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Dresdner Kathedrale: Eine Kirche wie eine Provokation

Die ehemalige Hofkirche am Dresdner Theaterplatz gilt als Sachsens größte Kirche. Sie wurde vor 270 Jahren geweiht. Nicht alle waren froh darüber.

In der Entstehung ein Politikum: Kupferstich der früheren Dresdner Hofkirche aus dem 18. Jahrhundert.
In der Entstehung ein Politikum: Kupferstich der früheren Dresdner Hofkirche aus dem 18. Jahrhundert. © Kupferstich-Kabinett , SKD

Mit einer Grundfläche von 4.800 Quadratmetern ist die Kathedrale Sankt Trinitatis am Theaterplatz die größte Kirche Sachsens – und eine der bedeutendsten: Eingebettet in eine Kapsel ruht dort etwa das Herz von August dem Starken in einer Mauernische. In ihrer Gruft sind in 49 Sarkophagen die sterblichen Hüllen ehemaliger sächsischer Kurfürsten und Könige sowie von deren Verwandten bestattet. Vor 270 Jahren wurde sie am 29. Juni 1751 als Katholische Hofkirche feierlich geweiht.

Obwohl die Weihe erst für 7 Uhr früh angesetzt war, hatten sich die Geistlichen schon kurz nach 6 Uhr in Zelten vor dem Hauptportal versammelt. Dann zogen König und Königin mit dem gesamten Hof in einer Prozession in die Kirche ein. Die Weihe wurde vom päpstlichen Nuntius in Polen, Erzbischof Alberico Graf von Archinto, vorgenommen. Johann Adolph Hasse, der Chef der Hofkapelle und Rivale Georg Friedrich Händels, stand bei der Kirchenmusik am Pult. Es erklang dessen d-Moll Messe und zum Abschluss das Te Deum in D-Dur. Die Feier dauerte bis gegen Mittag 12 Uhr. Dann gab es ein großes Festessen.

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Ein dauerhaft katholisches Herrscherhaus für Sachsen

Der Bau der Hofkirche im protestantischen Sachsen war ein Politikum. Um König von Polen werden zu können, hatte August der Starke 1697 die Konfession gewechselt und war katholisch geworden. In der Schlosskapelle von Schloss Moritzburg wurde Weihnachten 1699 der erste öffentliche katholische Gottesdienst in Sachsen seit der Reformation gefeiert. Um 1707 lebten in Dresden etwa 4.000 Katholiken. August ließ das Opernhaus am Taschenberg von Wolf Caspar von Klengel zur katholischen Hof- und Pfarrkirche umbauen. Als 1717 auch Kurprinz Friedrich August II. katholisch wurde und 1719 die österreichische Erzherzogin Maria Josepha heiratete, war der Unmut vor allem beim evangelischen Klerus groß. Jetzt war klar, dass Sachsen dauerhaft von einem katholischen Herrscherhaus regiert werden würde.

Die Opernhaus-Kirche erwies sich zunehmend als unzureichend, was wohl vor allem bei der sächsisch-spanischen Hochzeit 1738 aufgefallen sein muss, als Prinzessin Maria Amalia König Karl III. von Spanien heiratete. Noch im gleichen Jahr legte der Architekt Gaetano Chiaveri die Baupläne vor, und am 28. Juli 1739 wurde der Grundstein für die Kathedrale gelegt.

Der aus Rom stammende Chiaveri war 1727 von Sankt Petersburg nach Warschau gekommen, wo er unter anderem den Trauerkatafalk für August den Starken entwarf, als dieser 1733 starb. 1736 beauftragte ihn der neue König August III. mit den Planungen für die Katholischen Hofkirche.

Die Kathedrale ist der jüngste Barockbau Dresdens. Er war überhaupt nur möglich, weil die Kirche auf königlichem Gelände am Elbufer zwischen Brücke und Schloss errichtet wurde. Dazu mussten unter anderem Teile der Festungsanlagen abgetragen werden, zwei Brückenpfeiler wurden zugeschüttet.

Aus Platzgründen verläuft die Längsachse der Kirche auch nicht in der üblichen Ost-West-Richtung. Der Hauptaltar liegt nach Südwesten. Die malerisch-dekorative Ausstattung der Hofkirche ist relativ schlicht. Eine architektonische Besonderheit ist der Prozessionsgang zwischen dem Hauptschiff und den beiden Seitenschiffen, weil den Katholiken in Sachsen Prozessionen im Freien untersagt waren. Fassaden, Turm und Balustraden zieren 78 überlebensgroße Heiligenfiguren von Lorenzo Mattielli. Der 91 Meter hohe, sich nach oben verjüngende Turm wirkt wie das filigrane Gegenstück zur wuchtigen steinernen Glocke der Frauenkirche. Der Name „Sankt Trinitatis“ war in Richtung der Protestanten versöhnlich gemeint, gilt doch der Glaube an die Dreieinigkeit Gottes als verbindendes Band.

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Als die Hofkirche geweiht wurde, war Chiaveri schon nicht mehr in Dresden. Er hatte genervt und gemobbt im Herbst 1748 die Stadt und seine halb fertige Hofkirche verlassen. Nach der Weihe wurde sie noch etwa 20 Jahre weitergebaut.Die Kirche sollte unbeschadet den Siebenjährigen Krieg und die Schlacht bei Dresden 1813 überstehen.Bei den Luftangriffen auf Dresden 1945 wurde sie von Spreng- und Brandbomben getroffen, die Gewölbe des Mittelschiffs und der Seitenschiffe stürzten ein und brannten aus. Noch 1945 begannen Sicherungsarbeiten, am 17. Juni wurde in der Bennokapelle der erste Gottesdienst gefeiert und im Herbst wurde schließlich mit dem Wiederaufbau begonnen.

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