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Dresdner Duo bringt Künstler zusammen

Posaunist Nils Heinrich ist auch DJ und Lehrer, Tänzer Björn Helget liebt Klavier und Artistik. Nun wollen sie verschiedenste Kunstsparten miteinander verknüpfen.

Nils Heinrich und Björn Helget (v.l.) versuchen, Künstlern Türen zu neuen Kooperationen zu öffnen.
Nils Heinrich und Björn Helget (v.l.) versuchen, Künstlern Türen zu neuen Kooperationen zu öffnen. © PR

Dresden. Es ist, als hätten sie eine Vorahnung gehabt. Als Nils Heinrich und Björn Helget sich auf einer illegalen Party in der Heide kennenlernten, war Corona noch nicht in Sicht. Doch an jenem Abend entstand eine Idee, die gerade der pandemiegebeutelten Szene Impulse geben kann.

Mit vier Jahren hatte Nils noch nicht die große Wahl. "Meine beiden Opas waren Musiker, und bei uns zu Hause stand ein Flügel", erzählt der 36-Jährige. Der ständigen Anwesenheit von Liebe zur Musik entzieht sich nichts so einfach, und es wäre auch schade um das Talent gewesen, das sich bald zeigte: Der Knirps bekam Klavierunterricht und wurde vier Jahre später an der Spezialschule für Musik Carl Maria von Weber aufgenommen.

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Fürs spätere Studium an der Dresdner Musikhochschule entschied er sich dennoch für die Posaune im Hauptfach. "Ich hatte begonnen, mich für ein Blasinstrument zu interessieren, denn einer meiner Großväter spielte Klarinette", erzählt er. Immer links und rechts des Wegesrandes zu schauen, das ist in ihm früh angelegt und mündet nun in ein besonderes Projekt.

Offene Türen eingerannt

Das ging er zusammen mit dem Palucca-Tänzer Björn Helget Anfang 2019 an. Die beiden hatten bemerkt, dass sie die Freude daran teilen, sich mit Künstlern anderer Sparten und Genres zu verbinden und gemeinsam etwas Neues zu kreieren. "Es ist oft so, dass Musiker zum Beispiel in einem Orchester spielen und dort mit anderen Instrumentalisten zu tun haben, aber aus diesem Kreis kaum heraustreten", weiß Nils. Etliche Kollegen würde es ja aber interessieren, auch einmal mit Tänzern, Schauspielern, Regisseuren, Choreografen oder bildenden Künstlern zusammenzuarbeiten.

Nils Heinrich arbeitet als Musiklehrer, Orchester- und Ensembleleiter, DJ und Produzent. Er spielt in Bandprojekten Jazz, liebt Weltmusik, Pop, elektronische Musik und Avantgarde. Damit bringt er die Leidenschaft mit, auch andere Künstler für kunstübergreifende Performances zu begeistern.

Bei Björn rannte er damit offene Türen ein. Der Dresdner studierte zunächst an der Palucca Hochschule für Tanz und wechselte dann an die Staatliche Ballettschule Berlin, wo er sein Diplom ablegte. Später ging er zurück nach Dresden und absolvierte die Ausbildung zum Tanzpädagogen. Choreografie, Artistik, Sportakrobatik, Schauspiel - um all diese Facetten erweiterte der 35-Jährige sein Spektrum und sagt von sich: "Ich habe immer den Wunsch gehabt, niemals in alten Strukturen zu verharren."

Auch er hat schon als Steppke die Leidenschaft zu Musik und Tanz ausgelebt, Klavier gelernt und im Kindertanzensemble der TU Dresden getanzt. Damals ahnte er noch nicht, dass ihn sein späterer Beruf bis nach Chicago bringen würde, wo er in der Danceworks-Kompanie engagiert war.

Kurz vor Beginn der Pandemie hatten Nils und Björn die ersten gemeinsamen Tanzabende erarbeitet und Aufführungen in verschiedenen deutschen Städten geplant. Das jüngste Kunstprojekt verband Musik, Tanz und Lichtkunst zu einer Inszenierung. "Wir haben mit einer speziellen Technik Bilder auf bewegte Körper projiziert", erklärt Nils.

Doch dann blieb auch die Welt der Kunst und Kultur förmlich stehen, die Veranstaltungen in Berlin, Neustrelitz, Leipzig und Dresden mussten abgesagt werden. Doch die Begeisterung für übergreifende Kunstkonzepte blieb bestehen. "So haben wir kurzerhand ein neues Format auf den Weg gebracht", erzählt Nils Heinrich.

Crowdfunding-Aktion gestartet

In der Interviewreihe "LivingConversations" lassen sie Künstler verschiedener Kunstformen miteinander ins Gespräch kommen - in der Hoffnung, dass sich aus dem Austausch später eine Kooperation entwickeln könnte. Diese Plattform für Erfahrungsaustausch und gegenseitige Inspiration wollen die beiden fest etablieren. Das erste Interview ist bereits auf Youtube zu sehen. "Anfang August werden wir die nächste Folge veröffentlichen", sagt Nils Heinrich.

All das bringt zunächst wenig und kostet viel Geld. "Allein der Kameramann, der uns zur Seite steht, hat schon rund 300 Arbeitsstunden investiert." Doch künstlerische Leistung müsse bezahlt werden. Um das Vorhaben auch wirtschaftlich auf den Weg zu bringen, braucht das Duo für sein neu gegründetes "TheHelHeinCollective" eine Anschubfinanzierung. "Damit wollen wir zunächst erst einmal die Leute bezahlen, die uns bei der technischen Umsetzung helfen." Deshalb haben sie eine Crowdfunding-Aktion auf der Plattform Startnext gestartet. Sie läuft noch bis zum 31. August und soll 4.000 Euro für Künstlergagen und technisches Equipment einbringen.

Ideenaustausch und das Verknüpfen von verschiedenen künstlerischen Bereichen macht die Kulturlandschaft bunter, spannender und vielleicht auch besser gewappnet für komplizierte Zeiten. Davon sind Nils Heinrich und Björn Helget überzeugt - sie selbst haben sich schon auf einen neuen Weg gemacht.

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