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Alte Volkshochschule wird abgerissen

Das DDR-Gebäude am Schilfweg in Dresden-Seidnitz soll abgerissen werden. Der Neubau ist teurer als eine Sanierung. Das sorgte für Streit.

Im Schulhaus Typ Dresden Atrium am Schilfweg in Seidnitz hatte zuletzt die Volkshochschule ihren Standort. Noch immer ist das Schild über dem Haupteingang zu sehen.
Im Schulhaus Typ Dresden Atrium am Schilfweg in Seidnitz hatte zuletzt die Volkshochschule ihren Standort. Noch immer ist das Schild über dem Haupteingang zu sehen. © Christian Juppe

Dresden. Die Stadt Dresden will das alte Schulgebäude vom Typ Dresden Atrium am Schilfweg in Seidnitz abreißen und am Standort ein neues Gebäude aus sogenannten Mobilen Raumeinheiten (MRE) in Holzmodulbauweise errichten lassen. Diesen Plänen stimmte am Donnerstag der Stadtrat zu.

Im Altbau war bis Ende 2016 die Dresdner Volkshochschule untergebracht, wovon noch das große Schild über dem Haupteingang zeugt. Genutzt werden soll das neue Haus bereits ab dem Schuljahr 2012/22, denn es wird dringend als Bauauslagerungsstandort benötigt. So einen Schulstandort mit einem Gebäude aus vorgefertigten Bauteilen gibt es bereits am Terrassenufer. 

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So soll die neue Schule am Schilfweg aussehen. Sie wird in Holzmodulbauweise errichtet.
So soll die neue Schule am Schilfweg aussehen. Sie wird in Holzmodulbauweise errichtet. © Visualisierung: Peter Zirkel Ges. v. Architekten

Der Abriss des Gebäudes am Schilfweg ist nicht unumstritten. Fest steht, dass der Standort im Dresdner Schulbauprogramm ein wichtiger Aspekt ist. Uneinigkeit gab es aber darüber, ob das alte DDR-Gebäude am Schilfweg tatsächlich abgerissen oder lieber saniert werden soll. Das hat vor allem finanzielle Gründe: Eine Sanierung würde rund sieben Millionen Euro kosten, ein Neubau samt Zweifeld-Sporthalle mit rund 19 Millionen Euro zu Buche schlagen. 

Das Gebäude ist verfallen, aber prinzipiell sanierungsfähig. Dennoch sind Aufwand und Kosten hoch, um daraus wieder einen modernen Schulstandort zu machen.
Das Gebäude ist verfallen, aber prinzipiell sanierungsfähig. Dennoch sind Aufwand und Kosten hoch, um daraus wieder einen modernen Schulstandort zu machen. © Christian Juppe

In der Vorlage, über die der Stadtrat am Donnerstag entschieden hat, wägt die Verwaltung durchaus beide Varianten gegeneinander ab, kommt aber zu dem Schluss, dass der Neubau schneller zur Verfügung steht als ein saniertes Schulhaus. Und die Zeit drängt: Sowohl die 92. Grundschule "An der Aue" als auch die 91. Grundschule "Am Sand" warten in den nächsten Jahren auf ihre Sanierung, weitere Schulsanierungen sollen folgen. All diese Schüler müssen während der Arbeiten am ihrem Stammhaus woanders lernen. Die Stadt sieht im Bauauslagerungsstandort am Schilfweg die beste und schnellste Möglichkeit, das zu gewährleisten.

Zum anderen würde der sanierte Altbau am Schilfweg nur Platz für eine vierzügige Grundschule bieten, während im Neubau aufgrund einer anderen Anordnung und Nutzung der Räume auch parallel zwei zweizügige Grundschulen oder später eine dreizügige Oberschule untergebracht werden könnten. "Ein saniertes Gebäude wäre damit trotz eines erheblichen Investitionsvolumens immer kompromissbehaftet", argumentiert die Stadt ihre Entscheidung für Abriss und Neubau.

Nicht nur die Fenster müssten im Schulhaus am Schilfweg komplett erneuert werden.
Nicht nur die Fenster müssten im Schulhaus am Schilfweg komplett erneuert werden. © Christian Juppe

Die CDU-Fraktion im Dresdner Stadtrat konnte dem folgen. Mit dem Neubau werde die Voraussetzung für schelle Schulsanierungen in Dresden geschaffen, die für die CDU klar Priorität besitze, so der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Matthias Dietze. Dennoch kritisiert er, dass die Stadt den richtigen Zeitpunkt für eine Sanierung habe verstreichen lassen. Das sei 2017 gewesen, als die Möglichkeit bestand, das Schulhaus für 2,8 Millionen Euro sanieren zu lassen. "Warum die Verwaltung dem nicht nachkam ohne Beteiligung des Bildungsausschusses, wird separat zu klären sein." Der jetzige Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) müsse nun einen Brand löschen, der in der Vergangenheit gelegt wurde.

Eine Sanierung zum jetzigen Zeitpunkt wäre frühestens im zweiten Halbjahr 2024 abgeschlossen, so Dietze. Zu spät für die 92. Grundschule, die dringend einen Auslagerungsstandort benötigt. Der Sanierungsbedarf an dieser Schule sei sichtbar und die Raumsituation angespannt. "Bauen wir nicht jetzt, verfallen außerdem Fördermittel des Landes in Höhe von 4,5 Millionen Euro." Dietze bezeichnet die Kosten für den Neubau dennoch als "teures Zeitfenster und angesichts der angespannten Haushaltslage mehr als schmerzlich".

Seit dem Auszug der Volkshochschule steht das Gebäude leer. Laut Stadtverwaltung können die jetzigen Räume in Größe und Anordnung nicht von einer dreizügigen Oberschule genutzt werden.
Seit dem Auszug der Volkshochschule steht das Gebäude leer. Laut Stadtverwaltung können die jetzigen Räume in Größe und Anordnung nicht von einer dreizügigen Oberschule genutzt werden. © Christian Juppe

Das sieht auch Torsten Nitzsche von den Freien Wählern so. Dennoch lehnte er den Neubau ab, weil eine Sanierung des Schulgebäudes mit 7,2 Millionen Euro deutlich weniger gekostet hätte. Mit Blick auf die angespannte Haushaltslage hält er die Mehrausgaben für falsch. Zwar räumt er den zeitlichen Vorteil eines Neubaus ein, aber auch er kritisiert, dass die Stadtverwaltung trotz Baugenehmigung seit drei Jahren am Schilfweg nichts gemacht hat. 

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