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Dresdner Schule gesperrt: So geht es weiter

In der 35. Grundschule bröckelt der Putz, die Schüler lernen seit 2020 auswärts. Doch die Pläne der Stadt haben sich verschoben. Warum?

Die 35. Grundschule in Dresden wurde gesperrt. Was mit etwas losem Putz begann, wurde zum Großbauprojekt.
Die 35. Grundschule in Dresden wurde gesperrt. Was mit etwas losem Putz begann, wurde zum Großbauprojekt. © Sven Ellger

Dresden. Der enorme Schaden im Altbau der 35. Grundschule war im vergangenen Jahr eher zufällig entdeckt worden. An mehreren Stellen hatte sich der Deckenputz abgelöst, im Hausflur war er sogar zu Boden gefallen. Was dann kam, war für Stadtverwaltung und Schulgemeinschaft ernüchternd: Handwerker, die den Schaden im Sommer 2020 eigentlich schnell reparieren sollten, stießen auf weitere Stellen mit lockerem Putz. Anfang Juli wurden Teile des historischen Gebäudes komplett gesperrt.

Mitte August vergangenen Jahres war klar: Der Schaden ist viel größer als gedacht, von einer schnellen Reparatur konnte keine Rede mehr sein. Bauexperten hatten die Bereiche untersucht und bestätigt, dass Unterricht in den betroffenen Klassenzimmern nicht stattfinden kann, bevor der Schaden nicht behoben ist.

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Mit Beginn des Schuljahres 2020/21 mussten die zweiten, dritten und vierten Klassen nach Tolkewitz fahren, verschiedene Busunternehmen brachten die Grundschüler von Löbtau in das Tolkewitzer Schulhaus am Berthelsdorfer Weg und am Nachmittag wieder zurück. In Tolkewitz lernen außerdem die Schüler des Gymnasiums LEO. Ein anderer, näherer Auslagerungsstandort stand so kurzfristig nicht zur Verfügung. Und das bleibt zunächst auch so.

Ab dem kommenden Schuljahr sollten die Grundschüler eigentlich wieder in der Bünaustraße in Löbtau unterrichtet werden. Dafür hatte die Stadt mehrere sogenannte Mobile Raumeinheiten (MRE) bestellt, die auf dem Spielplatz neben der 35. Grundschule aufgestellt werden sollen. Die Spielgeräte wurden abgebaut und eingelagert, die Fläche ist für den Aufbau der Container vorbereitet. Doch daraus wird vorerst nichts.

Mängel beim Brandschutz werden nicht mehr "toleriert"

An diesem Dienstag informierte die Leiterin des Schulverwaltungsamts, Katrin Düring, die Eltern darüber, wie es nach den Sommerferien für ihre Kinder weitergeht. Demnach hakt es bei dem Bauprojekt gleich an mehreren Stellen. Zum einen verschieben sich die Arbeiten an den Decken im Altbau. Sie sollten im Sommer dieses Jahres beginnen, doch bei den Planungen für die Sanierung wurde auch der Brandschutz im Gebäude genauer unter die Lupe genommen.

Mit dem Ergebnis, dass das alte Schulhaus nicht mehr den neuesten Anforderungen entspricht. Das betrifft etwa den Feuerwiderstand der Decken und verschiedene Leitungen, die im Gebäude anders verlegt werden müssen. Diese Mängel, die bisher "toleriert" wurden, müssen im Zuge der geplanten Bauarbeiten nun beseitigt werden.

Dafür seien wiederum weitere Planungen nötig, die anschließend geprüft und genehmigt werden müssen, so Katrin Düring. Sie geht derzeit davon aus, dass die Arbeiten im Altbau im April kommenden Jahres starten können.

Zweite Generation Erstklässler betroffen

Strenge Vorgaben gibt es auch für die Containerklassenzimmer. Zwar konnte die Planung für das Interimsgebäude mithilfe des städtischen Tochterunternehmens Stesad deutlich verkürzt werden, auch ein Anbieter wurde bereits gefunden, der die Container rechtzeitig geliefert hätte. Allerdings ist für das Interimsgebäude eine spezielle Zulassung erforderlich, die noch nicht erteilt wurde.

Hintergrund ist, dass die Schüler auch vorübergehend in einem sicheren Gebäude lernen sollen. Hier geht es ebenfalls um den Brandschutz, um Flucht- und Rettungswege zum Beispiel. Brände in anderen Containerbauten haben gezeigt, dass die Anlagen mitunter unerwartet schnell in sich zusammenfallen. Sachsen reagiert darauf und prüft solche Containerbauten nun umfassend, bevor die Landesdirektion Sachsen und die Landesstelle für Bautechnik in Leipzig sie zur Nutzung freigeben.

Die Stadt rechnet im August mit dieser Zulassung, dann werden die Fundamente für den Containerbau errichtet. Im Dezember soll er fertig sein, sodass die Grundschüler ihn nach den Winterferien 2022 nutzen können.

Bis dahin werden die Kinder weiterhin nach Tolkewitz in den Berthelsdorfer Weg fahren müssen. Das Schulverwaltungsamt konnte inzwischen sicherstellen, dass die Busunternehmen die Schüler noch bis zu den Winterferien zum Auslagerungsstandort und zurück nach Löbtau bringen. Ab September wird also bereits die zweite Generation Schulanfänger am Morgen zunächst eine lange Busfahrt vom Dresdner Westen in den Osten unternehmen.

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Alles in allem wird das Großbauprojekt, das mit ein paar wenigen Stellen losem Putz begann, frühestens im Februar 2023 fertig sein. Wenn die Schüler in den Altbau zurückkehren können, verschwindet das Containergebäude und die Spielgeräte werden wieder aufgebaut.

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