahrhunderthochwasser scheint den Anwohner nach wie vor präsent: Immerhin 70 Prozent finden wichtig, dass das Gebiet einen wirksamen Beitrag zum Hochwasserschutz leistet. Deshalb soll die künftige Ausgestaltung des Ufers und der Gewässersohle möglichst naturnah sein.

Mehr als 90 Prozent der Teilnehmer finden, dass die Kühlung durch das Stadtgrün und das Wasser, der Lebensraum für die Pflanzen und Tiere sowie die Erholungs- und Entspannungseffekte sehr wichtig sind.

Und ein weiterer Aspekt ist den Dresdnern wichtig: die Bildung, die vor Ort in der Natur praxisnah und anschaulich angeboten werden kann. Viele Befragte wünschen sich Informationstafeln und spezielle Angebote für Schulen und Kitas. Das könnten eine Art Grünes Klassenzimmer und verschiedene Kunstobjekte sein.

Viel Platz für schöne Freizeitmöglichkeiten: Mit den Kiesseen in Leuben sind die befragten Dresdner besonders unzufrieden. Baden ist hier offiziell verboten. An der Südseite befindet sich die Wasserskianlage, die von der Stadt aber nur geduldet ist.
Viel Platz für schöne Freizeitmöglichkeiten: Mit den Kiesseen in Leuben sind die befragten Dresdner besonders unzufrieden. Baden ist hier offiziell verboten. An der Südseite befindet sich die Wasserskianlage, die von der Stadt aber nur geduldet ist. ©  Archiv: Rene Meinig

Wer hat bei der Befragung mitgemacht?

Das Interesse bei den Dresdnern am neuen Naturprojekt ist groß: Insgesamt 737 ausgefüllte Fragebögen haben die Mitarbeiter des Landschaftsforschungszentrums Dresden im Auftrag des städtischen Umweltamtes ausgewertet. Männer und Frauen beteiligten sich etwa zu gleichen Teilen. Mehr als 80 Prozent gaben ein Alter zwischen 18 und 65 an, sind in irgendeiner Form erwerbstätig, knapp die Hälfte der Befragten besitzen nach eigenen Angaben einen Hochschulabschluss. Im Ruhestand befinden sich 16 Prozent der Befragten. 

Der Großteil der Befragten wohnt in einem der Stadtteile im Einzugsgebiet des Geberbaches. Die Menschen in Laubegast, Leuben, Tolkewitz, Dobritz, Prohlis und Reick sind direkt betroffen und kennen das Areal, das nun umgestaltet werden soll. Zudem profitieren sie unmittelbar davon. 

Wie geht es mit dem geplanten Grünzug weiter?

Die Ergebnisse der Befragung, die bereits im Sommer 2019 stattgefunden hat und seitdem ausgewertet wurde, fließen nun in die weiteren Planungen für das "Blaue Band Geberbach" ein. Es ist das zentrale Projekt im Fördergebiet Dresden Süd-Ost, dem der Stadtrat 2018 mit dem Ziel zugestimmt hat, dass Dresden in diesem Bereich grüner wird. Die Planungen für das "Blaue Band" hatte die Stadt europaweit ausgeschrieben, vier deutsche Ingenieurbüros sind nun damit beauftragt. 

Bis Mitte nächsten Jahres werden zunächst im Bereich des Gewässer- und Radweges verschiedene Varianten untersucht. Außerdem werden schon die ersten Projekte umgesetzt: An der Tauernstraße in Laubegast und im alten Dorfkern Altdobritz  entstehen derzeit zwei Spielplätze.

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Den komplette Auswertungsbericht zur Befragung sowie weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.dresden.de/blauesband.

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